FAQ

: Droht eine Finanzkrise 2.0?

von Stephanie Barrett
13.03.2023 | 14:31 Uhr
Die kalifornische Bank Silicon Valley ist pleite. Könnte das weitere Kreise ziehen und eine ähnliche Situation wie in der Finanzkrise 2008 drohen?

Der Zusammenbruch der Silicon Valley Bank erinnert an die Pleite der Investmentbank Lehmann Brothers 2008.

13.03.2023 | 01:08 min
US-Präsident Joe Biden hat nach der Schließung zweier US-Banken seit Freitag die Sicherheit der Einlagen für amerikanische Bankkunden bekräftigt. "Die Amerikaner können sich darauf verlassen, dass das Bankensystem sicher ist", sagte er.
Kunden, die ihr Geld bei in den über das Wochenende geschlossenen Geldhäusern Silicon Valley Bank und Signature Bank angelegt hatten, seien geschützt und hätten ab heute Zugang zu ihren Ersparnissen, sagte Biden. Das gelte auch für kleine Betriebe.

Was ist die Silicon Valley Bank?

Die Silicon Valley Bank (SVB) war in der Tech-Szene bei Start-ups in den USA das zentrale Finanzinstitut. Fast die Hälfte aller US-Start-Ups wickelt seine Finanzierungen über die SVB ab. In Deutschland zählt neben dem Kochboxenversender HelloFresh auch der deutsche Flugtaxi-Entwickler Lilium zu den Kunden der Bank. Letzten Donnerstag meldete das Institut überraschend Kapitalbedarf an.

Was droht den deutschen Banken nach dem Kollaps der Silicon Valley Bank? Eine Einschätzung von Börsenexperte Frank Bethmann.

13.03.2023 | 01:17 min

Wie kam es zur Pleite?

Die Silicon Valley Bank war bislang die zentrale Sparkasse der jungen Startup- und Technologieunternehmen im kalifornischen Silicon Valley. In der Boomphase bis 2021 parkten viele junge Unternehmen ihre Einnahmen bei der SVB. Entsprechend wuchsen die Einlagen der Bank deutlich stärker als die Kreditvergabe.
Die Bank musste das Geld anlegen und kaufte vor allem langjährige US-Staats- und Hypothekenanleihen - und zwar zu dem Zeitpunkt, als die Kurse besonders hoch waren. Als die Notenbanken plötzlich die Zinsen stark anhoben, um die Inflation einzudämmen, fielen nicht nur die Staatsanleihen im Wert, auch die Tech-Branche geriet in Turbulenzen, weil sich Kapital verteuerte und Investoren zurückhaltender wurden.  
Die erfolgsverwöhnten Gründer mussten auf ihre Rücklagen zurückgreifen, die Bank war gezwungen ihre Anleihen mit Verlust zu verkaufen, um Einlagen an die Kunden auszuzahlen. Als die Bank Ende letzter Woche nun überraschend Kapitalbedarf anmeldete, gerieten Kunden in Panik und ein Bankrun setzte ein. Sie wollten mit dem Ansturm massenweise ihre Einlagen sichern. Das zwang die US-Einlagensicherung FDIC noch am Freitag zum Handeln.

Welche Konsequenzen hat das?

Inzwischen hat es mit der New Yorker Signature Bank noch eine zweite Bank erwischt. Am Montagmorgen aber die große Erleichterung: Am Montag sollen Kunden der Silicon Valley Bank Zugang zu ihren kompletten Guthaben bekommen, wie US-Behörden bereits am Sonntagabend verkündeten.
Es war ein überraschender Durchbruch, der einen Domino-Effekt verhindern soll. Zunächst war die Rede davon, dass Kunden lediglich auf 30 bis 50 Prozent ihrer Guthaben wieder zugreifen könnten. Eigentlich sind Einlagen in den USA nur bis zu einer Obergrenze von 250.000 Dollar versichert.  
Die Investoren, die hinter den Banken stehen, müssten ihre Verluste hingegen selbst tragen, so US-Präsident Biden am Montag. Außerdem würden die Manager der unter staatliche Kontrolle gestellten Geldinstitute entlassen, kündigte Biden an.
Die Kosten für die Einlagensicherung müssten nicht die Steuerzahler tragen, sagte Biden. Dafür käme ein Einlagensicherungsfonds auf, in den alle Banken einzahlten. Außerdem wolle er den Kongress darum bitten, die Regeln für US-Banken zu verschärfen, um so etwas zu vermeiden.

