: Bio-Produkte wieder häufiger im Einkaufswagen

11.02.2024 | 09:36 Uhr
Trotz gestiegener Lebenshaltungskosten haben die Menschen in Deutschland wieder mehr Bio-Lebensmittel gekauft. Woran das liegt und was das für die Ziele der Bundesregierung heißt.

In Deutschland ist die Nachfrage nach ökologischen Lebensmitteln wieder gewachsen. Bio-Händler auf der größten Fachmesse in Nürnberg schauen zuversichtlich in die Zukunft der Branche.

13.02.2024 | 01:33 min
Trotz Inflation und schwacher Konjunktur haben die Menschen in Deutschland wieder mehr Geschmack an Bio-Lebensmitteln gefunden. Nach einer leichten Delle 2022 habe die Nachfrage im vergangenen Jahr wieder zugenommen, sagte die Vorsitzende des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Tina Andres.
Das bestätigt auch der Konsumgüter-Experte David Georgi vom Marktforschungsinstitut NielsenIQ: "Der Bio-Lebensmittelumsatz konnte 2023 im Vergleich zum Vorjahr nochmals ein deutliches Wachstum von 8,7 Prozent erreichen."
Wie die Situation nach Corona Anfang 2023 aussah:
Interessanterweise gehe diese Entwicklung nicht nur auf höhere Preise zurück wie in vielen anderen Lebensmittelbereichen. "Auch der Absatz wächst bei Bio-Lebensmitteln mit 4,7 Prozent deutlich."

Verbraucher kommen aus "Schockstarre"

Genaue Zahlen zum deutschen Biomarkt will der BÖLW am Dienstag auf der weltgrößten Naturkostmesse Biofach in Nürnberg vorstellen. Dieser ist der Spitzenverband für die deutschen Erzeugerbetriebe, verarbeitenden Unternehmen und den Handel von Bio-Lebensmitteln.
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"Die Verbraucher kommen langsam wieder aus der Schockstarre", sagte Andres mit Blick auf die Kaufzurückhaltung angesichts steigender Lebenshaltungskosten. Der Aufwind sei in allen Vertriebskanälen spürbar, auch im Fachhandel.
Die Naturkostläden hatten zuletzt am deutlichsten zu spüren bekommen, dass Verbraucher mehr auf ihre Ausgaben achten. 2022 war deren Gesamtumsatz laut dem Branchenreport der ökologischen Lebensmittelwirtschaft um rund zwölf Prozent auf 3,83 Milliarden Euro gesunken.

Bio-Lebensmittel weniger teurer geworden als konventionelle

Eigenmarken spielten bei den Bio-Lebensmitteln weiter eine entscheidende Rolle, sagte Georgi. Ihr Anteil im Lebensmitteleinzelhandel und den Drogeriemärkten liege aktuell bei mehr als 60 Prozent und wachse weiter. Außerdem kauften die Menschen zunehmend Bio-Produkte im Discounter.

Landwirt Sebastian Frey will der Dürre durch Agroforst entgegenwirken. Er baut Bäume auf seinen Feldern an, denn diese ziehen das nötige Wasser aus der Tiefe und halten so den Acker feucht.

19.06.2023 | 01:48 min
Die Preise für Bio-Lebensmittel seien im Vergleich zu konventionellen Produkten im vergangenen Jahr weniger stark gestiegen, sagte Andres. Während es bei konventionellen Lebensmitteln einen Preisanstieg um neun Prozent gegeben habe, habe dieser bei Bio bei fünf Prozent gelegen.
Ein Grund sei, dass die explodierenden Energiekosten die Bio-Landwirte weniger stark treffen. Diese kommen ihr zufolge ohne chemisch synthetische Stickstoffdünger und Pestizide aus, die mit fossiler Energie hergestellt werden.
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Andres: Haben "Umsetzungsproblem in der Landwirtschaftspolitik"

Immer mehr Landwirte steigen laut dem BÖLW in Deutschland auf Bio-Anbau um. "Täglich kommen Flächen in der Größe von über 300 Fußballfeldern hinzu", sagte dessen Vorsitzende Tina Andres. 2022 hatte die Anbaufläche auf fast 1,87 Millionen Hektar zugelegt - das sind rund elf Prozent der deutschen Agrarfläche.
Auch mit dem erneuten Zuwachs sei man immer noch weit von dem Ziel entfernt, dass 30 Prozent der Landwirtschaftsfläche bis 2030 ökologisch bewirtschaftet werden sollten, betonte Andres.
"Wir haben kein Erkenntnisproblem, sondern wir haben ein Umsetzungsproblem in der Landwirtschaftspolitik." Es gebe hervorragende Pläne und ausgearbeitete Strategien. Doch das werde alles nicht funktionieren, wenn man diese nicht mit einem ausreichenden Budget ausstatte, sagte sie.
Quelle: dpa

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