: Was man bei Mobbing in der Schule tun kann

von Monia Mersni
15.04.2024 | 07:09 Uhr
Belästigungen und blöde Witze: Wenn Schüler regelmäßig diesen Schikanen ausgesetzt sind, spricht man von Mobbing. Wie sie sich dagegen wehren können und wo es Hilfe gibt.
Mobbing findet heutzutage auch abseits des Schulhofs statt. Durch Cybermobbing wird die Schikane zum Dauerbegleiter. Quelle: Colourbox.de
Mobbing findet häufig sowohl offline als auch online statt. Betroffene werden zum Beispiel in der Schule gemobbt, aber auch zu Hause erreichen sie beleidigende Inhalte im Klassenchat oder Sozialen Medien. Sie können sich der Situation nur noch schwer entziehen.

Was ist Cybermobbing?

Beim Cybermobbing enden die Beleidigungen nicht beim Verlassen des Schulhofs oder an der Haustür. Betroffene sind dem Mobbing vielmehr 24 Stunden am Tag und an jedem Ort ausgesetzt.

Was Cybermobbing so bedenklich macht

  • Im Internet veröffentlichte Gerüchte, Bilder oder Beschimpfungen verbreiten sich schnell und sind kaum kontrollierbar.
  • Da Beleidigungen und Fotos online nahezu unbegrenzt lange abrufbar sind, wird es dem Opfer erschwert, über die Angriffe hinwegzukommen.
  • Die Nutzung von Fake-Accounts bietet Tätern die Möglichkeit, anonym zu agieren. Das kann die Verfolgung erschweren und Betroffene zusätzlich belasten.
  • Die Betroffenheit des Opfers wird durch die räumliche Trennung nicht unmittelbar wahrgenommen. Das kann die Empathielosigkeit der Täter fördern.

Folgen von Mobbing

Kinder und Jugendliche, die von Mobbing betroffen sind, können physische wie auch psychische Beschwerden entwickeln. "Es ist bekannt, dass Mobbing mit Selbstwertproblemen, Scham und Angst verbunden ist, dieses auslösen oder verstärken kann", sagt Annegret Brauer, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie.
Ein Zusammenhang mit depressiven Störungen ist nachweisbar, so die stellvertretende Vorsitzende des Berufsverbands für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland (BKJPP).

Anzeichen für Mobbing im Verhalten von Betroffenen

  • "Personen aus dem direkten Umfeld berichten häufig, dass sich Opfer von Mobbing zurückziehen, verschlossener werden und nur noch selten von der Schule erzählen", berichtet Nora Malmedie von "Nummer gegen Kummer e.V.".
  • Zudem fallen bei vielen Betroffenen die schulischen Leistungen ab.
  • In einigen Fällen entwickeln Kinder und Jugendliche psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen.

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Wo man bei Mobbing Hilfe findet

Die Organisation "Nummer gegen Kummer" berät Kinder und Jugendliche per Telefon oder online. "Junge Menschen, die von Mobbing betroffen sind, haben hier die Möglichkeit, mit einer unbeteiligten Person über ihre Situation zu sprechen", erklärt Nora Malmedie, Pressesprecherin von "Nummer gegen Kummer e.V.". Das Beratungsangebot ist kostenfrei.
Ratsuchende Kinder, Jugendliche und Eltern bekommen Informationen über weiterführende Hilfen. Und die Betroffenen werden darin bestärkt, dass sie keine Schuld an ihrer Situation haben.
Erste Anlaufstelle sind die Schulsozialarbeit und der schulpsychologische Dienst.
Nora Malmedie, Nummer gegen Kummer e.V.
Unterstützen können auch Freunde oder die Familie. Auch der Austausch mit anderen von Mobbing betroffenen Personen sei denkbar.

