: Zweiter Dammbruch: Lage spitzt sich zu

07.04.2024 | 16:43 Uhr
Ein zweiter Damm ist unter dem Druck der Wassermassen am Ural-Fluss in Russland gebrochen. Besonders betroffen: Die Industriestadt Orsk. Die Justiz ermittelt wegen Fahrlässigkeit.

Sturzregen und Schneeschmelze haben im Ural eine Flutkatastrophe ausgelöst. Besonders betroffen ist die Stadt Orsk, wo ein Damm aufgrund des Drucks der Wassermassen gebrochen ist.

08.04.2024 | 01:20 min
Heftige Fluten haben weite Teile des Gebiets Orenburg im Süden Russlands überschwemmt. Inzwischen seien mehr als 6.300 Häuser durch Hochwasser überflutet, wie die russischen Behörden sagten.

Nach Dammbrüchen und Dauerregen sind in Russland und Kasachstan entlang des Urals weite Gebiete überschwemmt. Die Lage soll sich in den kommenden Tagen weiter verschlechtern.

08.04.2024 | 01:14 min

Zwei Dämme bei Orsk gebrochen

Weil durch die Wassermassen auch zwei Dämme brachen, spitzt sich die Situation an den Südausläufern des Ural zu. Allein in der Stadt Orsk mit mehr als 200.000 Einwohnern stünden 4.500 Häuser unter Wasser. Auf Videos und Bildern war zu sehen, dass teils nur noch Dächer aus dem Wasser ragten. In der Region wurde offiziell der Ausnahmezustand verhängt.
Orsk liegt in der Region Orenburg, rund 1.700 Kilometer südöstlich von der Hauptstadt Moskau entfernt und nahe der Grenze zur zentralasiatischen Republik Kasachstan.Quelle: ZDF
Die Lage sei "kritisch", sagte der russische Katastrophenschutzminister Alexander Kurenkow am Sonntag bei einem Besuch der Industriestadt. Er war von Kreml-Chef Wladimir Putin nach Orsk geschickt worden. Dort war am Freitag nach sintflutartigen Regenfällen der erste Staudamm gebrochen. Er konnte dem Druck des Wassers aus dem Uralgebirge, wo Eis und Schnee schmelzen, nicht mehr standhalten.
Danach war es laut Behörden am Samstag zu einem zweiten Dammbruch gekommen. In der Folge seien am Samstag Teile der Altstadt von Orsk überschwemmt worden. 

Tausende Menschen müssen vor Hochwasser fliehen

Mehr als 4.000 Menschen seien in Sicherheit gebracht worden; es stünden elf Notunterkünfte für mehr als 8.000 Menschen bereit, hieß es beim Besuch Kurenkows. In Orsk waren auch vier Todesfälle gemeldet worden, die laut Behörden aber nichts mit dem Hochwasser zu tun haben sollen.
In der Industriestadt Orsk sind Tausende Häuser geflutet worden.Quelle: ddp images
Rettungskräfte berichteten, dass sich Menschen teils der Evakuierung widersetzten, weil sie auf eine Besserung der Lage hofften. Das sei aber vorerst nicht in Sicht, hieß es. Zudem wurde wegen Niederschlägen ein weiterer Anstieg des Hochwassers erwartet.

Hochwasser auch in Gebietshauptstadt Orenburg

Auch aus der Gebietshauptstadt Orenburg wurden deutlich erhöhte Pegelstände gemeldet. Wer sich noch in der Gefahrenzone befinde, müsse diese "unverzüglich" verlassen, forderte Bürgermeister Sergej Salmin.
Rettungseinsatz in Orsk: Helfer bringen Bewohner in Sicherheit.Quelle: ddp images
Sollten die Aufforderungen nicht befolgt werden, würden die Evakuierungen unter Zwang ausgeführt. Nach Angaben von Regionalgouverneur Denis Pasler waren die Schäden im Stadtzentrum von Orenburg "erheblich". 

Mängel bei Untersuchung des Damms in 2020 festgestellt

Die Justiz hat im Zuge der Überschwemmungen ein Strafverfahren wegen Fahrlässigkeit eingeleitet. Nach Angaben der regionalen Staatsanwaltschaft war die Stadtverwaltung von Orsk bereits im März verwarnt worden wegen eines "Verstoßes gegen die Gesetzgebung zum Schutz der Bevölkerung und der Gebiete vor natürlichen und von Menschen verursachten Notfällen". 

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Hintergrund könnte eine Überprüfung des Damms durch die technische Aufsichtsbehörde Rostechnadsor im Jahr 2020 sein. Dabei wurden 38 Mängel festgestellt und deren Behebung angeordnet. Ob dies geschehen ist, war unklar.

Damm offenbar für viel niedrigere Pegel ausgerichtet

Der Bürgermeister von Orsk, Wassili Kosupiza, hatte erst in der vergangenen Woche bei einem Ortstermin gesagt, dass der Damm robust sei.
Nach Angaben der lokalen Behörden war der Damm darauf ausgerichtet, Wasserständen bis zu einer Höhe von fünfeinhalb Metern Stand zu halten. Am Samstagmorgen habe der Wasserstand jedoch bei etwa 9,3 Metern gelegen - bei steigender Tendenz, sagte Kosupiza.

Die Risiken von Hochwasser müssen effektiver gemanagt werden. Was das konkret heißt, wird hier mit Grafiken erklärt.

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Nachbar Kasachstan ebenfalls von Überflutungen betroffen

Auch Kasachstan war von Überflutungen durch die Schneeschmelze betroffen: Präsident Kassym-Schomart Tokajew bezeichnete die Überschwemmungen als eine der schlimmsten Naturkatastrophen der vergangenen 80 Jahre in seinem Land. In zehn Regionen sei der Katastrophenfall ausgerufen worden, erklärte er.

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Quelle: dpa, AFP, AP, tai

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