: Was hat Scholz‘ Auto-Gipfel gebracht?

von Frank Bethmann
28.11.2023 | 13:45 Uhr
Preise für E-Autos sollen sinken. Aber wie? Beim Spitzentreffen im Kanzleramt bleibt es überwiegend bei Lippenbekenntnissen, kritisieren Experten.
Der Autogipfel in Berlin sollte eigentlich einen Schub für die E-Mobilität bringen. (Symbolbild)Quelle: dpa
Am Tag nach dem Gipfel überwiegt die Enttäuschung. "Mehr als gute Absichten habe man nicht ausgetauscht", meint Arthur Brunner, Kapitalmarktexperte der ICF Bank und ergänzt:
Aber zu konkreten Aussagen, zu konkreten Plänen ist es nicht gekommen.
Arthur Brunner, Kapitalmarktexperte der ICF Bank
Dass man am Ziel festhalten wolle, wie Regierungssprecher Steffen Hebestreit bestätigte, nämlich bis 2030 15 Millionen vollelektrische Pkw auf Deutschlands Straßen zu bringen, hält Brunner für Augenwischerei. "Das ist nicht zu erreichen, weil es derzeit am nötigen Tempo fehlt. Die Mittel, die dafür bereitgestellt werden müssten, auch von staatlicher Seite, sind im Moment nicht vorhanden."

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Haushaltskrise überschattet Autogipfel

Dass darüber, ob und in welchem Umfang die Elektromobilität künftig gefördert werden soll, beim Spitzentreffen gestern überhaupt nicht gesprochen wurde, wundert Robert Halver nicht. Man hat das Thema ausgeklammert, so der Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, "weil man nicht weiß, wie man es hinbekommen soll."
Mit Blick auf die schwierige Haushaltslage ergänzt er:
Man wollte auf keinen Fall jetzt wieder ein potemkinsches Dorf hochziehen, um dann aber in ein paar Wochen wieder sagen zu müssen, wir bekommen das nicht hin. Wir müssen die schöne Fassade wieder einreißen.
Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse der Baader Bank

Hersteller kämpfen mit hohen Kosten bei Elektroautos

Stattdessen hat man viel darüber gesprochen, warum die Mobilitätswende stockt, weiß Stefan Bratzel, der am Montag mit am Tisch saß. Ein zentraler Punkt: Die E-Autos der deutschen Autobauer müssen billiger werden. Dem Deutschlandfunk sagte der Automobilexperte an der Fachschule für Wirtschaft in Bergisch Gladbach:
Man hat es noch nicht geschafft, und das war ein großes Thema, die Herstellkosten der Elektrofahrzeuge näher an die Preise der Verbrenner zu bekommen.
Stefan Bratzel, Automobilexperte
Nur wenige Hersteller weltweit verdienen derzeit wirklich Geld mit dem Verkauf von Elektrofahrzeugen. Das seien Tesla und der ein oder andere chinesische Hersteller, aber dann würde es schon sehr dünn, sagt Bratzel.

Enorm hohes Transformationstempo - Konkurrenz droht zu enteilen

Und die verdienen Geld, weil sie sich ausschließlich mit der Elektromobilität beschäftigen und drohen, der deutschen Konkurrenz zu enteilen. "Das Tempo das Tesla oder BYD aus China vorgeben, das ist enorm. Und im Moment fällt es ihnen", den deutschen Herstellern, "schwer dieses Tempo mitzuhalten", sagt Bratzel weiter.

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Auch weil die deutschen Konzerne zweigleisig fahren müssen, schließlich können sie derzeit nicht auf die Verbrenner verzichten. Mit ihnen erzielen sie noch gute Gewinne. Gewinne, die sie für den Aufbau des Geschäfts mit Elektrofahrzeugen dringend benötigen. "Und dieser Spagat", so der Branchenexperte, "fällt nach wie vor schwer und verlangsamt auch ein bisschen die Entwicklung."

Deutsche Autobauer bei der E-Mobilität anfänglich zu zögerlich

"Ohne dramatische Subventionen des Staates wird es schwierig werden, diesen Aufholprozess zu starten", ist sich Halver sicher. "Du musst es hinkriegen, dass ein E-Auto keinen einzigen Cent teurer ist als ein Verbrenner. Zumindest wenn Du im Massenmarkt, also im Segment der Klein- und Mittelklasseautos erfolgreich sein willst." Halver legt den Finger in die Wunde.

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Bei der E-Mobilität hätten die heimischen Hersteller viel zu lange gezögert: "Wollen wir das überhaupt? Wie wollen wir das? Da haben die Deutschen die Grundlagenforschung verpennt." Batterien würden eingekauft. Viel zu spät habe man damit begonnen, selbst in die Entwicklung einzusteigen. Ein strategischer Fehler:
Deutsche Hersteller waren immer teurer, aber eben technisch auch sehr innovativ. Diesen Vorsprung hat man verspielt.
Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse der Baader Bank

"Man sollte nicht immer nur nach dem Staat rufen"

Auch Brunner fasst die deutschen Autokonzerne nicht mit Samthandschuhen an: "Man muss vielleicht auch mal sagen, man schüttet weniger Gewinne an die Aktionäre aus und setzt mehr auf die Entwicklung, um hier den Anschluss nicht zu verpassen. Man darf nicht vergessen, die deutschen Automobilhersteller haben in den letzten Jahren ja auch kräftig verdient. Auch während der Pandemie." Und nach einer kurzen Pause ergänzt er: "Man sollte nicht immer nur nach dem Staat rufen, sondern sich auch an die eigene Nase fassen."

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