: Ein Drittel der Züge im Fernverkehr zu spät

09.01.2023 | 18:22 Uhr
Jeder dritte Zug im Fernverkehr der Deutschen Bahn kam 2022 zu spät. Der Konzern hat ambitionierte Ziele. Warum eine schnelle Verbesserung im neuen Jahr unwahrscheinlich ist.
Allzu oft musste die Deutsche Bahn im vergangenen Jahr um Verständnis bitten, weil Halte zu spät erreicht wurden. Kann die Bilanz 2023 überhaupt besser werden?Quelle: Arne Dedert/dpa
Die Deutsche Bahn hat ihre Fahrgäste im Fernverkehr 2022 so oft warten lassen wie seit mindestens zehn Jahren nicht mehr: Die Pünktlichkeitsquote lag in den zurückliegenden zwölf Monaten bei 65,2 Prozent und damit 10 Prozentpunkte unter dem Vorjahresniveau, wie der Konzern am Montag mitteilte. Als verspätet geht ein Zug in die Statistik ein, wenn er mit mehr als sechs Minuten Verzögerung an einem Halt ankommt.
Als Gründe nannte die Bahn die überalterte und knappe Infrastruktur, viele Baustellen und ein rasant wachsendes Verkehrsaufkommen. Die kommenden Monate dürften mit den andauernden Infrastrukturproblemen und anstehenden Tarifverhandlungen ebenfalls herausfordernd werden.
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Schienennetz am Limit

Dennoch: Für dieses Jahr strebt die Bahn einen Pünktlichkeitswert von mehr als 70 Prozent an. Angesichts tiefgreifender Infrastrukturprobleme ist eine schnelle und deutliche Verbesserung allerdings nicht in Sicht. Das Schienennetz wurde lange vernachlässigt, dem hohen Verkehrsaufkommen ist es nicht mehr gewachsen.
DB-Infrastrukturvorstand Berthold Huber will nun das bestehende Netz fit machen, um die Kapazitäten zu erhöhen. Denn die Fahrgastzahlen sollen auch nach Wunsch der Bundesregierung in den kommenden Jahren deutlich steigen, schließlich nimmt die Bahn für die Mobilität der Zukunft und mit Blick auf die Klimaziele des Verkehrs eine Schlüsselrolle ein. Klar ist aber auch: Die Infrastruktur lässt sich nicht in wenigen Wochen oder Monaten modernisieren.

Rund 60 Milliarden müssen laut Deutsche Bahn ausgegeben werden, um das Schienennetz in Deutschland auf den neusten Stand zu bringen. Die jahrelange Vernachlässigung der Infrastruktur der Bahn verursacht jetzt große Probleme.

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Die Idee: Lieber einmal alles reparieren als immer wieder nur das Nötigste. Los geht es 2024 - während der Bauphase dürfte der Schmerz vor allem für Pendler zunächst größer werden.
2023 sollen nach DB-Angaben zudem drei neue ICEs pro Monat geliefert und die Flotte entsprechend verjüngt werden. Derzeit läuft die Auslieferung von fast 140 Zügen des Modells ICE 4. Außerdem erhält die Bahn derzeit Züge des Modells ICE 3 neo, von denen 73 Stück bestellt wurden.

Fahrgastverband: "Ergebnis von 30 Jahren kaputtsparen"

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sieht auch in der Personalpolitik der Deutschen Bahn einen Grund für das aktuelle Abschneiden. Die Gewerkschaft kritisierte in den vergangenen Monaten, dass Personal fehle, die Beschäftigten viele Überstunden machen müssten und insgesamt einer hohen Belastung etwa durch das 9-Euro-Ticket ausgesetzt seien.
Laut Karl-Peter Naumann, dem Ehrenvorsitzenden des Fahrgastverbands Pro Bahn müsse die Politik derweil dafür sorgen, dass die Infrastruktur verbessert werden könne, indem sie zum Beispiel genug Geld bereitstelle. "Die aktuellen Pünktlichkeitswerte sind letztlich das Ergebnis von 30 Jahren kaputtsparen", so Naumann.
Quelle: dpa

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