: Zuchtfische bedrohen isländische Wildlachse

von Heike Kruse, Kiel
23.06.2024 | 10:00 Uhr
Die Fischindustrie züchtet vor der Küste Islands Millionen Lachse. Kritiker fürchten das Ende der Wildbestände.
In Norwegen setzt man neben technischen Hilfsmitteln wie Lasern auch auf tierische Hilfe in Form von lachslausfressenden Fischen, die in die Netzgehege eingesetzt werden.Quelle: Colourbox.de
Maul und Kopf angefressen, offene Wunden am Bauch. Und der Fisch lebt noch. "Zombie-Lachse", nennt Naturschutzaktivistin Veiga Grétarsdóttir solche Zuchtexemplare, die in den Westfjorden der Insel aus dem Wasser gefischt wurden.
Verursacher der Wunden und Verstümmelungen vieler isländischer Zuchtlachse ist ein Parasit: die Lachslaus. Es sei ein natürlich vorkommender Schädling, sagt sagt Dr. Fabian Schäfer vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei. Aber zu viele Zuchtlachse auf engstem Raum in Netzkäfigen bedeute, so Schäfer, eine schnelle Verbreitung von Krankheiten und auch vermehrten Befall mit der Lachslaus.
Allein im vergangenen Herbst wurden innerhalb weniger Tage etwa eine Million solcher "Zombie-Lachse" aus dem Meer vor Island geholt. Sie waren größtenteils tot oder dem Tod nahe. Ihre Herkunft: konventionelle Fischfarmen. Immer wieder entkommen tausende Tiere aus den Netzen ins offene Meer. Dort paaren sie sich mit den Wildlachsen und schwächen deren Population.

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Unterschiede zwischen Zuchtlachsen und Wildlachsen

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Beim Zuchtlachs handelt es sich um ein domestiziertes Tier mit domestizierten Genen, das sich trotzdem fortpflanzen und mit dem Wildtier vermischen kann. Das ist die schreckliche Seite der Lachsindustrie.
Elvar Friðriksson Geschäftsführer von North Atlantic Salmon Fund

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Lachs: vom Edelfisch zum Massenprodukt aus Aquakulturen

Immer mehr Menschen wollen immer mehr Lachs essen. Vom Edelfisch zum Massenprodukt - das garantiert und schafft neue Arbeitsplätze - auch auf Island. Hinter der gigantischen unterseeischen Industriemast in den isländischen Westfjorden steht "Arctic Fish". Das Unternehmen gehört zu "Mowi", ein mehrheitlich norwegisches Unternehmen und der größte Zuchtlachskonzern der Welt. Auf Island wächst die Angst vor der Ausrottung der Wildlachse - und damit der Widerstand gegen diese Art der Aquakultur - trotz Hunderter neuer Jobs.

Zukunft der Lachszucht

Die Lachslausproblematik ist laut Aquakulturexperte Dr. Fabian Schäfer nicht neu. In Norwegen habe man vor Jahren lachslausfressende Fische in die Netzgehege eingesetzt - und sogar Hochleistungslaser, die Lachsläuse von den befallenen Lachsen schießen.
Ein radikaler Ansatz ist es, die Meere zu verlassen und in Becken, in riesigen Aquarien an Land, zu produzieren. Das verursacht natürlich einen deutlich größeren Aufwand, aber man hat die Kontrolle, kein Fisch kann hinaus. Das wird sich am Ende allerdings in den Produktionskosten niederschlagen, da die Zucht an Land deutlich aufwendiger ist.
Dr. Fabian Schäfer, Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei Berlin

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Dem Tierwohl, der Umwelt sowie der Gesundheit der Verbraucher zuliebe sei der einzige Weg, den Lachs erneut zum Edelfisch zu küren, so Naturschutzaktivistin Veiga Grétarsdóttir - und damit die Produktion von Lachsen in den Fjorden zu verringern. Aber die großen Lachszüchter expandieren weiter. Zumindest "First Water" plant auch eine Lachsfarm an Land. Bis 2030 wollen die Unternehmen vor und auf Island die Anzahl an Zuchtlachsen verdoppeln.
Heike Kruse berichtet aus dem ZDF-Landesstudio Kiel über Skandinavien.

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