: Eklat zwischen Israel und UN-Generalsekretär

24.10.2023 | 17:57 Uhr
UN-Generalsekretär Guterres hat die Angriffe der Terrorgruppe Hamas gegen Israel verurteilt, gleichzeitig aber Israels Vorgehen im Gazastreifen kritisiert. Israel reagierte empört.

Der Nahost-Krieg hat im UN-Sicherheitsrat zu wütenden Auseinandersetzungen geführt. Der israelische Außenminister Cohen attackierte UN-Generalsekretär António Guterres für kritische Äußerungen zu Israel.

24.10.2023 | 09:47 min
Bei einer Sitzung des Weltsicherheitsrates ist es zu einem Eklat zwischen Israel und UN-Generalsekretär António Guterres gekommen. Guterres verurteilte am Dienstag bei der Sitzung in New York die Angriffe von Terroristen im Auftrag der islamistischen Hamas auf Israel erneut auf Schärfste. Er sagte auch mit Blick auf die 56 Jahre dauernde "erdrückende Besatzung" durch Israel:
Es ist wichtig zu erkennen, dass die Angriffe der Hamas nicht im luftleeren Raum stattfanden.
UN-Generalsekretär António Guterres
Guterres kritisierte Israels Angriffe auf den Gazastreifen und sprach von eindeutigen "Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht". "Der Schutz der Zivilbevölkerung bedeutet nicht, mehr als eine Million Menschen zur Evakuierung in den Süden zu befehlen, wo es keine Unterkünfte, keine Nahrung, kein Wasser, keine Medikamente und keinen Treibstoff gibt, und dann den Süden selbst weiter zu bombardieren", sagte Guterres.

Der UN-Generalsekretär bemühte sich um eine Klarstellung seiner Aussagen vom Dienstag. Derweil bekräftigte Israels Ministerpräsident Netanjahu die Pläne für eine Bodenoffensive.

25.10.2023 | 02:40 min

Israels Außenminister sagt Treffen mit Guterres ab

Israels Außenminister Eli Cohen reagierte darauf empört bei der UN-Sitzung:
Herr Generalsekretär, in welcher Welt leben Sie?
Eli Cohen, Israels Außenminister
Cohen weiter: "Sagen Sie mir: Was ist Ihre verhältnismäßige Reaktion auf die Tötung von Babys, die Vergewaltigung und Verbrennung von Frauen und die Enthauptung eines Kindes? Wie kann man einem Waffenstillstand mit jemandem zustimmen, der geschworen hat, Sie zu töten und die eigene Existenz zu zerstören?", rief Cohen.
"Wir haben uns nicht für diesen Krieg entschieden, haben aber keinen Zweifel daran, dass wir gewinnen werden." Die Hamas seien "die neuen Nazis".

Israels Botschafter fordert im Weltsicherheitsrat den Rücktritt von Guterres. Wie die Mitglieder des Rats auf den Eklat reagieren, berichtet ZDF-Korrespondentin Jenifer Girke.

25.10.2023 | 02:13 min
Angesichts der Äußerungen sagte er ein geplantes Treffen mit Guterres ab. Auf X (früher Twitter) schrieb er:
Ich werde den UN-Generalsekretär nicht treffen. Nach dem 7. Oktober gibt es keinen Platz mehr für eine ausgewogene Position.
Eli Cohen, israelischer Außenminister
Post des israelischen Außenministers Eli Cohen
Ein Sprecher des Außenministeriums in Jerusalem bestätigte die Absage. Ein UN-Sprecher sagte, man könne die Absage des Treffens nicht bestätigen. Man habe lediglich die Nachricht Cohens auf der Plattform X gesehen. Weiter wollte der Sprecher die Situation nicht kommentieren.

Eklat beim Weltsicherheitsrat: Israel gerät mit den Vereinten Nationen aneinander und droht, UN-Mitarbeitern zukünftig Visa zu verweigern. Luc Walpot ordnet das Geschehen ein.

25.10.2023 | 01:22 min

Israels UN-Botschafter fordert Rücktritt von Guterres

Auch UN-Botschafter Gilad Erdan hat mit Empörung auf die Äußerungen von Guterres reagiert und den Rücktritt des UN-Generalsekretärs gefordert. Guterres zeige "Verständnis für eine Kampagne des Massenmordes an Kindern, Frauen und alten Menschen" und sei nicht geeignet, die UN zu führen, schrieb Erdan auf dem Kurznachrichtendienst X.
Ich fordere ihn zum sofortigen Rücktritt auf.
Gilad Erdan, Israels UN-Botschafter
In einem weiteren Posting hieß es: "Es ist wirklich traurig, dass der Leiter einer Organisation, die nach dem Holocaust entstanden ist, solch schreckliche Ansichten vertritt."
Post des israelischen UN-Botschafters Gilad Erdan
Guterres sagte, das palästinensische Volk habe miterlebt, wie sein Land durch Siedlungen dezimiert und von Gewalt heimgesucht worden sei. Die Hamas-Angriffe könnten die "kollektive Bestrafung des palästinensischen Volkes nicht rechtfertigen", sagte er.

Jüdische und arabische Israelis verurteilen den Terrorangriff der islamistischen Hamas. Sie befürchten, dass sich der Krieg auf ihr Zusammenleben in Israel auswirkt.

24.10.2023 | 01:35 min

USA stellen sich hinter Israel

Die USA stärkte Israel den Rücken. "Wir müssen das Recht jeder Nation bekräftigen, sich zu verteidigen und zu verhindern, dass sich solcher Schaden wiederholt", sagte US-Außenminister Antony Blinken. "Kein Mitglied dieses Rates, keine Nation in diesem gesamten Gremium könnte oder würde das Abschlachten seines Volkes tolerieren."
Blinken betonte, dass die Hamas nicht das palästinensische Volk vertritt. Palästinensische Zivilisten könnten nicht für das Blutbad der Hamas verantwortlich gemacht werden und müssen geschützt werden. "Es gibt keine Hierarchie, wenn es um den Schutz von zivilem Leben geht. Ein Zivilist ist ein Zivilist ist ein Zivilist, unabhängig von seiner Nationalität, ethnischen Zugehörigkeit, Alter, Geschlecht oder Glaube", sagte Blinken.
Die Terrororganisation Hamas hatte am 7. Oktober in Israel ein Massaker unter Zivilisten angerichtet. Mehr als 1.400 Menschen kamen dabei und in den folgenden Tagen ums Leben. Mindestens 222 weitere wurden laut israelischer Armee gewaltsam in den Gazastreifen verschleppt, darunter sind auch mehrere Deutsche. Israel reagierte mit Luftangriffen auf den Gazastreifen.
Quelle: dpa, Reuters

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