: Wetterdienst verlängert Dauerregen-Warnungen

03.01.2024 | 11:38 Uhr
Während sich die Lage mancherorts etwas entspannt, kämpfen viele Regionen Deutschlands weiterhin mit Hochwasser. Der Deutsche Wetterdienst erwartet dort zudem neue Regenfälle.

In den Hochwassergebieten ist ein Ende der Überschwemmungen nicht in Sicht - die Gefahr von größeren Überflutungen besteht weiterhin. Ein Lagebild.

03.01.2024 | 01:58 min
In den Hochwasser-Regionen ist keine Entspannung in Sicht. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet "neue Regenfälle in den bisher bereits gebeutelten Gebieten". Noch am Mittwoch sollten neue Warnungen vor Dauerregen ausgegeben werden. Bestehende Warnungen sollen bis Samstag verlängert werden. Meteorologin Julia Tuschy berichtet:
Besonders im Fokus stehen dabei Gebiete im Westen und der Mitte des Landes.
Julia Tuschy, Meteorologin
Für Mittwoch und Donnerstag erwartete der DWD Regenmengen zwischen 30 und 50 Litern pro Quadratmeter. Im Bergland - vor allem in Staulagen - könnten es auch 60 bis 120 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 30 bis 60 Stunden sein. Nach wie vor sind Niedersachsen, Teile Nordrhein-Westfalens, der Süden Sachsen-Anhalts und der Norden Thüringens besonders vom Hochwasser betroffen.
ZDFheute Infografik
Mehr
Mehr
Mehr
"In der Nacht zum Donnerstag halten die Schauer landesweit an", heißt es in der Vorhersage vom Mittwoch. Tagsüber gibt es in den meisten Regionen vorübergehend Entspannung. "Nur in einem breiten Streifen vom Niederrhein über Thüringen hinweg bis zum Erzgebirge und dem Fichtelgebirge muss bis zum Abend mit weiteren Regenfällen gerechnet werden", so die Meteorologin Tuschy.

Scholz will Flutgebiet besuchen

Kanzler Scholz will sich am Donnerstag gemeinsam mit Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) in Oberröblingen, einem Stadtteil von Sangerhausen, über die Hochwasserlage informieren. Die Politiker wollen sich zunächst den Deich an der Helmebrücke ansehen, der zu brechen droht, zudem ist der Besuch einer Sandsackbefüllungsanlage geplant. Am Silvestertag hatte Scholz bereits Hochwassergebiete in Niedersachsen besucht. 

Sorge bereiten durchweichte Deiche

Vielerorts in Deutschlands rüsten sich Einsatzkräfte vor möglichen Auswirkungen dieser neuen Regenfälle. In der Gemeinde Lilienthal bei Bremen stabilisierten Helfer durchweichte Deiche mit Sandsäcken. Dort können derzeit knapp 100 Menschen nicht in ihre Häuser oder Wohnungen. Zum Schutz von Häusern wurde möglichst nah am Deich eine Barriere mit extragroßen Sandsäcken errichtet. An anderer Stelle wurde ein rund 800 Meter langer mobiler Deich aufgebaut.
Die Stadt Oldenburg schützt sich ebenfalls mit einem mobilen Deich gegen das Hochwasser. Der Deich auf rund zwei Kilometern Länge sei bereit, teilte die Stadt mit. Noch vorhandene Lücken sollen im Akutfall unter anderem mit Sandsäcken geschlossen werden.

Sandsäcke gehen zur Neige

Niedersachsen greift inzwischen auch auf die Reserven von Sandsäcken aus anderen Bundesländern zurück. Bis auf einen kleinen Rest sei die eigene Reserve von rund 1,9 Millionen eingelagerten Sandsäcken seit Beginn der Hochwasserlage vor Weihnachten mittlerweile abgerufen worden, teilte der zuständige Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit.

Viele Deiche in Deutschland sind in die Jahre gekommen. Bei anhaltendem Hochwasser saugen sie sich voll und können brechen. Sanierung oder Neubau bieten dann den besten Schutz.

03.01.2024 | 00:34 min
Im Hochwassergebiet an der Landesgrenze von Sachsen-Anhalt und Thüringen wird die Schulpflicht in einigen Orten ausgesetzt. In Kelbra, Roßla und Wallhausen bleiben die Schulen am Donnerstag und Freitag geschlossen, teilte der Landkreis Mansfeld-Südharz am Dienstagabend mit. Eine Notbetreuung werde eingerichtet. In der Nacht trat in Thüringen die Leina im gleichnamigen Ort über die Ufer.

Keine Entwarnung in NRW

Auch in Nordrhein-Westfalen gab das Umweltministerium in Düsseldorf noch keine Entwarnung. Die Hochwasserlage habe sich zwar über das Silvester-Wochenende weiter entspannt. "Allerdings sehen wir auch bereits, dass durch die aktuellen Niederschläge erste kleine Gewässer wieder ansteigen", sagte ein Sprecher des Umweltministeriums. Ob sich diese Lage weiter verschärfe, hänge von den Niederschlägen ab.

Durch starke Regenfälle gibt es in vielen Teilen Deutschlands Hochwasser. ZDF-Korrespondentin Scarlett Sternberg berichtet über die Aussichten aus dem Hochwassergebiet Hannover.

03.01.2024 | 01:02 min

Hunderte Helfer in Sachsen-Anhalt im Einsatz

Im Süden Sachsen-Anhalts sprach der Landrat des Landkreises Mansfeld-Südharz, André Schröder (CDU), von einer sehr ernsten Lage. Entlang der Helme-Deiche seien Hunderte Einsatzkräfte im Dienst, um sie zu verstärken, zu sichern und aufzubauen, hieß es. Auf Thüringer Seite sollte an der Helme im Kyffhäuserkreis entschieden werden, ob ein Deichdurchbruch bei Mönchpfiffel-Nikolausrieth vertieft wird, um Wasser auf Felder abzuleiten.
In vielen Teilen Deutschlands soll es in den kommenden Tagen weiter regnen.Quelle: ZDF
Auch in anderen Regionen Deutschlands schaut man mit bangen Blicken zum Himmel. Im Norden Bayerns ließen die Regenfälle das Hochwasserrisiko erneut ansteigen. Betroffen sind nach Angaben des Hochwassernachrichtendienstes vom Dienstag große Teile Oberfrankens.

Donnerstagnacht kommt neues Tief über Norddeutschland

Die Überschwemmung macht auch vor Äckern und Feldern keinen Halt und lässt Landwirte bangen. "Man ist gerade so voll mit Adrenalin", so der Bremische Landwirtschaftsverband.

03.01.2024 | 02:09 min
Am Donnerstag macht sich ein neues Tief namens "Brigitta" von der Bretagne aus auf den Weg Richtung Norddeutschland. "Es greift in der Nacht zum Freitag mit seinem Niederschlagsgebiet auf den Westen und Nordwesten Deutschlands über und erfasst im Laufe des Freitags die Nordhälfte", sagte die Meteorologin Tuschy voraus.
Gegen Ende der Woche formiert sich ein weiteres Sturmtief, das laut DWD voraussichtlich den Namen "Charlotte" tragen wird. Die zugehörigen Niederschläge erfassen am Samstag den Alpenraum und Süddeutschland.
Quelle: dpa

Themen

Mehr zu Hochwasser