: Russlands Luftwaffe stark beeinträchtigt

von Christian Mölling und András Rácz
01.03.2024 | 05:16 Uhr
Die Ukraine hat zwei der seltensten russischen Flugzeuge abgeschossen. Das dürfte Auswirkungen auf die zukünftige Kampfstrategie der Russen haben.
Ein russisches Frühwarnradarflugzeug von Typ Beriev A50.
In etwas mehr als einem Monat ist es der Ukraine gelungen, zwei der seltensten russischen Luftfahrzeuge abzuschießen, nämlich das Frühwarnradarflugzeug Beriev A50. Diese luftgestützten Warnsysteme sind für die Koordinierung des Einsatzes russischer Luft- und Luftverteidigungskräfte von entscheidender Bedeutung. Auch die Besatzungen kamen ums Leben.
Es ist noch unklar, welches Luftabwehrsystem oder welche Luftabwehrsysteme die Ukraine eingesetzt hat, um die beiden A50 abzuschießen. Beide wurden mehr als 200 Kilometer von der Frontlinie entfernt getroffen, was die Zahl der Systeme, die sie auch nur theoretisch treffen könnten, erheblich reduziert - der genaue Waffentyp ist jedoch noch unbekannt.

Dr. Christian Mölling ...

Quelle: DGAP
... ist Forschungsdirektor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin und leitet dort das Programm Sicherheit, Verteidigung und Rüstung. Er forscht und publiziert seit über 20 Jahren zu den Themenkomplexen Sicherheit und Verteidigung, Rüstung und Technologie, Stabilisierung und Krisenmanagement. Für ZDFheute analysiert er regelmäßig die militärischen Entwicklungen im Ukraine-Konflikt.

Dr. András Rácz ...

Quelle: DGAP
... ist Associate Fellow im Programm Sicherheit und Verteidigung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin. Er forscht und publiziert zu Streitkräften in Osteuropa und Russland und hybrider Kriegsführung.
Zusammen mit der ersten A50 wurde auch eine Iljuschin Il-22 getroffen, die zwar landen konnte, aber so schwer beschädigt wurde, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass Russland sie wieder flugtauglich machen kann.

Die verbliebenen Flugzeuge reichen kaum aus

Die beiden A50 stellen unersetzliche Verluste dar. Dieses Flugzeug wurde zu Sowjetzeiten nur in sehr geringen Stückzahlen hergestellt, und Russland verfügt nicht über die Kapazität, neue Flugzeuge zu bauen.
Seit dem jüngsten Abschuss verfügt Russland nach Angaben der britischen Regierung nur noch über fünf einsatzbereite A50. Diese fünf Flugzeuge müssten alle Einsatzgebiete abdecken, auf denen die russische Luftwaffe aktiv ist, vor allem auch den Krieg in der Ukraine.
Fünf Flugzeuge reichen für diese Aufgabe kaum aus, zumal es sich bei der zweiten abgeschossenen A50 um das Flugzeug Russlands handelte, das erst kürzlich umfassend modernisiert wurde.

Bei seiner Rede zur Lage der Nation hat Russlands Präsident Putin dem Westen gedroht. Zudem appellierte er an sein Volk, die Soldaten im Krieg gegen die Ukraine zu unterstützen.

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Solange Russland nicht herausfindet, wie es seine verbliebenen Flugzeuge mit Radar und Kommandozentrale vor der ukrainischen Luftabwehr über große Entfernungen schützen kann, ist es sehr wahrscheinlich, dass Moskau diese Fähigkeiten viel weniger und viel vorsichtiger als bisher einsetzen und sie weiter von der Frontlinie fernhalten wird.

Folgen für die Kampfflugzeuge

In Ermangelung einer luftgestützten Radarunterstützung müssen sich die russischen Jagd- und Kampfflugzeuge daher ausschließlich auf ihre eigenen, wesentlich kürzeren Radare und Sensoren verlassen, was ihre Genauigkeit verringert und sie gegenüber der ukrainischen Luftabwehr erheblich verwundbar macht.

Im Januar stürzte ein russischer Militärtransporter nahe der Grenze zur Ukraine ab.

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Die Ukraine hat in den letzten zwei Wochen nicht nur große, schwere Flugzeuge abgeschossen, sondern auch mit bemerkenswertem Erfolg russische Kampf- und Angriffsjets angegriffen: Insgesamt wurden mindestens 6-8 Sukhoi 34 und 35 von ukrainischen Flugabwehrraketen getroffen, vermutlich von Systemen, die vom Westen geliefert wurden.
Das Fehlen einer luftgestützten Radarunterstützung macht die russischen Jets offenbar anfälliger für ukrainischen Beschuss. Dies gilt umso mehr, als die Ukraine bemerkenswert kreativ darin war, ihre Luftabwehrsysteme zum Zwecke eines Überraschungsangriffs in der Nähe der Frontlinie zu stationieren und sie danach wieder abzuziehen.

Auch Schweden tritt der Nato bei - unter anderem mit hochmodernen Kampfflugzeugen.

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Weitere Erfolge bleiben vom Westen abhängig

Allerdings muss man sich darüber im Klaren sein, dass die Wiederholung eines solchen Erfolges entscheidend von der Aufrechterhaltung der westlichen militärischen Unterstützung abhängt.
Wenn die Ukraine keine Raketen für ihre westlichen Luftabwehrraketenwerfer mehr erhält, könnten russische Kampf- und Angriffsjets nahezu ungehindert operieren, was ähnlich verheerende Folgen für die ukrainischen Bodentruppen hätte wie in Awdijiwka.
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