: Konjunktur: Führende Institute optimistischer

05.04.2023 | 09:11 Uhr
Im Herbst hatten die Wirtschaftsinstitute noch mit einem Konjunkturminus gerechnet - jetzt gehen sie von einem leichten Plus aus. Bei der Inflation ist der Ausblick noch verhalten.
Wirtschaftsforscher: Leichtes Wachstum erwartet - aber schwache Nachfrage im WohnungsbauQuelle: dpa
Die führenden Wirtschaftsinstitute Deutschlands rechnen in diesem Jahr mit einem Konjunkturwachstum von 0,3 Prozent. Ein Grund für die optimistischere Sicht als noch im Herbst seien die deutlich rückläufigen Energiepreise, heißt es in einer am Mittwoch vorgestellten Gemeinschaftsdiagnose. Demnach dürfte die Inflation in Deutschland gleichwohl in diesem Jahr bei hohen 6,0 Prozent liegen.
Der Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts, Timo Wollmershäuser, erklärte:
Der konjunkturelle Rückschlag im Winterhalbjahr 2022/2023 dürfte glimpflicher ausgefallen sein als im Herbst befürchtet.
Timo Wollmershäuser, Ifo-Institut
Maßgeblich sei ein "geringerer Kaufkraftentzug infolge deutlich rückläufiger Energiepreise", so Wollmershäuser. Im Herbst hatten die Institute noch mit einem Rückgang um 0,4 Prozent gerechnet. Erwartet wurde eine Rezession im gerade beendeten Winterhalbjahr, zu der es nun aber nicht komme.

Institute: Bauwirtschaft bremst

Als Konjunkturstütze sehen die Institute die Industrie, die von nachlassenden Lieferengpässen und der günstigeren Energie profitieren dürfte. Die Bauwirtschaft werde dagegen bremsen. "Besonders im Wohnungsbau wird die Nachfrage schwach bleiben, auch weil die Europäische Zentralbank ihren geldpolitischen Kurs weiter straffen wird und damit die Finanzierungskosten ihren Anstieg fortsetzen werden", heißt es zur Begründung.

Das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung hat die Konjunkturerwartung veröffentlicht. Zunächst wurde befürchtet Deutschland könnte in eine Rezession rutschen, doch die Aussichten sind weit optimistischer.

21.02.2023 | 01:26 min
Gute Nachrichten halten die Institute für den Arbeitsmarkt parat. Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte weiter zunehmen, von rund 45,6 Millionen im vergangenen Jahr auf rund 46,0 Millionen im kommenden. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte allerdings in diesem Jahr vorübergehend von 2,42 auf 2,48 Millionen zulegen, "da die ukrainischen Flüchtlinge nicht sofort auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen". 2024 dürfte die Arbeitslosigkeit dann wieder sinken auf 2,41 Millionen.

Inflation wird voraussichtlich erst nächstes Jahr spürbar sinken

Dem Gutachten zufolge dürfte die Inflation dennoch erst im kommenden Jahr spürbar sinken: auf 2,4 Prozent im Jahresdurchschnitt nach 6,0 Prozent in diesem Jahr. Zum Vergleich: 2022 betrug sie noch 6,9 Prozent. Staatliche Entlastungsmaßnahmen und erwartete Lohnsteigerungen "stärken die Binnennachfrage und halten den heimischen Preisauftrieb hoch", hieß es.
ZDFheute Infografik
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An der Frühjahrs-Gemeinschaftsdiagnose sind neben dem Ifo-Institut, das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle, das Kiel Institut für Weltwirtschaft und das RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen beteiligt.
Die Experten arbeiteten auch mit dem österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung sowie dem Wiener Institut für Höhere Studien zusammen. Das Gutachten dient der Bundesregierung als Grundlage für ihre eigene Prognose.
Quelle: AFP, dpa, Reuters

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