: Fußball im Zeichen der Solidarität

von Ralf Lorenzen
12.06.2023 | 04:23 Uhr
Beim Länderspiel der DFB-Auswahl gegen die Ukraine geht es um weit mehr als um Sport. Die Organisatoren in Bremen fühlen sich geehrt, gerade dieses Spiel austragen zu dürfen.
In ihrem 1000. Länderspiel trifft die deutsche Nationalmannschaft am Montag in Bremen auf die Ukraine.Quelle: dpa
Schon bevor sich am Montag die Tore für 35.000 Zuschauer öffnen werden, verrät die Fassade des Bremer Weserstadions, dass hier Besonderes stattfinden wird. "Stop War!" ist da auf einem riesigen Plakat in den ukrainischen Landesfarben blau und gelb zu lesen. Das 1000. Länderspiel der DFB-Auswahl steht ganz im Zeichen der Solidarität mit der von Russland angegriffenen Ukraine.
Wir spielen in diesem Spiel mehr mit der Ukraine als gegen die Ukraine.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf

Einnahmen gehen an Kriegsopfer

Die Einnahmen des Benefiz-Spiels gehen an "Initiativen und Projekte, die den vom Krieg in der Ukraine betroffenen Menschen zugutekommen", wie der DFB mitteilte. Die Auswahl dieser Projekte werde von der Stiftung der Nationalmannschaft in Absprache mit dem ukrainischen Verband ausgewählt.
Zusätzlich lädt die die DFB-Stiftung Egidius Braun 1.000 Kinder und Jugendliche sowie deren Begleitpersonen ein, die kriegsbedingt nach Deutschland fliehen mussten.

600 Fans beim Training zugelassen

Der DFB nutzt das 1000. Spiel auch, um die in den letzten Jahren verlorengegangene Nähe zu den Fans wieder herzustellen. 600 Fans durften das DFB-Team am Donnerstag auf dem DFB-Campus in Frankfurt beim Training beobachten.
Für das Spiel selbst wurde mit 18 Uhr (ZDF live ab 17.35 Uhr) eine familienfreundliche Anstoßzeit gewählt. Dies ist besonders vom neuen Nationalmannschaftsdirektor Rudi Völler vorangetrieben worden, "um insbesondere unseren jungen Fans die Gelegenheit zu geben, ein Spiel live im Stadion oder vor dem Fernseher zu erleben", wie Völler sagte.

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DFB-Team nur zum Spiel in Bremen

In Bremen selbst, wo aufgrund des Streits wegen der von der Stadt bei der DFL in Rechnung gestellten Polizeikosten bei Hochrisikospielen der Bundesliga seit elf Jahren kein Länderspiel stattfand, wird die Nationalmannschaft außerhalb des Spiels nicht präsent sein. Sie reist erst am Spieltag an und direkt nach dem Spiel wieder ab.
Dafür wird sich die ukrainische Nationalmannschaft, die am Donnerstag auf dem Bremer Flughafen eintraf, eine Woche in der Hansestadt bleiben und hier trainieren. Mögliche weitere Termine als das Länderspiel werden dabei erst kurzfristig veröffentlicht.

Bremen muss Länderspiel üben

Im Gegensatz zu ihren kickenden Kollegen haben sich auch die DFB-Mitarbeiter, die für die Organisation des Länderspiels zuständig sind, länger in Bremen eingemietet. Dort werden sie seit Tagen von den Mitarbeitern des Weserstadions und Werder Bremen in die Gegebenheiten des Stadions eingearbeitet.
"Es ist für viele Beteiligte das erste Länderspiel in Bremen, weil es in den letzten elf Jahren natürlich personelle Wechsel gegeben hat", sagt Hans-Jörg Otto, Geschäftsführer der Bremer Weser-Stadion GmbH, die je zur Hälfte Werder und der Stadt gehört, im Gespräch mit ZDFheute:
Sie müssen das Stadion erst kennenlernen und im Kopf die Wege durchgehen.
Hans-Jörg Otto
Es sei für ihn und seine Mitarbeiter eine große Ehre, gerade das 1000. Länderspiel zu organisieren. Deutschland ist erst das fünfte Land weltweit, das diese Zahl erreicht.

Weserstadion im DFB-Gewand

"Alle sind mit Begeisterung dabei, jeden Tag sind mehr Gewerke vor Ort, und das Stadion nimmt langsam ein DFB-Gewand an", sagt Otto. Der DFB hat schließlich seine eigenen Sponsoren und Werbepartner, die auf den Banden, Bannern und Reklametafeln zur Geltung kommen wollen. Dazu kommen die Flächen mit Friedens-Botschaften.
Die Umgestaltung macht auch vor den heiligsten Räumen nicht halt. "Wir haben alle unsere Spinde ausgeräumt, weil die Kabine in Deutschland-Farben dekoriert wird", sagte Werder-Stürmer Niclas Füllkrug, der im Gegensatz zu seinen Nationalmannschaftskollegen vertrautes Gelände betritt, dem Portal "Deichstube".
Die Gedanken von Hans-Jörg-Otto gehen schon über den Schlusspfiff hinaus. "Meine Motivation ist, dass die Kollegen sagen: Es hat richtig Spaß gebracht in Bremen, wir kommen gerne wieder. Dann haben wir für den Fußballstandort Bremen viel geschafft."

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