: Unterwegs zu vergessenen Krisen

von Thomas Reichart
26.01.2024 | 18:09 Uhr
Außenministerin Annalena Baerbock versucht im Sudan-Konflikt zu vermitteln und Flüchtlingen zu helfen. Doch derweil verschärfen sich die Kämpfe im Land.
Annalena Baerbock mit dem Präsidenten des Südsudans.Quelle: dpa
Eine lange Karawane von Geländewagen rauscht an diesem Vormittag über eine Sandpiste südlich von Dschuba, der Hauptstadt des Südsudan. Die Passagiere aus Deutschland tragen schusssichere Westen. Empfehlung des Bundeskriminalamtes, das den Besuch mit einer Abordnung seiner Auslands- und Spezialeinsatzkräfte schützt.
Außenministerin Annalena Baerbock will eine Flüchtlingssiedlung besuchen. Gorom liegt 25 Kilometer südlich der Hauptstadt und war einmal ausgelegt für gut 2.000 Flüchtlinge. Heute sind es rund 12.000.

Geflüchtete im Südsudan haben viele Sorgen

"Das Leben hier ist sehr schwierig. Es fehlt an Sicherheit hier, an medizinischer Versorgung und an Bildung für Kinder", erzählt eine Frau, die im Frühjahr vor den Kämpfen in Sudans Region Darfur in den Süden geflüchtet ist.
Seit Beginn des Bürgerkrieges im nördlichen Nachbarland Sudan im April sind allein rund 500.000 Menschen in den Südsudan geflohen, täglich kommen rund 1.500 hinzu. Millionen sind im Sudan selbst auf der Flucht, weit über 12.000 wurden getötet.
Und die Kämpfe zwischen den rivalisierenden Fraktionen von De-facto-Machthaber Abdel Fattah al-Burhan und seinem früheren Stellvertreter Mohamed Hamdan Daglo haben sich zuletzt wieder verschärft, vor allem an der Grenze zum Südsudan.

Seit dem Militärputsch 2021 herrscht im Sudan Bürgerkrieg. Mehr als sieben Millionen Menschen sind auf der Flucht, Millionen Kinder müssen hungern.

05.01.2024 | 01:52 min

Baerbock: Tausende leiden jeden Tag

Was Baerbock in Gorom erwartet, sind die Geschichten vor allem von Frauen aus dem Sudan, die geflüchtet sind vor Tötungen und Vergewaltigungen, die Verwandte, ihre Töchter verloren haben. Und die sich nun auch im Lager im Südsudan noch immer nicht sicher fühlen.
Denn die Sicherheitslage ist zwar weit besser als im Sudan, aber mehrere Frauen berichten gegenüber dem ZDF von Angriffen, Gewalt und Feindseligkeiten im Lager.
Auch wenn andere Krisen auf dieser Welt gerade die internationale Tagesordnung bestimmen, geht im Sudan und Südsudan kein Tag vorbei, an dem nicht Tausende Menschen massiv leiden.
Annalena Baerbock, Außenministerin

Außenministerin präsentiert 5-Punkte-Plan

Am Tag zuvor hat sie Kenias Staatspräsident William Samoei Ruto in der Presidential State Lodge in Sagana getroffen. Ein Setting wie in einem Safari-Film. Aber Kern der Gespräche war die Frage, wie die Gewalt im Sudan eingedämmt werden kann. Baerbock präsentiert einen 5-Punkte-Plan, der unter anderem die internationale Vermittlung enger zusammenführen, Exil-Sudanesen einbinden will.

Bei ihrem Kenia-Besuch hat Außenministerin Baerbock den Abschluss eines Migrationsabkommens in Aussicht gestellt. Auch die Lage im Sudan war Thema beim Treffen mit Präsident Ruto.

26.01.2024 | 00:24 min
"Wir müssen ein Libyen-Szenarion verhindern", sagt Baerbock, "denn sonst droht das Land zu zerfallen" und die ganze Region stürze ins Chaos. Sie fordert eine Überwachung von Waffenlieferungen, Sanktionen und die Verfolgung von Kriegsverbrechen. Aber klar wird auch, dass weder Baerbock noch Kenias Präsident Ruto einen wirksamen Hebel haben, um die Kämpfe wirklich einzudämmen.

Polizei soll im Südsudan mithelfen

Im Südsudan sorgt die weltweit größte Blauhelm-Mission der Vereinten Nationen für einen prekären Frieden. 14 Angehörige der Bundeswehr arbeiten dort als Militärbeobachter mit, die rivalisierenden Fraktionen zu kontrollieren. Gerade erst hat die Bundesregierung beschlossen, sich mit zusätzlich 20 Polizisten an der Mission zu beteiligen.

Nach dem Militärputsch 2021 eskalierte im April ein blutiger Machtkampf zwischen zwei Generälen im afrikanischen Land. Mehr als vier Millionen Menschen sind deshalb auf der Flucht.

31.08.2023 | 01:45 min
Ein ähnlicher Einsatz im Norden, im Sudan aber scheint aktuell ausgeschlossen, weil es dafür keine Zustimmung der Konfliktparteien und keine Mehrheit im Sicherheitsrat geben würde. Was bleibt, sind Hilfen für die Flüchtlinge und der Versuch, die Länder zu stützen, die im Krieg vermitteln wollen.

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