: "Schande für die Welt des Sports"

09.12.2023 | 13:13 Uhr
Russische und belarussische Sportler dürfen als neutrale Athleten an den Olympischen Spielen in Paris teilnehmen. Die IOC-Starterlaubnis unter bestimmten Auflagen sorgt für Unmut.
Die Entscheidung des IOC, russische und belarussische Athleten zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris zu zu lassen, stößt auf breite Kritik.Quelle: AP
Die Ukraine hat dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) vorgeworfen, der russischen Aggression neuen Auftrieb zu verleihen. "Die Mitglieder des Exekutivkomitees des Internationalen Olympischen Komitees, die diese Entscheidung getroffen haben, tragen die Verantwortung dafür, dass sie Russland und Belarus ermutigen, ihre bewaffnete Aggression gegen die Ukraine fortzusetzen", teilte das ukrainische Außenministerium in einer Stellungnahme mit: "Es besteht kein Zweifel daran, dass der Kreml jeden russischen und belarussischen Athleten als Waffe in seinem Propagandakrieg einsetzen wird."

Ukraine glaubt nicht an Neutralität

Das IOC hatte am Freitag entschieden, russische und belarussische Sportlerinnen und Sportler als neutrale Einzelathleten ohne Landesflagge, -farben und Nationalhymne für die Olympischen Spiele 2024 in Paris zuzulassen. Als weitere Bedingung dürfen die Athleten u.a. den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine nicht aktiv unterstützen. Sportler, die dem Militär oder den Sicherheitsbehörden angehören sowie Mannschaften aus beiden Ländern bleiben laut der Empfehlung des IOC von den Spielen (26. Juli bis 11. August 2024) ausgeschlossen.

Das IOC um Präsident Thomas Bach hat wie bereits erwartet enschieden: Russen und Belarussen werden als neutrale Athleten bei Olympia zugelassen.

08.12.2023 | 00:34 min
Und doch glaubt die Ukraine nicht an Neutralität. "Moskau wird bei den Wettkämpfen nicht weiße und neutrale Flaggen schwenken, wie das IOC vorschlägt, sondern den Triumph seiner Fähigkeit demonstrieren, die Verantwortung für den größten bewaffneten Konflikt in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg abzugeben", erklärte das Außenministerium weiter. Russland hatte die Ukraine im Februar 2022 mithilfe des verbündeten Nachbarn Belarus überfallen.

Romantschuk spricht von "großer Schande"

Auch der ukrainische Schwimmstar Mychajlo Romantschuk hat die IOC-Entscheidung gebrandmarkt. Dies sei eine "große, große Schande für die Welt des Sports", sagte Romantschuk am Rande der Kurzbahn-Europameisterschaften im rumänischen Otopeni. "Die Russen haben ukrainische Städte, ukrainische Zivilisten, ukrainische Sportler und ukrainische Sporteinrichtungen angegriffen - und jetzt dürfen sie an Wettkämpfen teilnehmen. Das ist nicht normal", führte der Olympia-Silbermedaillengewinner von Tokio aus.
Mehr als 400 Sportler sind in diesem Krieg gestorben. Und jetzt nehmen wir sie zu den Olympischen Spielen mit? Wenn ihr euch nicht an die Regeln haltet, wenn ihr euch nicht an den Weltfrieden haltet, warum dürft ihr dann überhaupt antreten?
Mychajlo Romantschuk

Boykott kein Thema für den Schwimmer

Der internationale Schwimmverband World Aquatics kündigte im September die Wiederaufnahme der Russen ab 2024 an - im Gegensatz zum Leichtathletik-Weltverband, der immer noch am Ausschluss festhält. Eine Haltung, die dem 27-jährigen Romantschuk imponiert. World-Athletics-Präsident Sebastian Coe habe "gesagt, dass es, solange der Krieg nicht vorbei ist, keine Russen geben wird. Mir gefällt diese Entscheidung, und meiner Meinung nach sollten alle das Gleiche tun."

Sollten russische und belarussische Sportler bei den Olympischen Spielen unter neutraler Flagge starten dürfen? Lea Krüger vom Verein "Athleten Deutschland" hat eine klare Meinung.

17.10.2023 | 03:15 min
An einen Boykott denkt der Ehemann der Weltklasse-Weit- und Dreispringerin Maryna Bech-Romantschuk allerdings nicht. "Ich muss meine Arbeit machen. Meine beste Arbeit ist es, zu schwimmen, die Ukraine zu repräsentieren und mit Ihnen zu sprechen, viele Interviews zu geben, das ist mein Job", sagte Romantschuk, Freund und zugleich Kontrahent von Deutschlands Topschwimmer Florian Wellbrock.

Faeser nimmt IOC in die Pflicht

Auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser hat Stellung bezogen und nimmt das IOC und die Weltverbände in die Pflicht, konsequent die Vorgaben durchzusetzen. Es gehe darum, sehr genau zu prüfen, dass russische und belarussische Einzelathleten konsequent ausgeschlossen würden, wenn sie den russischen Angriffskrieg in irgendeiner Weise unterstützten oder irgendeinen Bezug zur russischen Regierung und zum russischen Militär hätten.
Das IOC trägt die Verantwortung für die jetzt getroffene Entscheidung.
Innenministerin Nancy Faeser
"Dass russische Mannschaften ausgeschlossen bleiben und Fahnen und Symbole untersagt sind, ist deshalb das absolute Minimum, das wir vom Internationalen Olympischen Komitee erwarten konnten", erklärte die auch für Sport zuständige Bundesinnenministerin. Und weiter: "Es wäre völlig unzumutbar, dass ukrainische Sportlerinnen und Sportler gegen Russen antreten müssen, die den russischen Angriffskrieg gegen ihr Land unterstützen."
Quelle: sid, dpa

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