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: Was mehr Hitze in Deutschland wirklich heißt

von Robert Meyer
19.08.2023 | 10:45 Uhr
Die Zahl der Hitzetage in Deutschland steigt seit Jahrzehnten. Und damit die Zahl der Toten. Wie groß das Problem ist - und was dagegen getan werden kann.
Hitze in Frankfurt: An immer mehr Tagen erreichen die Temperaturen 30 Grad und mehr.Quelle: iStock/instamatics
28 Hitzetage im Jahr. Das ist im Landkreis Karlsruhe an der Wetterstation Waghäusel-Kirrlach mittlerweile üblich: Tage mit mindestens 30 Grad.
Direkt am Oberrheingraben war es zwar schon immer wärmer als in anderen Regionen Deutschlands. Aber normal ist die heutige Situation eigentlich nicht: Mittlerweile sind es hier über 50 Prozent mehr Hitzetage als noch in den Neunzigern. Vergangenes Jahr stieg das Thermometer sogar an 50 Tagen auf mindestens 30 Grad. Höchsttemperatur: 39,1 Grad.

Zahl der Hitzetage in Deutschland steigt

Dieser Trend lässt sich nicht nur am besonders warmen Oberrhein beobachten, sondern überall in Deutschland. Mit gefährlichen Folgen für die Bevölkerung.
In den 50er- und 60er-Jahren waren durchschnittlich vier Hitzetage pro Jahr in Deutschland normal. Mittlerweile sind es doppelt so viele. Und in besonders heißen Jahren noch deutlich mehr. 2018 gab es über 20.
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Vor allem im Süden und Osten Deutschlands ist die Zahl der Hitzetage in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen:
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Zahl der Hitzetage wird künftig weiter steigen

Und es werden aufgrund des Klimawandels noch mehr. In den kommenden Jahrzehnten werden überall im Land - vor allem aber im sowieso schon stark betroffenen Süden und im Osten - deutlich mehr heiße Tage erwartet.
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Welche Folgen die Hitze für die Gesundheit hat

Das Problem: Solche Hitzetage belasten die Gesundheit. Der Körper braucht mehr Energie, um mit den höheren Temperaturen umgehen zu können. Jeder kann es sich vorstellen: Drei Stockwerke die Treppen hochzulaufen ist bei 35 Grad deutlich anstrengender als bei 20 Grad. Noch härter wird es, wenn hohe Luftfeuchtigkeit, Luftverschmutzung oder Ozonbelastung hinzukommen.
Die Folge: Mehr Hitze-Patient*innen, mehr Hitze-Tote. In Jahren mit besonders vielen Hitzetagen müssen laut Daten des Statistischen Bundesamts 48 Prozent mehr Menschen im Krankenhaus wegen beispielsweise Hitzschlägen oder Sonnenstichen behandelt werden.
Dabei ist noch nicht mal eingerechnet, dass Menschen auch wegen anderer durch die Hitze begünstigte Erkrankungen ins Krankenhaus müssen. Nierenkrankheiten, Herz-Kreislauf-Probleme oder Atemwegserkrankungen stehen im Zusammenhang mit extremer Hitze - sie landen oft nicht in der Hitzestatistik und erhöhen die Dunkelziffer.

Mehr Tote durch Hitze

Gerade Risikogruppen wie Ältere und Vorerkrankte sind gefährdet. Deutschland muss deshalb besonders vorsichtig sein: Hier trifft eine zunehmend ältere Bevölkerung auf immer mehr Hitzetage.
Wie viele Tote es genau sind, das lässt sich nur schätzen. Hitze steht meistens nicht als Todesursache im Todesschein. Dort wird dann zum Beispiel ein Herzinfarkt eingetragen, der aber Folge einer Kombination von Hitze und geschwächtem Herz sein kann.
Das Robert-Koch-Institut berechnet die Zahl der Hitzetoten deshalb mithilfe statistischer Methoden. 2022 sind demnach rund 4.500 Menschen durch die Hitze gestorben. Die Zahlen können aber je nach Berechnungsmethode oder Definition von Übersterblichkeit auch variieren. Kürzlich kam eine andere Studie auf fast doppelt so viele Hitzetote in Deutschland.

Was kann man gegen die Folgen der Hitze unternehmen?

Auf Hitze sei man in Deutschland nicht gut genug vorbereitet, bemängelt die Bundesärztekammer. Es würden oft Hitzeaktionspläne fehlen. Das zeigte kürzlich auch eine Recherche von Correctiv, WDR, NDR und BR.
Solche Pläne können laut Expert*innen helfen, die Zahl der Todesfälle zu verringern. Doch selbst der Landkreis Karlsruhe, wo die Wetterstation Waghäusel-Kirrlach mit den meisten Hitzetagen steht, hat keinen eigenen Plan. Man sei sich zwar der Gefahr bewusst, antwortet das Landratsamt auf Anfrage, arbeite derzeit unter anderem mit Infomaterialien für Bürger*innen und Beratung für Pflegeeinrichtungen. In der benachbarten Stadt Karlsruhe wird gerade erst ein Plan erarbeitet.
Für solche Pläne müssen sich alle Beteiligten vor Ort austauschen: von Pflegeeinrichtungen über Feuerwehren und Krankenhäuser bis hin zur Politik - am besten zentral koordiniert.
Auf den Notfall vorbereitet zu sein, ist jedoch nur das eine. Genauso wichtig sind zum Beispiel langfristige Maßnahmen der Stadtplanung: anderes Bauen, mehr Schatten, grünere Städte.
Wie es besser gehen kann und Städte dadurch lebenswerter werden - die Doku von plan b:

Gutes Klima für die Stadt

27.07.2024 | 29:45 min
Autor: Robert Meyer
Redaktion: Moritz Zajonz, Luisa Billmayer
Beratung: Karsten Friedrich (Deutscher Wetterdienst), Andrea Nakoinz (Ärztin, Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit)

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