: Wie Körpergröße die Gesundheit beeinflusst

03.08.2023 | 08:19 Uhr
Kleinere Menschen bekommen eher Diabetes und größere haben ein höheres Thromboserisiko. Neben dem Lebensstil kann auch die Körpergröße Einfluss auf das Krankheitsrisiko haben.
Die Körpergröße kann auch Einfluss auf Krankheitsrisiken haben (Symbolbild)Quelle: dpa
Ob groß oder klein - die Körpergröße kann auch Einfluss auf Krankheitsrisiken haben. Dass die Menschen immer größer werden, ist statistisch belegt: Deutsche Männer maßen 1896 im Schnitt gut 1,67 Meter, 2021 dagegen fast 1,80 Meter. Bei den Frauen kletterte der Wert in diesem Zeitraum von 1,56 auf 1,66 Meter.
Entscheidend ist natürlich, wie gesundheitsbewusst jemand seinen Alltag verbringt. Dennoch spielt auch die Größe eine Rolle.

Diabetes

Hier sind große Menschen im Vorteil. Denn die genetischen Faktoren für das Körperwachstum hängen nach Worten des Professors für klinisch-experimentelle Diabetologie am Universitätsklinikum Tübingen, Norbert Stefan, mit weniger Fettgehalt in der Leber und einer besseren Insulin-Empfindlichkeit zusammen.
Diese beiden Faktoren sorgten dafür, dass Große weniger an Diabetes erkranken. Bei kleinen Menschen kommt es dagegen zu einer schlechteren Verwertung von Glukose, dadurch bekommen sie im Schnitt eher Diabetes. Risikofaktoren dafür sind aber auch starkes Übergewicht und Bewegungsmangel.

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Karel Kostev, wissenschaftlicher Leiter in der epidemiologischen Forschung des Auftragsforschungsinstituts IQVIA, hat Daten von erwachsenen Patienten untersucht. Das Fazit: Pro zehn Zentimeter geringerer Körpergröße steigt das Risiko für neu auftretenden Typ-2-Diabetes bei Frauen um 15 Prozent und bei Männern um zehn Prozent.

Herz

Die Körpergröße kann auch Einfluss auf das Risiko haben, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu bekommen. Dazu wurden von der Uniklinik Düsseldorf die Daten von knapp 660.000 Patienten ausgewertet - mit dem Ergebnis: Kleinere Frauen und Männer erkranken wahrscheinlicher als große an Bluthochdruck oder bekommen einen Schlaganfall, bei dem Gehirngewebe abstirbt.

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Nach Auskunft von Professor Stefan aus Tübingen sind große Menschen gleich mehrfach im Vorteil. Er zählt auf: "Fettsäuren weniger, LDL Cholesterin niedriger, Glukose niedriger und Hepatokine (Leberproteine) günstiger." Große Menschen haben also ein geringeres Herzinfarktrisiko.
Pro zehn Zentimeter Zunahme bei der Körpergröße nimmt laut Untersuchung das Risiko dafür um neun Prozent bei Frauen und 13 Prozent bei Männern ab. Im Gegensatz dazu haben größere Frauen und Männer nach diesem Datensatz ein höheres Risiko für Vorhofflimmern.

Thrombosen

Hier sind große Menschen eindeutig im Nachteil.
Je länger die Extremitäten desto länger muss das Blut bis hoch zum Herz gepumpt werden.
Professor Norbert Stefan
Die Thrombosen entstehen nach seinen Worten bis zu 90 Prozent in den tiefen Beinvenen und können zu einer Lungenembolie führen.
Auch Kollege Kostev kommt mit dem Internisten-Team in Düsseldorf zum Fazit, dass die Gefahr einer Erkrankung je zehn Zentimeter Körpergröße um 23 Prozent zunimmt.

Krebs

Auch beim Krebs besteht ein Zusammenhang zwischen Körpergröße und Häufigkeit der Krankheit. Der Vergleich der Daten durch die Uniklinik Düsseldorf ergab, dass größere Patienten anfälliger sind. Das Risiko erhöht sich bei Frauen um elf Prozent und bei Männern um sechs Prozent je zehn Zentimeter Zunahme bei der Körpergröße.

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Als Grund für immer größere Menschen sieht Professor Stefan unter anderem im vermehrten Verzehr von Milchprodukten und rotem Fleisch.
Ein übermäßiger tierischer Eiweißkonsum aktiviere Wachstumsgene und reguliere diese nach oben. Kinder würden dadurch im Mutterleib und als Erwachsene größer. Der Zusammenhang zum Krebs komme durch lebenslang stärkeres Zellwachstum.
Forscher stellten aber auch einen Zusammenhang zwischen Größe und der Häufigkeit bestimmter Krebsarten fest. Prof. Stefan nennt die drei häufigsten bei großen Menschen: den schwarzen Hautkrebs, Darmkrebs und Brustkrebs.

Rücken

"Ein Zusammenhang zwischen Körpergröße und Kreuzschmerzen wird immer postuliert, ist aber nicht bewiesen", sagt Bernd Kladny, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie.

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Die Belastung sei bei großen Menschen zwar höher, wenn sie sich zum Beispiel nach vorne beugen und etwas aufheben, "sie haben aber auch eine andere Anatomie mit kräftigeren Muskeln als kleine Menschen". Es gebe sehr viele Faktoren, die zu Rückenschmerzen beitragen.
Quelle: Marc Fleischmann, dpa

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