: Wie Coach Hrubesch die DFB-Frauen stark redet

von Frank Hellmann
30.11.2023 | 17:26 Uhr
Alles klammert sich vor dem entscheidenden Nations-League-Duell gegen Dänemark bei den deutschen Fußballerinnen an Horst Hrubesch - und der Interimscoach lebt die Überzeugung vor.

Am Freitag treffen die deutschen Fußballerinnen in der Nations League auf Dänemark. Trainer Horst Hrubesch redet das DFB-Team vor dem wichtgen Spiel stark.

30.11.2023 | 00:41 min
Im Fußball trifft man sich fast immer zweimal. Warum sollte das bei Horst Hrubesch anders sein? Im wichtigsten Spiel seiner zweiten Amtszeit als Interimstrainer der deutschen Frauen-Nationalelf mit dem Duell in der Nations-League gegen Dänemark (Freitag 20:30 Uhr/live im ZDF) kehrt der 72-Jährige nach Rostock zurück, wo er vor 30 Jahren mal versuchte, den Traditionsverein Hansa in einem halbjährigen Intermezzo wieder in die Bundesliga zu hieven. Voller Entschlossenheit sagt er heute:
Wir werden auf nichts warten. Wir bestimmen, was auf dem Platz passiert.
Horst Hrubesch

DFB-Frauen brauchen Sieg mit zwei Toren Differenz

Obwohl die Mission einst schief ging, sei er "mit einem Lächeln" zurückgekommen, verriet der vielfach erprobte Notretter, viele Kontakte seien bis heute nicht abgerissen: "Zudem war ich mal zum Fischen da." Wenn das kein gutes Omen ist.
Im nahezu ausverkauften Ostseestadion ist in einem winterlichen Ambiente ein Sieg mit zwei Toren Differenz nötig, um sich den Olympia-Traum zu bewahren. Nur die Gruppensieger spielen Ende Februar 2024 beim Finalturnier die letzten zwei freien Startplätze für Europa aus.

Kein Gedanke ans Scheitern bei Hrubesch

Ans Scheitern verschwendet das HSV-Idol keine Gedanken. Lieber mischte der gewichtige Hoffnungsträger bei einer Schneeballschlacht mit, um seinen Tatendrang vorzuleben. "Das sind die Spiele, die du willst. Wir müssen klar aufzeigen, dass wir bereit sind, einen Schritt mehr zu machen." Zu jeder Jahreszeit.
Dass die ersten Trainingseinheiten auf einem Sportplatz ohne Rasenheizung mit fester Schneedecke absolviert werden mussten, hat Hrubesch nicht gestört. Er redet sein Ensemble vor dem eisigen Stresstest vielleicht sogar stärker als es gerade ist. Hrubesch weiß, dass man besser spielen muss als zuletzt gegen Wales (5:1) und Island (2:0): "Wir waren uns hinterher alle einig, dass noch mehr gehen muss und auch mehr gehen kann."

Trainer haben mehrere Anpassungen vorgenommen

Hrubesch und sein Vertrauter Thomas Nörenberg hatten keine Zeit, um ein gänzlich neues Spielsystem zu implantieren. Aber sie haben wichtige Anpassungen vorgenommen, die teils schon Co-Trainer Britta Carlson einführte, als sie für die erkrankte Ex-Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg einsprang.
Mit Giulia Gwinn und Sarai Linder sind die Außenbahnen der Viererkette wieder verlässlicher als bei der WM besetzt, die in Australien fehlende Linda Dallmann soll mehr spielerische Impulse geben.
Und dass jetzt die seit ihrem Wechsel zum FC Chelsea aufblühende Sjoeke Nüsken für Lena Oberdorf im zentralen Mittelfeld spielt, muss kein Nachteil sein. "Beide haben top trainiert, beide werden wir brauchen", sagt Hrubesch über Dallmann und Nüsken.

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Mit Hrubesch kommt der Spaß zurück

Der Coach hat es mit seiner offenen wie fordernden Art immerhin geschafft, neben dem Spaß auch wieder Überzeugung zu vermitteln. So sagt die nach überstandenen Gehirnerschütterung zwischen die Pfosten zurückkehrenden Merle Frohms wie selbstverständlich: "Wir wissen, dass wir in der Lage sind, Dänemark zu schlagen, und da brauchen wir jetzt keine Wunderdinge zu machen."
Ähnlich äußerte sich auch Verteidigerin Kathrin Hendrich: "Wir Spielerinnen sind schon lange im Geschäft. Ich glaube, wir können mit Druck auch gut umgehen."
Sie will weiterhin eine "brutale Qualität" im deutschen Team erkennen. Als hätte es die historisch schlechte WM 2023 gar nicht gegeben. Immerhin: Bei der EM 2022 gelang gegen die Skandinavierinnen ein beschwingter Auftakterfolg (4:0).

Olympia als Highlight

Solch einen Befreiungsschlag traut Hrubesch auch jetzt wieder dieser Elf zu: "Olympia ist das absolute Highlight. Allein für den Frauenfußball in Deutschland ist das ein Ansporn."
Beim letzten Turnier unter Erfolgsgarantin Silvia Neid gab es 2016 die Goldmedaille, danach in Tokio war das Team durch das Viertelfinal-Aus bei der WM 2019 nicht qualifiziert.
Für Mittelfeldfeldspielerin Sara Däbritz bleiben diese Olympischen Spiele "unvergesslich und unbeschreiblich." Ob das in der Werthaltigkeit vor einer EM oder WM steht, sei dahingestellt, indes steht für die mittlerweile weder im Verein noch im Nationalteam gesetzte 28-Jährige fest: "Es lohnt sich, dafür zu kämpfen und alles zu geben."

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