: Israels emotionale Rückkehr auf Fußballplatz

13.11.2023 | 15:26 Uhr
Erstmals seit dem Angriff der Hamas hat die Nationalmannschaft von Israel wieder ein Fußball-Länderspiel bestritten. Auch das palästinensische Team ist vom Nahost-Krieg betroffen.

Israel bestreitet das erste Spiel seit dem Hamas-Angriff gegen Kosovo in der EM-Qualifikation. In einem Hochsicherheitsspiel gelang dem Kosovo ein 1:0-Erfolg.

13.11.2023 | 01:14 min
Als die Nationalhymne Israels erklang, hallten Pfiffe durch das Stadion Fadil Vokrri von Pristina. Doch die Spieler um Kapitän Eli Dasa formten ihre Hände unbeirrt zu gebrochenen Herzen - in Gedanken an die vielen Toten und die Geiseln, die die Hamas weiterhin gefangen hält. Tränen flossen.
Gut einen Monat nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel hat die israelische Nationalmannschaft am Sonntagabend erstmals wieder an einem Fußball-Länderspiel teilgenommen: Das EM-Qualifikationsspiel im Kosovo war jedoch alles andere als eine normale Partie. "Wir können die Situation in Israel und das Spiel nicht voneinander trennen, das ist nicht möglich", sagte Kapitän Dasa vor der Partie. "Wir hatten in der Umkleide Tränen in den Augen", berichtete der 30-Jährige:
Wir haben Videos von Soldaten und Kindern erhalten. Sie lächelten, aber sagten uns, sie hätten kein zu Hause mehr, wo sie das Spiel sehen könnten. Das hat mich gebrochen.
Kapitän Eli Dasa
Trainer Alon Hazan sagte: "Jeder hier kennt jemanden, der vom Krieg betroffen ist."

ZDF-Reporterin Katrin Eigendorf konnte die israelische Armee im Gazastreifen begleiten. Sie berichtet von ihren Eindrücken vor Ort.

12.11.2023 | 02:03 min

Nationalmannschaft will Hoffnung schenken

Israels Nationalhymne heißt "Hatikvah", das bedeutet Hoffnung - und ein bisschen Hoffnung wollten die Spieler auch ihren Landsleuten schenken. Doch das einzige Tor des Abends machte dann Milot Rashica - der ehemalige Angreifer von Werder Bremen traf in der 41. Minute zum 1:0-Sieg für Kosovo.
In Gruppe I kann sich Israel als Tabellendritter bei vier Punkten Rückstand auf die Schweiz nun kaum noch Hoffnung auf die direkte Qualifikation machen, aber immerhin ist ihnen ein Umweg sicher: Als Nations-League-Gruppensieger in Liga B hat Israel einen Platz im Play-off-Turnier im März 2024 sicher. 

Pfiffe und Buhrufe bei der Hymne

Das Spiel auf dem holprigen Platz in Pristina war womöglich das schwerste in der Karriere der Spieler. Einen Tag vor der Partie trugen Kapitän Dasa und Trainer Alon Hazan militärische Erkennungsmarken um den Hals. "Unsere Herzen sind in Gaza gefangen", lautete der Aufdruck. Trainer Hazan erklärte:
Als ich die Buhrufe von den Zuschauern gehört habe, wurde mir klar, dass ich noch stolzer bin, überhaupt hier zu sein.
Israels Fußball-Nationaltrainer Alon Hazan

Mannschaft strengstens bewacht

Die Partie fand unter massiven Sicherheitsvorkehrungen statt. Auf dem Weg zum Flughafen musste der Bus in Israel wegen eines Raketenalarms stoppen, die Spieler am Straßenrand Schutz suchen.
Mehr als 30 Geheimdienstmitarbeiter begleiteten die Nationalmannschaft, die das stark bewachte Hotel nur für das Spiel verlassen durfte. Direkt im Anschluss ging es nach Budapest, wo Israel am Mittwoch gegen die Schweiz antritt. Es folgen Spiele gegen Rumänien und in Andorra.
Vier Begegnungen in zehn Tagen wurden angesetzt, da die Oktober-Länderspiele nicht ausgetragen werden konnten.

Mehrere palästinensische Spieler stecken in Gaza fest

Der Krieg in Nahost ist ebenso ein Teil der palästinensischen Spieler, die am Donnerstag mit einem Spiel gegen den Libanon in ihre WM-Qualifikation starten.
Drei von Nationaltrainer Makram Daboub nominierte Spieler konnten nicht an der Vorbereitung dafür in Jordanien teilnehmen, da sie den Gazastreifen nicht verlassen konnten. "Es geht ihnen bisher gut. Aber viele ihrer Verwandten sind durch die Bombardierungen gestorben", sagte Trainer Daboub.

Nach Angaben der israelischen Armee hat die Hamas die Kontrolle über den Norden des Gazastreifens verloren. Die Gefechte gehen aber unvermindert weiter.

12.11.2023 | 01:34 min
Heimspiele wird es auch für das palästinensische Team vorerst aus Sicherheitsgründen nicht geben. Die Partie gegen Australien findet in Kuwait statt. Selbst Auswärtsspiele müssen verlegt werden. In den Vereinigten Arabischen Emiraten tritt das Team gegen den Libanon an, ursprünglich sollte das Spiel in Beirut stattfinden.
Eine Absage der Begegnungen steht nicht zur Debatte. "Es ist ein Volk, das vom Rest der Welt gehört und gesehen werden möchte", sagte Susan Shalabi, Vize-Präsidentin des palästinensischen Fußball-Verbandes:
Das palästinensische Volk möchte wie jedes andere ein normales Leben leben, deshalb ist die Nationalmannschaft wichtig.
Susan Shalabi, Vize-Präsidentin des palästinensischen Fußball-Verbandes
Quelle: dpa, SID

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