: Welche Alternativen zu Glyphosat es gibt

von Christine Elsner
28.04.2023 | 05:50 Uhr
Glyphosat ist das meisteingesetzte Herbizid, es zerstört alle störenden Gräser und Unkräuter. Geht es auch ohne? Welche Alternativen gibt es für Landwirte und Hobbygärtner?
Die Landwirtschaft muss sich beim Pflanzenschutz auf Alternativen umstellen - auch wenn das bisher meist eingesetzte Mittel Glyphosat weiterhin eingesetzt werden kann.Quelle: dpa
Der Unkrautvernichter Glyphosat bleibt weiterhin erlaubt, steht aber sehr in der Kritik. Insofern sind nicht-chemische Pflanzenschutzmaßnahmen gefragt, damit Gräser und Unkräuter in der landwirtschaftlichen Produktion beseitigt werden können.

Die EU-Kommission hat den Einsatz von Glyphosat für zehn weitere Jahre erlaubt. Das Pflanzenschutzmittel ist schon lange wegen gesundheitlicher Bedenken in der Kritik.

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Das Ecologic Institut Berlin beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit der Suche nach Alternativen: "Bei der Anwendung von Glyphosat-Alternativen geht es um eine kombinierte Anwendung aus vorbeugenden und direkten Maßnahmen", sagt Antonia Riedel, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Ecologic Instituts. Dazu gehörten insbesondere ackerbauliche Maßnahmen wie vielseitige Fruchtfolgen, Mischkulturen und Zwischenfrüchte. Darüber hinaus gibt es noch weitere alternative Methoden. Ein Überblick:

Pelargonsäure: Biologischer Pflanzenschutz

Die Pelargonsäure wird als Bio-Herbizid bezeichnet und hat eine ähnliche Wirkung wie Glyphosat. Pelargonsäure ist ein Wirkstoff, der aus Rapsöl gewonnen wird. Die Fettsäure zerstört die Zellstruktur des Blattwerks unerwünschter Pflanzen. Das Mittel ist gut abbaubar und hat keine schädliche Wirkung auf Mensch und Natur.
Resistenzen, wie sie bei Glyphosat bereits bekannt sind, wurden bei der Pelargonsäure bislang noch nicht festgestellt. Allerdings darf das Bio-Herbizid nicht in der biologischen Landwirtschaft eingesetzt werden, da hier alle Herbizide grundsätzlich verboten sind.

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Unkraut entfernen mit technischen Hilfsmitteln

Um störende Gräser und Unkräuter auf dem Acker zu beseitigen, muss die Wurzel gekappt werden. Geohobel, Flachgrubber oder Spatenmaschinen unterschneiden den Boden, das Wurzelwerk wird abgefräst. Dies muss frühzeitig im Jahr geschehen, bevor der Landwirt das Feld für die erste Aussaat vorbereitet. Je häufiger der Boden unterschnitten wird, umso schwerer haben es Wild- und Unkräuter.

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Nachhaltige Glyphosat-Alternative

Bodendecker wie Ysander oder Balkan-Storchschnabel begrünen die Böden flächendeckend. Sie sind Konkurrenten der Unkräuter, entziehen ihnen die Nährstoffe. Gleichzeitig lockern die bodendeckenden Pflanzen mit ihren Wurzeln das Erdreich auf. Ein effektiver Unkrautschutz tritt aber erst dann ein, wenn die Bodendecker auch im Winter Blätter tragen und somit auch zu der Jahreszeit dem Unkraut keine Chance geben.

Verlust von Artenvielfalt durch Gifteinsatz

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat mit 4,6 Millionen Euro das Forschungsprojekt DINA (Diversität von Insekten in Naturschutz-Arealen) gefördert. An bundesweit 21 repräsentativ ausgewählten Standorten wurde die Insektenvielfalt und deren Belastung aus den umliegenden landwirtschaftlich genutzten Flächen erfasst.

Ergebnis der Studie: Auch in Naturschutzgebieten schreitet der Verlust von Artenvielfalt bei Insekten voran. Ein Hauptgrund sei die große Nähe der Gebiete zu konventionell bewirtschafteten Ackerflächen. Dadurch würden Insekten mit Pestizidmischungen belastet. Die Forderung der Studie, an der acht wissenschaftliche Institutionen beteiligt waren: Bei Strategien zum Insektenschutz müssen künftig die angrenzenden Nutzflächen mit einbezogen werden.

Mark Hugo, ZDF-Umweltredaktion

Ertragsverluste durch Glyphosat-Alternativen für Bauern?

Stellt sich schließlich die Frage, ob all diese Glyphosat-Alternativen zu Ertragsverlusten und Einkommenseinbußen in der Agrarwirtschaft führen. Untersuchungen belegen, "dass eine kontrollierte Reduktion von chemischen-synthetischen Pestiziden zu keinen Ertragsverlusten bei den Landwirt*innen führt, während auch die finanziellen Folgen des Glyphosatverbots für die Landwirt*innen als gering eingeschätzt werden", berichtet Aron Scheid vom Ecologic Institut Berlin.
Scheid und seine Kollegin Riedel verweisen auf eine aktuelle Studie des Ecologic Instituts, die die alternativen Pflanzenschutzmaßnahmen beleuchtet - sowohl aus ökonomischer als auch aus ökonomischer Sicht. Ihr Fazit: "Besonders der Ökolandbau hat in den vergangenen Jahrzehnten eine Vielzahl an ackerbaulichen und mechanischen Unkrautbekämpfungsmaßnahmen entwickelt und weiterentwickelt.
Der Ökolandbau kommt komplett ohne chemisch-synthetische Unkrautvernichter wie Glyphosat aus, bei stetig steigender Produktion.
Studie vom Ecologic Institut

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Unkrautbekämpfung zu Hause: Glyphosat-Alternativen

Für die Anwendung im eigenen Garten ist Glyphosat bereits seit einiger Zeit verboten. Es gibt aber Alternativen zu Pflanzenschutzmaßnahmen. Diese sind etwa:
  • Eine fünf Zentimeter hohe Mulch-Schicht, bestehend aus Grasabschnitt, Laub oder Rinde. Sie hält den Boden bei Hitze länger kühl und wirkt als organischer Dünger.
  • Zur thermischen Unkrautbekämpfung können heißer Wasserdampf und Abflammgeräte eingesetzt werden. Durch den heißen Schock sterben die Pflanzenzellen innerhalb weniger Tage ab. Nachteil: damit wird auch kleinen bodenkriechenden Insekten der Garaus gemacht.
  • Eine Fugenbürste entfernt auf Gehwegen oder gepflasterten Flächen im Garten Wildkräuter und Moos aus den Zwischenräumen. Inzwischen gibt es auch elektrische Fugenbürsten.
  • Planen und Unkrautvlies eignen sich für die Abdeckung großer Beete. Nachteil: Sie lassen kein Wasser durch und die UV-Strahlung zersetzt das Material mit der Zeit. So können sich Mikroplastikteile im Boden festsetzen. Unkrautvlies aus Biofasern ist hingegen wasserdurchlässig und abbaubar.
Christine Elsner ist Redakteurin der ZDF-Umweltredaktion.

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