: Nachfrage für Balkonkraftwerke boomt

07.04.2024 | 13:38 Uhr
Mehr als 400.000 Balkonkraftwerke sind inzwischen registriert. Die Nachfrage dürfte noch steigen: Es soll einfacher werden, steckerfertige Solaranlagen anzumelden und anzubringen.

Balkonkraftwerke boomen: Inzwischen sind mehr als 400.000 der kleinen Solarzellen in Betrieb – Tendenz steigend. Seit Anfang April kann der Betrieb einfacher angemeldet werden.

07.04.2024 | 00:17 min
Strom aus Solarzellen am eigenen Balkon erzeugen: In den vergangenen Jahren haben die sogenannten Balkonkraftwerke einen regelrechten Boom erlebt. Sie sind eine relativ einfache und bezahlbare Möglichkeit für Mieter, sich an der Energiewende zu beteiligen oder einfach Stromkosten zu sparen.
Auch die Politik beschäftigt sich mit den steckerfertigen Solaranlagen, wie die Geräte korrekt heißen. An einigen Stellen hakt es aber noch. Ein Blick auf Stand, Entwicklung und Zukunft.

Wieviele Balkonkraftwerke sind in Betrieb?

Inzwischen sind mehr als 407.000 Balkonkraftwerke in Betrieb. So viele sind im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur mit Stand vom 7. April aufgeführt. Davon wurden über 56.000 allein im ersten Quartal dieses Jahres registriert.
Tatsächlich dürften beide Zahlen noch höher liegen, da es einerseits nicht registrierte Anlagen gibt, andererseits Anlagen auch nachgemeldet werden können. Zum Vergleich: In 2023 wurden insgesamt 274.000 Balkonkraftwerke registriert, die in Betrieb sind.
Wo diese Anlagen stehen oder hängen:

  • Nordrhein-Westfalen: über 80.000
  • Bayern: über 60.000
  • Niedersachsen: über 50.000
  • Baden-Württemberg: knapp 50.000

Eine Photovoltaik-Anlage auf dem eigenen Balkon zu installieren war bisher mit recht viel Aufwand verbunden. Das könnte sich jetzt ändern, denn der bürokratische Weg soll einfacher werden.

25.05.2023 | 02:01 min

Geht das Wachstum weiter?

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) hält es für wahrscheinlich, "dass die Nachfrage nach Solartechnik insgesamt auch 2024 weiter zunehmen wird", sagt Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig.
Allerdings werde sich das Marktwachstum abflachen, das in der Vergangenheit noch im dreistelligen Prozentbereich gelegen habe. Es liege in der Natur der Sache, dass sich das nicht beliebig oft wiederholen lasse.
Zudem habe es zuletzt unter anderem durch die Energiekrise im Zusammenhang mit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine eine Sonderkonjunktur gegeben, die jetzt etwas abebbe.

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Was sich bei der Registrierung neuer Balkonkraftwerke ändert

Ein Stück weit helfen könnte dabei die zum Monatswechsel in Kraft getretene Änderung bei der Registrierung neuer Balkonkraftwerke. "So wie jede unverhältnismäßige Marktbarriere die Nachfrage bremst. So führt umgekehrt fast jeder Abbau von Bürokratie zu einer Belebung der Nachfrage", sagt Körnig.
So hat die Bundesnetzagentur zum 1. April die Registrierung von Balkonkraftwerken im Marktstammdatenregister bereits vereinfacht und verweist auf weitere geplante Maßnahmen in einem geplanten Solarpaket.

Was ist mit dem Solarpaket?

Bereits im vergangenen August hatte das Bundeskabinett ein Solarpaket auf den Weg gebracht. Es enthält unter anderem den Abbau bürokratischer Hürden für den Ausbau der Sonnenenergie. Nur: Das Paket hängt seit Monaten in den parlamentarischen Beratungen fest.
Umstritten ist vor allem eine gezielte Förderung der heimischen Solarindustrie mit Steuergeldern. Das will die FDP nicht mitmachen. Zusammen mit dem Solarpaket verhandeln die Ampel-Fraktionen außerdem eine Reform des Klimaschutzgesetzes, die ebenfalls umstritten ist. Eine Einigung über beide Vorhaben könnte es bald geben, vom BSW heißt es dazu:
Wir hoffen, dass es noch im April zu einer Verabschiedung des Solarpakets I im Bundestag kommen wird.
Bundesverband Solarwirtschaft (BSW)
Der Gesetzesentwurf enthält eine ganze Reihe an Maßnahmen zum Bürokratieabbau, unter anderem ist vorgesehen, dass Balkonkraftwerke grundsätzlich nicht mehr beim Netzbetreiber gemeldet werden müssen. Eine Registrierung im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur wird dann ausreichend sein.

Die Bundesregierung hat ein neues Solarpaket beschlossen, das den Ausbau beschleunigen soll. Dabei tobt schon jetzt vielerorts ein heftiger Streit um neu geplante Solarparks.

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Was soll sich bei Mietwohnungen ändern?

Für Wohnungseigentümer und Mieter will die Regierung es zudem einfacher machen, ein Balkonkraftwerk anzubringen. Konkret geht es um Änderungen im Mietrecht und im Wohnungseigentumsrecht. Die Stromerzeugung durch Steckersolargeräte soll in den Katalog der sogenannten privilegierten Maßnahmen aufgenommen werden. Diese können von Vermietern und Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) nicht einfach blockiert werden - wie Umbauten für Barrierefreiheit, E-Mobilität, Einbruchschutz und Telekommunikation.
Vermieter und die WEG sollen zwar immer noch ein Mitspracherecht haben, ob ein Balkonkraftwerk überhaupt installiert werden darf, wäre dann aber nicht mehr grundsätzlich strittig.
Künftig sollen Mieter vom Vermieter grundsätzlich verlangen können, dass ihnen die gegebenenfalls notwendige bauliche Veränderung zur Installation des Geräts gestattet wird.
Es sei denn, die Installation des Steckersolargeräts kann dem Vermietenden nicht zugemutet werden, so das Justizministerium zum Gesetzentwurf. Was genau aber dies bedeute, werde nicht klar, kritisierte der Deutsche Mieterbund in einer Bundestags-Anhörung.
Quelle: dpa

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