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FAQ

: Wie sicher ist das Bankensystem jetzt?

29.03.2023 | 11:09 Uhr
Nach der Bankenkrise in den USA und der Schweiz ist der erste Schreck vorbei. Aber es bleiben noch offene Fragen. Das beschäftigt Aufseher, Politik und Banken nach den Turbulenzen.
Wie groß ist die Gefahr einer systemischen Bankenkrise? Darüber gehen die Meinungen auseinander.Quelle: AP
Schnell und entschlossen haben Aufseher und Politik auf die jüngsten Probleme im Bankensektor reagiert. Waren die Risiken der rasanten Zinswende in den USA und im Euroraum unterschätzt worden?
In den USA werden die Turbulenzen nun politisch aufgearbeitet: Nach einer Anhörung im Bankenausschuss des Senats am Dienstag müssen sich am Mittwoch im US-Repräsentantenhaus unter anderen Vertreter der US-Notenbank Fed und der US-Einlagensicherung FDIC den Fragen der Abgeordneten stellen.

Bankenkrise: Was ist bisher geschehen?

Das Beben begann Anfang März mit US-Banken, die bis dato in der breiteren Öffentlichkeit eher unbekannt waren: Binnen weniger Tage verlor die kalifornische Silicon Valley Bank (SVB) das Vertrauen von Anlegern und Kunden, am 10. März übernahm die US-Einlagensicherung FDIC die Kontrolle und schloss das auf Start-up-Finanzierung spezialisierte Institut. Inzwischen hat die amerikanische First Citizens Bank Vermögenswerte des kollabierten Instituts in Form von Einlagen und Krediten übernommen.

Nach Skandalen und falschen Unternehmensentscheidungen zogen die Kunden der Credit Suisse Milliarde um Milliarde ab. Am Sonntag dann die Notbremse: die Fusion mit der UBS.

21.03.2023 | 02:44 min
Weitere kleine Geldhäuser in den USA gerieten ins Straucheln, die Signature Bank brach zusammen. Aktienkurse von Bankhäusern weltweit gerieten unter Druck, die bereits zuvor kriselnde Schweizer Großbank Credit Suisse wurde Mitte März per Notverkauf an die UBS aufgefangen.

Ist eine globale Bankenkrise abgewendet?

"Die Risiken im Finanzsystem sind nach wie vor sehr groß", sagte der Chef der EU-Bankenaufsicht (EBA), José Manuel Campa, Anfang dieser Woche im "Handelsblatt"-Interview.
Zudem belasten die steigenden Zinsen die Finanzmärkte. Eine so drastische Zinswende erhöht nicht nur die Ertragschancen für Banken, sondern auch die Risiken.
José Manuel Campa, EU-Bankenaufsicht
Er sei aber "relativ zufrieden mit dem Zustand, in dem sich die Banken in der EU im Durchschnitt befinden", sagte Campa.
Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hält eine große Bankenkrise infolge der Turbulenzen in den USA und in der Schweiz derzeit für unwahrscheinlich. "Wir möchten festhalten, dass wir im Augenblick keine Gefährdung der Finanzmarktstabilität sehen", betonte die "Wirtschaftsweise" Ulrike Malmendier bei der Vorlage der jüngsten Konjunkturprognose des Beratungsgremiums der Bundesregierung am 22. März. Die Lage stelle sich anders dar als in der Finanzkrise 2008.
Der oberste Bankenaufseher der Finanzaufsicht Bafin, Raimund Röseler, äußerte sich mit Blick auf den deutschen Bankenmarkt betont entspannt:
Natürlich haben wir Probleme bei manchen deutschen Banken, aber wir haben kein Problem des Bankensektors.
Raimund Röseler, Bafin
Er sehe "ganz ehrlich nicht die Gefahr einer Systemkrise oder dass das, was da jetzt passiert ist, sich zur Systemkrise hier auswachsen würde".

Wie sicher sind die Einlagen der Sparerinnen und Sparer?

Bundeskanzler Olaf Scholz brachte es Mitte März auf einen einfachen Nenner: "Die Einlagen der deutschen Sparerinnen und Sparer sind sicher."
Fakt ist: In jedem Mitgliedstaat der Europäischen Union (EU) wird durch nationale Einlagensicherungssysteme garantiert, dass je Bank bis zu 100.000 Euro pro Kundin und Kunde gesichert sind. Über diesen gesetzlichen Schutz hinaus sichern hierzulande fast alle Geldhäuser Kreditinstitute Spargelder zusätzlich ab.
Für private Banken greift der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB). Nach Angaben des Verbandes sind somit derzeit in der Regel je Kunde mindestens 750.000 Euro Einlage pro Bank geschützt. Vergleichbare Regelungen gibt es bei Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

Wie reagieren die Notenbanken?

Für die Zentralbanken kommen die Probleme im Finanzsektor zur Unzeit, da sie ihrem Kampf gegen die hohe Inflation im Weg stehen. Sowohl die US-Notenbank Fed als auch die Europäische Zentralbank (EZB) verweisen aber darauf, dass sie Inflation und Bankenprobleme getrennt voneinander angehen können. Konkret: Gegen die hohe Teuerung sollen Zinsanhebungen helfen, während die Banken ausreichende Finanzmittel erhalten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) setzt ihren Kampf gegen die Inflation mit einer erneuten kräftigen Zinserhöhung fort. Sie hob die Schlüsselsätze um einen halben Prozentpunkt an.

16.03.2023
Nicht alle Fachleute teilen diese Sichtweise: Die Zentralbanken müssten einsehen, dass man Geldpolitik und Finanzstabilität nicht gänzlich trennen könne, sagt Erik Nielsen, Chefberater der Großbank Unicredit und einst deren Chefökonom. Nicht umsonst gelten die rasch und stark gestiegenen Leitzinsen als eine wichtige Ursache für die Finanzprobleme vieler US-Banken.

Welche wirtschaftlichen Folgen hat die Krise?

Die konkreten Folgen sind noch nicht ganz absehbar. Allerdings warnen viele Experten vor negativen Auswirkungen: "Während sich die unmittelbare Krise im Bankensektor zu entspannen scheint, bleibt abzuwarten, wie stark die Turbulenzen dem Wirtschaftsvertrauen schaden", erklärt das britische Analysehaus Capital Economics.
Das größte Risiko sei, dass die Banken ihre Kreditvergabe zurückfahren. Dies würde Investitionen und Konsum dämpfen und letztlich der Wirtschaft schaden.
Quelle: dpa

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