Interview

: "Russlands Ziel ist, dass Menschen erfrieren"

11.12.2022 | 13:43 Uhr
In der Region Odessa ist der Strom weg, viele Heizungen sind kaputt. Militärexperte Carlo Masala sagt: "Das ist Russlands Ziel: dass Menschen erfrieren."

Nach den jüngsten russischen Drohnenangriffen ist die Stromversorgung in Odessa zusammengebrochen. Mehr als 1,5 Millionen Menschen müssen wochenlang ohne Strom auskommen.

11.12.2022 | 01:41 min
Nach russischen Angriffen sollen in der Region Odessa im Süden der Ukraine mehr als 1,5 Millionen Menschen ohne Strom sein. Die Regionalverwaltung schätzt, dass es mehrere Wochen dauern wird, bis das Energienetz wieder repariert ist. Besonders Kamikaze-Drohnen sorgen für Zerstörungen.
ZDFheute: Kein Strom für 1,5 Millionen Menschen - und das mehrere Wochen lang. Sind die Angaben der Ukraine realistisch?
Carlo Masala: Ja, weil die Schäden schwer sind und nicht genug Generatoren geliefert werden. Die Techniker müssen ja durch die Kampfgebiete. Neben Stromausfällen funktionieren auch viele Heizungen nicht mehr.

Carlo Masala ...

Quelle: unibw.de
… ist Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr in München. Zuvor arbeitete der Experte für Sicherheitspolitik und transatlantische Beziehungen am NATO Defence College in Rom.
ZDFheute: Heute regnet es in Odessa, aber in den kommenden Wochen kann es nachts kälter als 0 Grad werden. Besteht die Gefahr, dass Menschen erfrieren?
Masala: Ich weiß nicht, wie viele Wärmestellen es da gibt, wie viele Menschen anderswohin flüchten werden. Aber ja.
Das ist Russlands Ziel: dass Menschen erfrieren.
Carlo Masala, Bundeswehr-Uni München
ZDFheute: Was kann Deutschland in dieser Situation tun?
Masala: Deutschland liefert Generatoren. Man könnte auch - aber das ist gefährlich - das Technische Hilfswerk schicken.
ZDFheute: Ist das eine realistische Möglichkeit?
Masala: Eher nicht, das THW beruht auf Freiwilligkeit.
ZDFheute: Wenn Deutschland oder ein anderes westliches Land Techniker schicken würde: Könnte Putin das als Kriegseintritt werten?
Masala: Es ist schwierig, den Einsatz von Zivilist*innen als Kriegseintritt zu framen. Wenn sie auf Einladung eines souveränen Staates da sind, erst recht nicht.

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ZDFheute: Was können Menschen tun, um den Ukrainer*innen in Odessa über den Winter zu helfen?
Masala: Da gibt es nicht viele Möglichkeiten.
Sie brauchen Generatoren und sie brauchen Techniker, die die Infrastruktur reparieren können.
Carlo Masala, Politikwissenschaftler
Klar kann man Decken liefern, aber das wird dem Umfang der Zerstörungen nicht gerecht. Wichtig ist, die Infrastruktur so schnell wie möglich zu ersetzen. Und um die Zeit zu überbrücken, braucht man Generatoren.
Je mehr Generatoren die Ukraine bekommt, desto besser.
Carlo Masala, Bundeswehr-Uni München
Das Interview führte Julia Klaus.
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