: Biathlon-Männer auf neuen Pfaden

von Andreas Morbach
30.11.2023 | 12:06 Uhr
Am Sonntag gelang den deutschen Skijägern der erste Doppelerfolg im Weltcup seit Januar 2017. Das überraschende Ergebnis nehmen sie nun auch mit in die Staffel.
Strotzen vor Selbstvertrauen: Die deutschen Biathleten um Justus Strelow (v.l.) und Roman Rees (v.r.)Quelle: AFP
Es war ein außergewöhnlicher Moment, den Johannes Thingnes Bö am vergangenen Sonntag in Östersund erlebte. Dass überhaupt mal ein Konkurrent besser ist als er, ist für den 30-Jährigen schon eine absolute Seltenheit. Nach seinem dritten Platz im Biathlon-Klassiker über 20 Kilometer war er allerdings besonders verdattert.

Applaus von Dominator Johannes Thingnes Bö

Im Vorjahr hatte Bö von den 19 Einzelrennen, bei denen er gestartet war, überhaupt nur drei nicht gewonnen. Doch diesmal standen mit Roman Rees und Justus Strelow gleich zu Beginn zwei DSV-Skijäger auf dem Siegertreppchen über ihm.

Biathlet Roman Rees hat in Östersund den ersten Weltcupsieg seiner Karriere eingefahren - und freute sich doppelt, denn Teamkollege Justus Strelow wurde Zweiter.

27.11.2023 | 01:29 min
"Eine Überraschung", kommentierte der Dominator Bö den deutschen Doppelerfolg - und applaudierte:
Was für ein perfektes Rennen. Ich habe versucht, was ich konnte, aber es hat nicht gereicht. Ich ziehe meinen Hut.
Johannes Tignes Bö über den deutschen Doppelerfolg im Einzel

Kampfansage an Norweger und Schweden

Im heutigen Staffelrennen (live im ZDF ab 15:05 Uhr) haben Bö und seine Mannschaftskollegen die Möglichkeit, die Kräfteverhältnisse wieder zurecht zu rücken. Die deutsche Mannschaft muss allerdings kurzfristig auf die erkrankten Rees und Strelow verzichten. Für Startläufer Strelow rückt David Zobel in die Mannschaft, anstelle von Schlussläufer Rees kommt Johannes Kühn zum Staffel-Einsatz.

Benedikt Doll mit Lust und Motivation

In der vergangenen Saison gewannen die Norweger alle fünf Staffeln im Weltcup, belegten zudem die ersten drei Plätze in der Gesamtwertung. Und der beste Skijäger hinter diesem Trio war: Benedikt Doll.
Der 33-jährige Schwarzwälder ist gerade in seine voraussichtlich letzte Saison gestartet - und im Gespräch mit ZDFheute erzählt er:
In diesem Jahr fiel mir die Vorbereitung wieder relativ leicht, muss ich sagen. Das liegt sicherlich auch daran, dass ich einige Sachen verändert habe, wo ich Lust und Motivation hatte, das auszuprobieren.
Benedikt Doll

Cheftrainer Velepec fordert schnelles Schießen

Das gilt in erster Linie für den Umgang mit seinem neuen Gewehr. Das soll ihm vor allem dabei helfen, die Schießzeiten zu verkürzen. Das ist die zentrale Forderung des neuen Chefcoachs Uros Velepec, Nachfolger des im März zurückgetretenen Bundestrainers Mark Kirchner, an die deutschen Biathleten.
"Ich kann vorne mitspielen, aber ich muss eben die gleiche Schießleistung bringen wie die Norweger. Und die schießen einfach sehr gut", weiß Doll. "Deshalb ist das für mich auch das aktuelle Hauptziel: gut und mit einer guten Trefferquote in die Saison zu starten."

Jens Filbrich neuer Lauftrainer

Auf dem Weg in diesen Winter beschritten der Sprint-Weltmeister von 2017, mit zwei Schießfehlern guter Neunter im Einzel, und die Weltcup-Kollegen Rees, Strelow, Philipp Nawrath, Johannes Kühn und David Zobel dabei generell viele neue Pfade.
So steht dem zum Chef aufgestiegenen Slowenen Velepec, der bei der Arbeit mit dem Gewehr viele neue Trainingsformen einführte und viel im Wettbewerb gegeneinander schießen ließ, mit dem früheren Weltklasselangläufer Jens Filbrich ein neuer Assistent für die Bereiche Lauf und Athletik zur Seite.

Einzel-Sieger Romas Rees genießt "coole Situation"

Mit Livigno und dem Lavazè-Pass, jeweils auf 1.800 Meter gelegen, und Herzogenaurach wurden zudem Lehrgangsorte ausgewählt, in denen selbst der erfahrene Doll zuvor noch kein Trainingslager absolviert hatte. Und zwischendurch testeten Deutschlands Skijäger auch erstmals in einem Windkanal.
"Es ist", sagte Rees, "eine richtig coole Situation. Wir haben viel richtig gemacht, das ist gut fürs Selbstvertrauen."

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