: Boxer Tiafack: Diesmal soll Olympia klappen

von Susanne Rohlfing
26.01.2024 | 06:35 Uhr
Sechs Monate sind es noch bis Olympia in Paris. Der Kölner Boxer Nelvie Tiafack will nach einer Verletzungspause unbedingt noch ein Ticket ergattern.
Olympia im Blick: Nelvie Tiafack.Quelle: imago images
Sein erster großer Erfolg war ein Leichtes für Nelvie Tiafack. Er war damals gerade 16 Jahre alt und ging seit drei Monaten zum Boxtraining. Die Coaches vom SC Colonia nahmen ihn mit zu den NRW-Meisterschaften, er holte zwei Siege, qualifizierte sich für die nationalen Jugend-Titelkämpfe, schlug dort den einen Konkurrenten im Superschwergewicht - und war Deutscher Meister. "Das ging schneller, als ich gucken konnte", erzählt der heute 25-Jährige.
Sein sportlicher Aufstieg ging rasant weiter: Bronze bei der Jugend-WM, erster nationaler Titel bei den Erwachsenen, Bronze bei den Europaspielen und schließlich sein bislang größter Erfolg: Gold bei den Europameisterschaften 2022.

Zitterpartie um das Olympia-Ticket

Wenn da nur nicht die Sache mit Olympia wäre. Am größten Event des Amateurboxens wollte Tiafack schon vor drei Jahren teilnehmen. Beim Qualifikationsturnier für Tokio 2021 war der Kölner an Platz eins gesetzt. Doch er verpatzte seinen entscheidenden Kampf und musste zu Hause bleiben.
Nun, drei Jahre später, heißt es: neue Spiele, neues Glück. Und altes Trauma. Bei den Europaspielen im vergangenen Jahr in Krakau hätte Tiafack ins Finale einziehen müssen, um eine Paris-Fahrkarte zu lösen. Er wurde Dritter.

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Olympia-Zukunft des Boxens ungewiss

Doch anders als vor den Tokio-Spielen, mitten in Corona-Zeiten, hat er diesmal zwei weitere Chancen zur Qualifikation. Die erste Ende Februar bei einem Turnier in Mailand und dann noch im April in Thailand. Aber der gebürtige Kameruner will so schnell wie möglich alles klar machen.
Es dürfte seine letzte Chance auf eine Olympiateilnahme sein. Und das hat nichts mit dem noch nicht gänzlich abgewendeten Olympia-Aus für das Amateurboxen zu tun. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat den Box-Weltverband IBA wegen intransparenten Finanzgebarens und undurchsichtiger Kampfwertungen suspendiert, in Paris werden die Wettbewerbe unter Aufsicht des IOC und nicht des Weltverbandes durchgeführt.
Die mögliche Streichung des Boxens aus dem Programm der Spiele 2028 in Los Angeles ist noch nicht vom Tisch. Einige Verbände, darunter der deutsche, setzen auf den neuen Weltverband World Boxing und hoffen, dass dieser vom IOC anerkannt wird.

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Olympiateilnahme steigert Marktwert als Profi

Nelvie Tiafack wird jedoch kaum weitere vier Jahre warten, bevor er ins Profigeschäft wechselt. Seine Jahre als Amateur sehe er als Zeit der Ausbildung, sagt er. "Und je besser der Abschluss, desto besser der Job, den ich hinterher bekomme." Heißt: Klappt es mit der Olympiateilnahme, vielleicht sogar mit einer Medaille, steigt sein Marktwert im Profigeschäft.
Bei einem hiesigen Promoter sieht sich Tiafack allerdings nicht: "Deutschland ist tot im Boxen, England oder die USA sind im Moment die Top-Anlaufstellen." Sein Trainer Lukas Wilaschek sagt: "Nelvie hat einen attraktiven Boxstil, er kann Feuern und hat keine Angst, er ist ein starker Junge und kann viel wegstecken, da ist alles möglich bei den Profis."

Comeback nach körperlichen Problemen

Doch ein Schritt nach dem anderen. Im vergangenen Sommer fiel Tiafack für zwei Monate aus. Schulter, Oberschenkel, Knie - alles habe Probleme gemacht, erzählt er: "Mein Körper hat aufgegeben, da war dringend mal eine Wartungspause nötig." In der vergangenen Woche hat er in England sein Comeback bestritten und wurde Dritter. Zufrieden war Tiafack damit nicht, denn er verlor im Halbfinale gegen den Norweger Omar Shiha, gegen den er zuvor immer gewann. "So etwas darf einem Mann meiner Klasse nicht passieren", sagt Tiafack.
Nun wird also nochmal richtig geschuftet, nächste Woche mit den Nationalmannschafts-Kollegen in Kienbaum. "Ich muss Gas geben", sagt Tiafack. Für Olympia. Jetzt oder nie.

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