: G7 wollen Russlands Diamantenhandel begrenzen

18.05.2023 | 16:11 Uhr
Beim G7-Gipfel in Japan besprechen die Staats- und Regierungschefs Maßnahmen, um Russlands Wirtschaftskraft einzuschränken. Ein Weg: die Reduzierung russischer Diamtantenexporte.
Russland gilt als weltweit größter Produzent von Rohdiamanten.Quelle: epa
Auf dem G7-Gipfel im japanischen Hiroshima will die Gruppe der führenden demokratischen Industrienationen den milliardenschweren Export von Rohdiamanten aus Russland einschränken, wie mehrere Diplomaten der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag sagten.
Die Maßnahme solle eine weitere Reaktion der G7 auf Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine sein. Ziel des Gipfels in Hiroshima ist es, die Einnahmen des Landes zu verringern und damit dessen Fähigkeiten zur Kriegsführung einzuschränken.

USA und Kanada sanktionieren bereits russischen Diamantenhandel

Der Diamantenhandel ist für Russland ein wichtiger Wirtschaftszweig und eine nennenswerte Einkommensquelle. "Russland ist der weltgrößte Produzent von Rohdiamanten", berichtet ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen aus Hiroshima. Im Jahr 2021 - dem letzten, in dem der staatliche Diamantenförderer Alrosa seine Zahlen offenlegte - erzielte das Unternehmen 332 Milliarden Rubel (rund 4 Milliarden Euro) Einnahmen. "Das will man ins Visier nehmen", so Theveßen.
Darüber wird es wahrscheinlichkeit auch Einigkeit geben, dass man sicherstellt, dass russische Rohdiamanten nicht in den Ländern der G7 in irgendeiner Weise gekauft werden.
Elmar Theveßen, ZDF-Korrespondent
In der EU ist der Handel mit russischen Diamanten zwar durch freiwillige Selbstverpflichtungen um etwa 80 Prozent zurückgegangen. Bislang hat sie den Handel allerdings nicht eingeschränkt.
Als ein Grund gilt unter anderem Widerstand aus Belgien. Die flämische Hafenstadt Antwerpen gilt seit dem 16. Jahrhundert als Diamantenzentrum der Welt. Die USA, Kanada und Großbritannien hatten Sanktionen gegen das Unternehmen Alrosa verhängt.

Diamantenexporteur Alrosa: Plan für 2022 "übererfüllt"

Nach Angaben des scheidenden Alrosa-Generaldirektors Sergej Iwanow - Sohn des gleichnamigen Ex-Verteidigungsministers und engen Vertrauten von Kremlchef Wladimir Putin - habe das dem Geschäft des Konzerns aber kaum geschadet.
Der Plan für 2022 sei übererfüllt worden, auch das erste Quartal 2023 sei gut verlaufen. Iwanow zeigte sich optimistisch, dass neue Sanktionen nicht greifen würden.
Man kann uns nicht ersetzen.
Sergej Iwanow, Generaldirektor russischer Diamantenförderer Alrosa
Immerhin belaufe sich der Anteil Alrosas am weltweiten Diamantenhandel auf etwa 30 Prozent, sagte Iwanow in einem Interview mit der Tageszeitung "Kommersant". Den vorherigen Beschränkungen etwa beim Ankauf von westlicher Fördertechnik oder bei Bankendienstleistungen sei Alrosa durch die Umstellung auf andere Dienstleister begegnet.

Für russisches Holz gilt schon ein Einfuhrverbot. Doch die ZDFfrontal-Recherche zeigt: Vor allem mit Sperrholz aus russischem Rohmaterial werden Sanktionen umgangen.

14.03.2023 | 12:11 min

Sanktionsgegner Indien schleift viele russische Diamanten

Bei den neuen Plänen geht es nach Angaben aus G7-Kreisen darum, die Einnahmen Russlands aus dem Verkauf von Rohdiamanten abgestimmt zu reduzieren. Dazu soll auch sichergestellt werden, dass über Länder wie Indien und die Vereinigten Arabischen Emirate gehandelte Edelsteine auch nach ihrem Weiterverkauf noch als russische Diamanten erkennbar sind.
Allerdings sind noch viele Fragen ungeklärt; beispielsweise wie Indien zumindest zu einer indirekten Beteiligung bewegt werden soll. Nach Angaben aus Moskau werden dort sehr viele Diamanten geschliffen und das Land beteiligt sich bislang nicht an den Sanktionen der G7.
Die "Gruppe der Sieben" (G7) ist eine informelle Allianz führender demokratischer Industrienationen: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada, USA - sowie die EU. Das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs beginnt am Freitag.
Im Fokus stehen neben neuen und Verschärfungen bestehender Sanktionen gegen Russland auch der Umgang der G7 mit China und der Klimaschutz.
Quelle: dpa

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