: Wie der Wagner-Chef Afrika vereinnahmen will

22.04.2023 | 13:01 Uhr
Auf dem von Krisen und Kriegen geschüttelten afrikanischen Kontinent mischen Russen oft an vorderster Front mit. Putin setzt vor allem auf Prigoschin - den Chef der Wagner-Armee.
Kremlchef Putin setzt in Afrika auf seinen Mann fürs Grobe: Jewgeni Prigoschin.Quelle: arte
Jewgeni Prigoschin, der Chef der berüchtigten russischen Privatarmee Wagner, spielt nicht nur im Krieg in der Ukraine eine entscheidende Rolle. Auch in Afrika, wo Wagner seit Jahren in vielen Machtkämpfen mitmischt, will er seinen Einfluss ausbauen.
Ob die sogenannte militärische Spezialoperation in der Ukraine "erfolgreich läuft oder misslingt - in jedem Fall muss Russland auf der internationalen Bühne präsent sein, diplomatisch und militärisch", sagt Prigoschin mit Blick auf Afrika. Es gehe ihm um eine "eine Befreiung des afrikanischen Kontinents von westlichen Besatzern".

Jewgeni Prigoschin wurde als Gastronom reich, nun führt er die berüchtigtste Privatarmee der Welt – und ist im russischen Volk beliebt.

22.02.2023 | 15:54 min

Prigoschin streitet aktive Rolle im Sudan ab

Fast täglich äußert sich der Vertraute von Wladimir Putin zur Lage in Afrika - besonders mit Blick auf den Machtkampf im Sudan. Prigoschin beteuert, in dem Konflikt keine Rolle zu spielen, keine Waffen zu liefern. Vor allem aber fordert er von der russischen Führung, sich insgesamt stärker einzubringen im Wettrennen mit China und dem Westen, um in Afrika Pflöcke einzuschlagen. Moskaus Bürokraten wirft er Behäbigkeit vor.
Tatsächlich hat Putin seine Afrika-Kontakte deutlich intensiviert. Seit 2014 hat Moskau militärische Abkommen mit mehr als 20 Staaten geschlossen. Afrika ist ein wichtiger Markt für russisches Getreide und Dünger.
Russland spielt eine wichtige Rolle als Waffenlieferant, als Käufer und Förderer wertvoller Rohstoffe und als Exporteur von landwirtschaftlicher Ausrüstung. Außerdem trägt es über Privatfirmen wie der Wagner-Gruppe zur Sicherheit bei.
Philani Mthembu, der Direktor des Institute for Global Dialogue in Südafrika

Russland in Afrika nicht isoliert

Bei vielen Staaten kommt gut an, dass Putin gegen eine monopolare Weltordnung mit den USA an der Spitze vorgeht. Das wollen der Kreml und Prigoschin ausnutzen.
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"Die Amerikaner, Franzosen und andere Spieler auf dem afrikanischen Kontinent führen sich Hundert Mal aktiver auf als wir", sagt Prigoschin, der mit seinem Firmenkonglomerat Concord reich und einflussreich geworden ist.
Von St. Petersburg aus steuert er sein Imperium, das etwa im Bau- und Immobiliengeschäft, in der Gastronomie und auch im Catering aktiv ist. In Putins Heimatstadt bewirtete er schon vor Jahrzehnten den heutigen Kremlchef in seinem Restaurant. Bis heute profitiert Prigoschin von lukrativen Aufträgen des Kreml.

Wagner-Geschäftsmodell in Afrika: Personal gegen Gold

Progoschin gilt als zu wichtig, weshalb er nicht nur ungestraft im Ukraine-Krieg immer wieder Moskaus Militärführung kritisiert, sondern auch in Afrika relativ frei schalten und walten kann. Wagner bietet skrupelloses Personal und Dienstleistungen, im Gegenzug gibt es Rohstoffe - oft bares Gold. Die militärische Ausrüstung verkauft Moskau als größter Waffenlieferant des Kontinents gleich mit.

Die Söldnergruppe "Wagner"

Die Söldnergruppe "Wagner" wird von Jewgeni Prigoschin angeführt. Neben der Ukraine soll es auch in Syrien, in der Zentralafrikanischen Republik, im Sudan, in Somalia und in Mali "Wagner"-Einsätze geben. Wagner-Leute werden der Tötung, Vergewaltigung und Folter von Menschen verdächtigt - auch in den Vororten von Kiew im Ukraine-Krieg. In Afrika bringen Experten Prigoschin mit Gold- und Diamantenminen in Verbindung.
"Afrikanische Regierungen wie die Zentralafrikanische Republik oder Mali wollen solche Kämpfer, die mit ihren Soldaten an die Front gehen und Munition und Waffen mitbringen. Es ist eine Dienstleistung, die Russland erlaubt, in Zeiten westlicher Sanktionen an Devisen und Rohstoffe wie Gold und Diamanten zu kommen", sagt Sahel-Experte Ulf Laessing von der Konrad-Adenauer-Stiftung. Neben Wagner sind viele Russen dort aktiv.

Sudan ist "Russlands Schlüssel zu Afrika"

Noch deutlicher wird Wagners Geschäftsmodell im Sudan. Das Land ist der drittgrößte Goldproduzent Afrikas. Der damalige Langzeitdiktator Omar al-Baschir besuchte 2017 Kremlchef Putin in Sotschi und bewarb sein Land als "Russlands Schlüssel zu Afrika".

Die Wagner-Gruppe ist weltweit im Einsatz und kämpft im Auftrag der russischen Regierung. Sie foltert und ermordet Zivilisten. Offiziell wird ihre Existenz bestritten.

02.06.2022 | 58:22 min
Besprochen wurden Pläne für eine für Moskau wichtige Marinebasis am Roten Meer. Prigoschin erhielt Lizenzen für Goldminen und soll im Gegenzug zumindest Waffen für die sudanesische Armee und die an der Macht beteiligten Paramilitärs der Rapid Support Forces (RSF) geliefert haben.

USA verhängen 2020 Sanktionen gegen Firmengeflecht

Bei Prigoschins Firma M Invest und der Tochter Meroe Gold handele es sich um eine Front für Wagner im Sudan, die außerdem für Al-Baschir Pläne zur Unterdrückung von Demokratieaktivisten entworfen hätten, so das US-Finanzministerium.
Recherchen von CNN und Investigativjournalisten fanden Belege dafür, dass über Wagners Kanäle jahrelang Gold im Wert von Milliarden US-Dollar aus dem Sudan nach Russland geschmuggelt wurde - wichtige Devisen, die Moskaus Staatskassen bei der Bewältigung der Kosten des Angriffskriegs gegen die Ukraine zugutekommen.
Dabei soll Wagner vor allem zum als mächtigsten Mann des Landes geltenden Paramilitär-Führer Mohammed Hamdan Daglo gute Drähte gehabt haben, dessen Gruppe RSF nach einem Bruch mit De-Facto-Machthaber Abdel Fattah al-Burhan nun gegen die sudanesische Armee kämpft. Doch auch Al-Burhan selbst soll gute Verbindungen zu Moskau gehabt haben.

Die Kämpfe zwischen Streitkräften und einer paramilitärischen Truppe stürzen den Sudan ins Chaos. Welche Rolle andere Länder spielen: Fragen und Antworten.

21.04.2023
Prigoschin weist indes Vorwürfe einer aktiven Rolle im Sudan als "Provokation" zurück und betont, dass schon seit mehr als zwei Jahren niemand von Wagner mehr im Sudan tätig sei. 
Quelle: Christina Peters und Ulf Mauder, dpa

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