: Südeuropa rechnet mit extremer Dürre

17.05.2023 | 14:56 Uhr
Angst vor Wasserknappheit in Südeuropa: Die Weltwetterorganisation WMO warnt vor einer schlimmeren Dürre als im letzten Sommer. Die 1,5-Grad-Schwelle könnte überschritten werden.
Südeuropa rüstet sich für Dürre im Sommer.Quelle: dpa
Wissenschaftler warnen für die nächsten Monate vor einer noch katastrophaleren Dürre in Europa als im vergangenen Jahr. Damals hatte der heißeste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen laut Forschern die schlimmste Trockenheit seit mindestens 500 Jahren auf dem Kontinent ausgelöst.
Vor allem in Südeuropa fürchten Landwirte wegen steigender Temperaturen und Wasserknappheit 2023 die schlechtesten Ernten und Erträge seit Jahrzehnten. Das könnte die Nahrungsmittelpreise weiter in die Höhe treiben, befürchtet die EU-Kommission. Jorge Olcina, Geografieprofessor an der Universität von Alicante, warnt:
Die Dürresituation wird sich in diesem Sommer noch verschlimmern
Jorge Olcina, Geografieprofessor

Im Süden Europas lodern in mehreren Ländern Waldbrände – ungewöhnlich früh im Jahr. Hunderte Hektar wurden unter anderem in Frankreich und Spanien zerstört.

17.04.2023 | 00:18 min

Spanien: Extreme Dürre und Hitze

In Spanien, wo bis April weniger als die Hälfte des durchschnittlichen Niederschlags gefallen ist, sind aktuell Tausende Menschen auf die Lieferung von Trinkwasser per Lastwagen angewiesen. Einige Landwirte meldeten nach Verbandsangaben bereits Ernteeinbußen von bis zu 80 Prozent, wobei vor allem Getreide und Ölsaaten betroffen waren. "Dies sind die schlimmsten Ernteverluste seit Jahrzehnten", sagt Pekka Pesonen, Leiter der Landwirtschaftsorganisation Copa-Cogeca.
Die EU-Kommission behält die Situation in dem Land, das für die Hälfte der Olivenproduktion und ein Drittel der Obstproduktion innerhalb der EU verantwortlich ist, nach eigenen Angaben genau im Blick. Kommissionssprecherin Miriam Garcia Ferrer sagt:
Die schwere Dürre in Südeuropa ist besonders besorgniserregend, nicht nur für die Landwirte dort, sondern auch, weil sie die bereits sehr hohen Verbraucherpreise in die Höhe treiben kann.
Miriam Garcia Ferrer, EU-Kommissionssprecherin
Der spanische Landwirtschaftsminister Luis Planas hatte Ende April Soforthilfe in Höhe von 450 Millionen Euro bei der EU beantragt, wie aus einem Schreiben, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, hervorgeht. Die Folgen der Dürre seien mit nationalen Mitteln alleine nicht zu bewältigen, hieß es darin.

Das andalusische Parlament hat sich für die Legalisierung einer illegalen Gewächshausfläche im von extremer Trockenheit geplagten Naturschutzgebiet Doñana ausgesprochen. Wissenschaftler halten dagegen.

27.04.2023 | 02:04 min

Dürrealarm in der Mittelmeerregion

Auch in anderen südeuropäischen Ländern blicken Landwirte und Entscheidungsträger mit Sorge auf die kommende Saison. In vier französischen Präfekturen wurde nach Angaben der staatlichen Website Propluvia ein Dürrealarm ausgelöst. Damit wird der nicht-essenzielle Verbrauch von Wasser, inklusive für den landwirtschaftlichen Bereich, eingeschränkt.
Auch in Portugal hat die Dürre frühzeitig eingesetzt. Etwa 90 Prozent des Festlands ist aktuell von Trockenheit betroffen, wobei ein Fünftel des Landes unter einer schweren Dürre leidet. Das ist fast fünfmal so viel wie im Vorjahresvergleich.

Das Jahr 2022 war das wärmste und trockenste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Europa.

20.04.2023 | 06:12 min
Derweil fehlten in Norditalien nach zwei Jahren der Wasserknappheit 70 Prozent der Schneewasserreserven, sagte Luca Brocca, Forschungsdirektor beim Nationalen Forschungsrat. Daraufhin sei die Bodenfeuchtigkeit vor Ort um rund 40 Prozent gesunken.

Folgen des Klimawandels spürbar

Häufigere und schwerwiegendere Dürren im Mittelmeerraum, wo die Durchschnittstemperatur um 1,5 Grad Celsius höher liegt als vor 150 Jahren, entsprechen den Prognosen der Wissenschaftler. Hayley Fowler, Professorin und Klimaforscherin an der Universität Newcastle, sagt:
Die Folgen des Klimawandels vor Ort entsprechen genau dem, was wir erwartet haben.
Hayley Fowler, Klimaforscherin
Trotz dieser Prognosen bleiben Maßnahmen zur Bekämpfung der Dürre vor Ort weitgehend aus. "Die Regierungen sind spät dran. Die Unternehmen sind spät dran", sagt Robert Vautard, Klimawissenschaftler und Direktor des französischen Pierre-Simon Laplace Instituts. So müssten viele landwirtschaftliche Regionen noch wassersparende Methoden einführen oder auf resistentere Landbaukulturen umstellen.

Die Stauseen in Katalonien sind nur noch zu knapp 30% gefüllt, mitunter sogar weniger. Der Wasserverbrauch wurde in 224 Gemeinden eingeschränkt.

11.04.2023 | 02:03 min

Weltwetterorganisation warnt vor Übersteigen der 1,5-Grad-Marke

Die globale Durchschnittstemperatur wird sehr wahrscheinlich in einem der nächsten fünf Jahre erstmals mehr als 1,5 Grad über das vorindustrielle Niveau klettern. Das gab die Weltwetterorganisation (WMO) am Mittwoch in Genf in ihrer jüngsten Prognose bekannt. Die WMO hatte die Wahrscheinlichkeit für das Eintreffen dieser Prognose voriges Jahr mit knapp 50 Prozent angegeben. Nun geht sie von 66 Prozent aus.
Bei der UN-Klimakonferenz in Paris wurde 2015 das Ziel vereinbart, die Erderwärmung im Vergleich zum Ende des 19. Jahrhunderts möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, um globale Klimaschäden einzugrenzen. Die WMO geht nicht davon aus, dass die Erderwärmung schon in den nächsten Jahren permanent über diese Marke klettert. WMO-Generalsekretär Petteri Taalas erklärt:
Die WMO schlägt jedoch Alarm, weil wir die Stufe von 1,5 Grad immer häufiger temporär durchbrechen werden.
Petteri Taalas, WMO-Generalsekretär
Quelle: Reuters, dpa

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