: Immer mehr wandernde Wildtiere in Gefahr

von Mark Hugo
12.02.2024 | 08:45 Uhr
Es steht nicht gut um Haie, Zugvögel und andere wandernde Wildtierarten. Das ist das Ergebnis eines UN-Berichts. Die Gründe: Lebensräume schwinden und sie werden zu sehr gejagt.
Vom Aussterben bedroht: Hundshaie - sie legen Tausende Kilometer im Laufe ihres Lebens zurück.Quelle: Christian Howe/H2Owe
Noch weiß man nicht genau warum, aber der ein bis zwei Meter lange Hundshai ist schwer unterwegs: Tausende Kilometer legt er im Laufe seines Lebens zurück. Forschende des Thünen-Instituts haben einzelne Tiere sowohl in Helgoland als auch vor der Küste Madeiras angetroffen.

Zugvögel, Wale und Fledermäuse

Hundshaie gehören zu den wandernden Tierarten. Dazu zählen vor allem Zugvögel, aber auch Wale, Delfine, Fledermäuse, einige Land-Säugetiere, Meeresschildkröten und verschiedene Fischarten wie eben der Hundshai. Der ist inzwischen weltweit vom Aussterben bedroht - vor allem, weil er viel zu oft als Beifang in Fischernetzen landet.

Darum geht es in der "Bonner Konvention"

Darum geht es in der "Bonner Konvention":

Die "Bonner Konvention“, eigentlich "Convention on Migratory Species" (CMS), ist ein UN-Übereinkommen zum Schutz wandernder Wildtierarten. Die Schlussakte wurde 1979 in Bonn verabschiedet. 1983 trat die Konvention in Kraft. Seitdem haben sie 133 Vertragsparteien unterzeichnet. Das Sekretariat sitzt in Bonn. Die Konvention bringt all die Länder an einen Tisch, durch die wandernde Tiere ziehen. Sie ist die Rechtsgrundlage für international koordinierte Erhaltungsmaßnahmen. Entscheidungsgremium ist die Konferenz der Vertragsparteien, außerdem gibt es unter anderem einen wissenschaftlichen Rat.

Liste gefährdeter Arten wächst

Die "Bonner Konvention" führt eine Liste mit aktuell 1.198 wandernden Tierarten, die aus Sicht der Vertragsstaaten koordinierte internationale Hilfe brauchen. Darunter auch solche, die bereits vom Aussterben bedroht sind. Der jetzt vorgelegte UN-Bericht stuft 399 weitere Arten als bedroht oder gefährdet ein, die bisher nicht auf der Liste stehen – vor allem Vögel und Fische, darunter Albatrosse, Haie und Stachelrochen.
Bei 44 Prozent aller unter der "Bonner Konvention" - eigentlich UN-Konvention zur Erhaltung der wandernden Wildtierarten (CMS) - gelisteten Arten gehen die Bestände zurück. Das ist das Kernergebnis des nun erstmals vorgelegten UN-Zustandsberichts zum Thema. Die Mitgliedsstaaten der Konvention tagen diese Woche in Samarkand in Usbekistan.

Wale gehören zu den größten und ältesten Säugetieren der Welt - doch sie sind bedroht.

22.02.2023 | 07:49 min

Immer mehr wandernde Arten vom Aussterben bedroht

Laut Bericht hat sich in den letzten 30 Jahren die Gefährdung bei 70 Arten - darunter dem Steppenadler, dem Schmutzgeier und dem Wildkamel - erhöht. Fast alle gelisteten Fischarten - einschließlich wandernder Haie, Rochen und Störe - sind vom Aussterben bedroht. Ihre Populationen sind seit den 1970er Jahren um 90 Prozent zurückgegangen.
Wandernde Arten sind von einer Vielzahl besonderer Lebensräume abhängig - zu unterschiedlichen Zeiten in ihrem Lebenszyklus.
Amy Fraenkel, Exekutivsekretärin der "Bonner Konvention"
"Sie reisen manchmal Tausende Kilometer, um diese Orte zu erreichen", erklärt Amy Fraenkel, Exekutivsekretärin der "Bonner Konvention". Unterwegs oder auch an den Zielorten, wo sie brüten oder Nahrung finden, müssten sie zunehmend mit Bedrohungen klarkommen.

Bedrohung durch "menschliche Aktivitäten"

Das betrifft vor allem Fische und Meeressäuger, so Nicolas Entrup von der Naturschutzorganisation OceanCare. "Meeresarten gehören zu denjenigen, die durch menschliche Aktivitäten wie das Aufsuchen und Erschließen von Ressourcen, Fischerei und Schifffahrt sowie durch Meeresverschmutzung und Klimawandel stark bedroht sind."

Die Vereinten Nationen treiben mit einem Abkommen den Schutz der Ozeane voran.

20.06.2023 | 00:58 min
Drei von vier der gelisteten Arten leiden laut Bericht unter dem Verlust von Lebensraum, Verschlechterung von Boden und Flächen und unter Zersplitterung der Bestände. Sieben von zehn Arten werden übermäßig gejagt oder sind von Beifang betroffen. Auch invasive Arten, die sich in bestimmten Regionen ausbreiten, setzen die Populationen zunehmend unter Druck.

Wieder mehr Seeadler und Buckelwale

Der UN-Bericht fordert die Mitgliedsstaaten unter anderem dazu auf, vor allem die Fischbestände besser zu schützen, mehr Schutzzonen für Lebensräume zu schaffen und die Jagd auf betroffene Arten einzudämmen. Amy Fraenkel mahnt:
Da die Arten Ländergrenzen passieren, hängt ihr Überleben von den Maßnahmen aller Länder ab, in denen sie vorkommen.
Amy Fraenkel, Exekutivsekretärin der "Bonner Konvention"
Die gute Nachricht: Es gibt wieder mehr SeeadlerQuelle: MDR/Frank Koschewwski
Dass das klappen kann, zeigt der Blick auf immerhin 14 gelistet Arten, bei denen die Bestände wieder zugenommen haben. Dazu gehören Seeadler und Schwarzgesichtslöffler, ein in Asien vorkommender Vogel, sowie Blau- und Buckelwale. Bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhundert war die Population der Buckelwale drastisch zurückgegangen. Seit einem Fangverbot erholen sie sich wieder.

Samarkand: Beratungen über koordinierte Schutzmaßnahmen

Der Hundshai steht seit wenigen Jahren immerhin auf der Liste der "Bonner Konvention". Über ihn und andere bedrohte Arten wird in Samarkand bis Samstag viel zu reden und zu beschließen sein. Koordinierte Schutzmaßnahmen, der Blick auf bisher unbeachtete Arten und auch der umstrittene Tiefseebergbau stehen auf der Agenda.
Angesichts der gefährlichen Lage, in der sich viele dieser Tiere befinden, können wir uns keine Verzögerung leisten.
Inger Andersen, Leiter des UN-Umweltprogramms UNEP
"Wir müssen zusammenarbeiten, um die Empfehlungen Realität werden zu lassen", sagt Inger Andersen, Leiter des UN-Umweltprogramms UNEP, mit Blick auf den Bericht.
Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion

Hecken sind wahre Alleskönner. Sie bieten der Natur Lebensraum, schützen das Klima und stellen eine nutzbare Ressource dar. Gegen Klimawandel und Artensterben eine geeignete Hilfe.

20.11.2023 | 06:42 min

Themen

Mehr zum Artensterben