Es beginnt mit einer revolutionären Idee, die zum viralen Phänomen wird. Doch dann wird der Code gehackt und es kommt zum Millionen-Dollar-Raub. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

08.06.2022 | 29:46 min

Droht eine Finanzkrise 2.0?

Jeder Bankrun ist ein Schock, der Vertrauensverluste auslösen kann, aktuell ablesbar an den Kursverlusten von Aktien aus dem ganzen Bankensektor. Dennoch gehen Ökonomen nicht davon aus, dass die SVB-Pleite eine globale Finanzkrise auslösen kann. Zwar sitzen derzeit weltweit viele Banken auf Staatsanleihen mit langer Laufzeit, die in Folge der Zinswende deutlich an Wert eingebüßt haben. Doch die meisten Banken können diese Verluste bis zum Auslaufen der Anleihen aussitzen. Nur wer jetzt zum Verkauf gezwungen ist, muss Verluste in Kauf nehmen.
"Der sehr schnelle und möglicherweise sich noch fortsetzende Zinsanstieg führt zu starken Kursverlusten bei Langläufern in den Bankenbilanzen", erklärt Friedrich Heinemann, vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) aus dem Forschungsbereich Unternehmensbesteuerung. "Das sorgt für Stress."
Durch die starken Zinserhöhungen der Notenbanken haben Staatsanleihen teils deutlich an Wert verloren. Wenn Finanzinstitute diese aktuell verkaufen, müssen sie Verluste hinnehmen. Können sie die Anleihen bis zum Auslaufen halten, erhalten sie den Nennwert in voller Höhe.
Die meisten Banken können diese Buchverluste ja aussitzen, weil sie entsprechend langfristige Einlagen haben.
Friedrich Heinemann, ZEW-Finanzexperte
"Auch darf man die starken Ertragszuwächse im kurzfristigen Einlagengeschäft nicht übersehen, die den Banken derzeit viel Freude bereiten und eher weiter steigen werden." Das Geschäftsmodell der SVB sei "als Start-up-Finanzier zudem ein sehr spezielles."

Welche Lehren wurden aus der Finanzkrise 2008 gezogen?

Seit der Finanzkrise sind Finanzinstitute viel stärker reguliert, Anforderungen an das Eigenkapital der Banken wurden deutlich verschärft. Kreditinstitute haben ihr Kapital seit 2008 massiv aufgestockt. Zudem müssen sie regelmäßige Stresstests über sich ergehen lassen.
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) sieht keine Bedrohung für die deutsche Finanzstabilität, weil die deutsche Zweigstelle der SVB "keine systemische Relevanz habe". Dennoch machte die Bafin die deutsche Zweigstelle mit Sitz in Frankfurt dicht. Finanzminister Christian Lindner sagte mit Bezug auf die Bafin: "An der Stabilität haben diese Institutionen keinen Zweifel gelassen."
Europaweit zählt die SVB 3.600 Kunden, die meisten davon in Großbritannien. Doch selbst der britische Finanzminister Jeremy Hunt sieht für das britische Bankensystem keine Gefahr durch den Kollaps. "Das britische Bankensystem ist extrem sicher und gut kapitalisiert." Die britische Sparte der SVB wurde bereits von der Großbank HSBC übernommen.
Quelle: mit dpa