Therapie bei Mobbing

Es kann aber auch sein, dass psychotherapeutische Hilfe notwendig ist. "Dann kann gemeinsam überlegt werden, was nächste Schritte sein können, und wie gegebenenfalls die Wartezeit auf einen Therapieplatz überbrückt werden kann", sagt Malmedie.
Mittlerweile ist es in bestimmten Fällen auch möglich, Trauma-Ambulanzen aufzusuchen.
Nora Malmedie, Presse- & Öffentlichkeitsarbeit Nummer gegen Kummer e.V.
In diesen Ambulanzen können betroffene Kinder und Jugendliche eine schnelle Erstversorgung erhalten. Es sei dabei wichtig, den Betroffenen zu vermitteln, dass das Mobbing tatsächlich besteht. Ebenso bekommen sie Hilfe für die Klärung der Situation und für den Umgang mit den mobbenden Personen, sagt Annegret Brauer, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie.

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Wie Eltern bei Mobbing helfen können

Wenn Kinder und Jugendliche die Verursacher direkt ansprechen möchten, dann können sie auch von Erwachsenen bei der Vorbereitung unterstützt werden, so Nora Malmedie.
"Lässt sich keine Lösung finden und hält das Mobbing an, kommt manchmal nur ein Schulwechsel infrage, um die Situation für Betroffene zu erleichtern." Dieser sollte jedoch so lange wie möglich vermieden werden, so Annegret Brauer, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie.

Resonanz auf Hilfsangebot "Nummer gegen Kummer"

2022 ging es in gut fünf Prozent aller Beratungen nach Einschätzungen der Berater am Kinder- und Jugendtelefon um das Thema Ausgrenzung und Mobbing. Das sind rund 4.600 Gespräche rund um diesen Themenkomplex bei insgesamt 90.957 Beratungen in dem Jahr.

Mobbing vermeiden durch Aufklärung an Schulen

Es gibt spezielle Anti-Mobbing-Programme für Schulen, in denen das Thema besprochen und reflektiert wird. "Wichtig ist ein klares Signal: Hier ist kein Platz für Mobbing", sagt Nora Malmedie. Es sollte klar sein, wer als Ansprechperson verfügbar ist, wenn Kinder und Jugendliche Mobbingerfahrungen machen.

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An den Schulen brauche es zwingend mehr Sozialarbeit, sagt Annegret Brauer. Aber auch die Eltern müssten nicht tatenlos zusehen, wie ihr Kind Schikanen ausgesetzt ist. Das Selbstwertgefühl des Kindes könne neben schulischen Hilfen und Angeboten auch durch Freizeitaktivitäten gefördert werden.
Wichtig ist es auch, Kinder und Jugendliche im Umgang mit dem Internet zu schulen: Welche Medien kann ich wo hochladen? Wie kann ich Verstöße melden? Wie verhalte ich mich, wenn ich Texte oder Nachrichten erhalte, die beleidigend sind?

Blockieren, melden und löschen

  • In den meisten Sozialen Netzwerken können Betroffene einzelne Nutzer blockieren, um von unerwünschten Personen keine Nachrichten mehr zu erhalten.
  • Direkt beim Anbieter der Seite können Personen gemeldet werden, die andere ständig terrorisieren, zum Beispiel durch beleidigende Nachrichten oder das Veröffentlichen von peinlichen Fotos oder Videos
  • Reagieren die Anbieter der Plattform nicht, kann man sich jederzeit an Beschwerdestellen wie jugendschutz.net wenden.

Langzeitfolgen durch Mobbing

"Die Stärke der körperlichen und seelischen Beschwerden, mit denen Mobbingopfer teilweise noch als Erwachsene zu kämpfen haben, ist von verschiedenen Faktoren abhängig", sagt Nora Malmedie. Dazu gehören unter anderem die Schwere und Art der erlebten Attacken, die eigene Persönlichkeit und die seelische Widerstandskraft. Daher zeige es sich bei jedem Betroffenen unterschiedlich.

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Quelle: dpa-Custom Content

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