: Weniger Brachflächen: EU lockert Auflagen

13.02.2024 | 22:20 Uhr
Um Arten zu schützen, müssen Landwirte vier Prozent ihrer Nutzfläche brachliegen lassen. Nun hat die EU-Kommission eine Ausnahme beschlossen. Eine Mehrheit gibt es dafür nicht.
Die Regeln für die Bauern werden gelockert. (Symbolbild)Quelle: ZDF
Die EU-Kommission lockert eine Umweltauflage für europäische Bauern, obwohl sie dabei keine Mehrheit der EU-Staaten unterstützt. Rückwirkend zum 1. Januar wird die Vorgabe ausgesetzt, vier Prozent des Ackerlandes brachliegen zu lassen oder unproduktiv zu nutzen, wie die Brüsseler Behörde am Dienstag mitteilte.
Durch die Auflage, Flächen etwa brachliegen zu lassen, soll eigentlich die Umwelt geschützt werden. Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) kritisierte:
Mit dieser Verpflichtung sollte das anhaltende Artenaussterben in unseren Agrarlandschaften gebremst werden.
Steffi Lemke, Bundesumweltministerin (Grüne)
Sie setze sich dafür ein, dass die Ausnahmen in Deutschland nicht umgesetzt würden.

Die Bauern haben es satt – sie wollen von ihrer Arbeit leben können. Besonders Milchbauern leiden unter niedrigen Preisen.

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Der Deutsche Bauernverband fordert hingegen, dass die Ausnahme zügig und vollständig auf den Weg gebracht wird. Deutschland könne der Kommission bis spätestens 29. Februar mitteilen, ob von der Option Gebrauch gemacht werde.

Bauern müssen stickstoffbindende Pflanzen anbauen

Voraussetzung, die Ausnahme in Anspruch nehmen zu können, ist den Angaben der Kommission zufolge, dass Bauern im Gegenzug auf vier Prozent ihrer Ackerflächen stickstoffbindende Pflanzen wie Linsen oder Erbsen beziehungsweise Zwischenfrüchte anbauen.

Die Ampel-Parteien wollen die Landwirtschaft strukturell entlasten. Die Abschaffung der Steuervergünstigung für Agrardiesel aber komme, so Finanzminister Lindner bei den Protesten.

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In einem ersten Vorschlag war noch von sieben Prozent Ackerfläche für stickstoffbindende Pflanzen die Rede. Wie ein Sprecher der EU-Kommission auf Nachfrage erklärte, habe man diese Vorgabe nach Rücksprache mit EU-Staaten abgesenkt, um Landwirten mehr Flexibilität zu ermöglichen.

Weder Mehrheit für noch gegen das Vorhaben unter EU-Ländern

Noch am Freitag hatte es nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums allerdings keine Mehrheit unter den EU-Staaten für das Vorhaben gegeben.
Das Abstimmungsergebnis ist die Quittung für den aktuellen Zickzackkurs der Kommission.
Cem Özdemir, Bundeslandwirtschaftsminister (Grüne)
Da im zuständigen Ausschuss weder eine ausreichende Mehrheit der EU-Staaten für noch gegen das Vorhaben gefunden wurde, konnte die EU-Kommission die Ausnahmen eigenständig in Kraft setzen.

Französische Bauern protestieren rund um Paris. Premierminister Attal will währenddessen verhindern, dass sich die Krise vor den Europawahlen festsetzt.

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Mit den Ausnahmen kommt die EU-Kommission unter der Leitung von Ursula von der Leyen Forderungen protestierender Landwirte entgegen. In mehreren EU-Ländern hatten Bauern - teils gewaltsam - in den vergangenen Wochen ihren Unmut unter anderem gegen Umweltauflagen aus Brüssel kundgetan.

Bundesregierung muss über Umsetzung in Deutschland entscheiden

Ob deutsche Bäuerinnen und Bauern von der Ausnahme Gebrauch machen können, liegt nun in den Händen der Bundesregierung.
Der Vorsitzende des Agrarausschusses des EU-Parlaments, Norbert Lins, fordert von Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne), die Ausnahmen zeitnah umzusetzen. Der CDU-Politiker sieht in der Ausnahmeregel ein gutes Zeichen für die europäische Landwirtschaft.

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Die Entscheidung mache es möglich, dass letzte verbliebene Rückzugsräume vieler Arten in der Agrarlandschaft geschreddert werden können, kritisierte die Umweltorganisation Greenpeace.
Post von Greenpeace bei X
"Bundesminister Özdemir muss jetzt standhaft bleiben und darf diesen Unsinn nicht auch noch in Deutschland mitmachen", teilte Greenpeace mit.
Quelle: dpa

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