: Nawalny-Vertrauter in Litauen angegriffen

13.03.2024 | 07:54 Uhr
Leonid Wolkow, Vertrauter des gestorbenen russischen Oppositionellen Nawalny, ist in seinem Exil überfallen und verletzt worden. Er macht Putin dafür verantwortlich.
Leonid Wolkow, enger Vertrauter von Alexej Nawalny, soll angegriffen worden sein (Archivfoto).Quelle: dpa/Jean-Francois Badias
Der russische Oppositionelle Leonid Wolkow - ein enger Vertrauter des in russischer Haft ums Leben gekommenen Kreml-Kritikers Alexej Nawalny - ist im Exil in Litauen gewaltsam angegriffen worden.
"Wir werden arbeiten und wir werden nicht aufgeben", sagte der 43-Jährige am frühen Mittwochmorgen in einem Onlinevideo über die Attacke vom Vorabend. Wolkow wurde bei dem Angriff vor seinem Haus in Vilnius unter anderem der Arm gebrochen.

Nawalny-Sprecherin: Angriff mit Hammer

Der langjährige Nawalny-Vertraute sprach in dem auf der Onlineplattform Telegram veröffentlichten Video von einem "typischen" Angriff der Schergen des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Jemand habe ihm bei dem Angriff "etwa 15 Mal auf das Bein geschlagen". "Das Bein ist irgendwie okay. Es tut weh zu laufen. (...) Aber mein Arm ist gebrochen." Wolkow wurde vorübergehend in ein Krankenhaus eingeliefert, später aber wieder entlassen.
Nawalnys frühere Sprecherin Kira Jarmisch hatte zuvor erklärte, Wolkow sei zunächst in seinem Auto angegriffen worden. "Jemand hat ein Autofenster zerschlagen und Tränengas in seine Augen gesprüht", schrieb sie im Kurzbotschaftendienst X. "Danach hat der Angreifer begonnen, Leonid mit einem Hammer anzugreifen."
X-Post der ehemaligen Nawalny-Sprecherin Kira Jarmysh

Tausende bei der Beisetzung von Alexej Nawalny: Für seinen ehemaligen Stabschef Wolkow zeigte sich damit, dass die Unterstützung für den Putin-Gegner größer war als vom Kreml behauptet.

01.03.2024 | 11:30 min

Wolkow fürchtete schon vor Angriff um seine Sicherheit

Wolkows Ehefrau verbreitete Fotos ihres verletzten Ehemannes. Auf ihnen war unter anderem zu sehen, dass der 43-Jährige ein blaues Auge und Blut am Bein hatte, das durch seine Jeans durchdrang.
Die litauische Polizei bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass ein russischer Staatsbürger am Dienstagabend gegen 22.00 Uhr Ortszeit nahe seines Hauses in Vilnius angegriffen wurde. Die Täter konnten zunächst nicht identifiziert werden.
Litauens Außenministers Gabrielius Landsbergis bezeichnete den Angriff auf X als "schockierend". "Die Täter werden für ihr Verbrechen zur Rechenschaft gezogen." Wolkow hatte nur Stunden vor der Attacke der russischen Nachrichtenseite Medusa gesagt, nach Nawalnys Tod fürchte auch er um seine Sicherheit.
Das große Risiko ist jetzt, dass wir alle getötet werden. Warum ist ziemlich offensichtlich.
Leonid Wolkow

Wolkow hatte vor Kreml-Lügen im Fall Nawalny gewarnt

Der im Jahr 1980 geborene Wolkow war ein enger Vertrauter von Nawalny. Zuletzt hatte er vor Lügen des Kremls und der Moskauer Staatspropaganda im Fall Nawalny gewarnt. Wenn die Nachricht vom Tod Nawalnys wahr sei, dann sei Nawalny nicht einfach gestorben, sondern der russische Präsident Wladimir Putin habe ihn getötet, schrieb Wolkow.

Die russischen Medien seien angewiesen worden, nicht über Nawalny zu berichten, so ZDF-Korrespondent Coerper aus Moskau. Trotzdem nahmen viele Menschen an Nawalnys Beerdigung teil.

01.03.2024 | 01:40 min
Im vergangenen Jahr hatte er den Theodor-Heuss-Preis erhalten. Wolkow setze sich mit großem Risiko gegen staatliche Lügen und Desinformationskampagnen in Russland ein, begründete die Theodor Heuss Stiftung die Wahl.
Die Umstände von Nawalnys Tod sind bislang nicht geklärt. Der durch einen Giftanschlag 2020 und wiederholte Einzelhaft geschwächte Politiker soll Mitte Februar bei einem Rundgang auf dem eisigen Gefängnishof zusammengebrochen und trotz Wiederbelebungsversuchen gestorben sein. Nach Angaben von Nawalnys Team ist im Totenschein von angeblich "natürlichen" Ursachen die Rede.
Quelle: dpa, Reuters, AFP

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