: Wie deutsche Luxusautos in Russland landen

von Arndt Ginzel und Alina Borgmann
14.01.2024 | 15:36 Uhr
Kremlunterstützer werden für ihre Beteiligung am Angriffskrieg mit deutschen Luxusautos belohnt. Doch wie kommen die Fahrzeuge trotz Sanktionen nach Russland? Eine Spurensuche.

Luxuskarossen aus Deutschland stehen in Russland hoch im Kurs. Seitdem der Angriffskrieg auf die Ukraine begann, wurde auch der Export von deutschen Luxusprodukten eingeschränkt.

13.12.2023 | 15:33 min
Seit dem Angriffskrieg auf die Ukraine ist der Export von Pkw, die mehr als 50.000 Euro kosten, nach Russland laut EU-Sanktionen verboten. Dennoch sind russische Telegram-Kanäle voll mit Angeboten deutscher Luxusautos.
Sie werden quer durch Europa bis an die Außengrenzen transportiert. Von Deutschland über Polen und Litauen nach Belarus - schließlich landen sie von dort aus in Russland. Das zeigt eine Recherche von ZDF frontal.

Belarus als Transitland für Autoschmuggel

Nicht nur gegen Russland selbst soll wirtschaftlich Druck ausgeübt werden. Auch für Belarus gibt es Sanktionen, diese seien aber anders zugeschnitten, sagt der Sanktionsforscher Christian von Soest. So sei der Export von Luxusgütern wie Sportwagen dort noch möglich.
Diese Unterschiede in den Sanktionsregimen machen sich die Autoschieber zunutze und verdienen dadurch mit deutschen Fahrzeugen trotz Krieg und Sanktionen viel Geld in Russland.

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12.12.2023 | 02:21 min

Exportgeschäfte über Telegram-Kanäle

In einem Telegram-Kanal findet sich beispielsweise ein Foto eines Audi RS7 mit deutschem Überführungskennzeichen. Der Kaufpreis beträgt umgerechnet rund 130.000 Euro. Das Foto wurde in St. Petersburg aufgenommen, aber die Herkunft des Fahrzeugs lässt sich nach Deutschland zurückverfolgen.
Michael Agsteiner, der Chef eines Augsburger Autohauses, bestätigt den Verkauf des besagten Autos durch seine Firma. Es sei aber nicht an einen Russen verkauft worden. "Wenn wir erkennen würden, dass ein Auto nach Russland geht, würden wir auf jede Art von Geschäft verzichten", erklärt er. Es sei den Unterlagen nach aber ein völlig normales Geschäft gewesen.
Dieser bestimmte Käufer taucht mit diversen Autos in dem Telegram-Kanal auf. Er bietet sie dort zum Weiterverkauf an und streitet dies, als er damit konfrontiert wird, auch nicht ab. Er verkaufe viele Fahrzeuge. Sowohl an deutsche, polnische, litauische und lettische Händler als auch manchmal direkt an Käufer aus Belarus.

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Was geschieht nach der Ankunft in Belarus?

Es sei für ihn kein großer Aufreger, da es sich nicht um Waffen oder ähnliches handle, erzählt er im Gespräch mit ZDF frontal. Er sagt, dass er nicht gegen deutsche Gesetze oder Sanktionen verstoße.
An der litauisch-belarussischen Grenze lassen sich zahlreiche Fahrer beobachten, die Autos über die Grenze bringen. Aber alle behaupten, sie würden die Fahrzeuge nur bis nach Belarus und nicht weiter bringen. Was danach mit ihnen geschieht, weiß keiner von ihnen.

EU-Sanktionen mit Schlupflöchern

"Sanktionen sind nur so gut, wie sie umgesetzt werden", sagt Christian von Soest.

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Das heißt, man muss sehr genau kontrollieren, dass die Sanktionen auch eingehalten werden, sodass es keinen Weiterexport gibt.
Prof. Christian von Soest, Sanktionsexperte am German Institute for Global and Area Studies
Dazu brauche es insbesondere einen gewissen Druck der Behörden, sonst würden alle Schlupflöcher genutzt und die Sanktionen umgangen. Wenn Kontrolle und Strafverfolgung fehlen, können Wladimir Putins Eliten ihren Luxus weiter genießen.

Wie deutsche Autobauer reagieren

Und nicht nur sie: Auch Kämpfer im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine werden etwa von Tschetschenenführer Ramsan Kadyrow in Propagandavideos mit Luxuskarossen made in Germany belohnt.
Aufnahmen von Ramsan Kadyrows Telegram-Kanal: Kämpfer aus Russlands Angriffskrieg wegen mit Luxusautos belohnt.Quelle: ZDF
BMW, Mercedes, Porsche und Volkswagen äußern sich auf Nachfrage von ZDF frontal zu Exporten von Luxusautos Richtung Russland ähnlich. Den Unternehmen sei wichtig, dass Sanktionen eingehalten würden. Dazu gäbe es klare Regeln für ihre Händler. Es sei jedoch nicht in jedem Einzelfall möglich zu kontrollieren, wo die Fahrzeuge am Ende landen.
Aktiv wurden hingegen Zollfahnder in Berlin und Brandenburg. Am 5. März durchsuchten Beamte in den Morgenstunden sieben Privat- und Firmenadressen in Berlin und Brandenburg. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt an der Oder erließ Haftbefehle gegen drei Männer. Sie sollen seit Juni 2022 bandenmäßig Luxusautos im Wert von über 28 Millionen Euro nach Russland verkauft haben. Durch das Vorspielen eines Exports nach Belarus seien gezielt EU-Sanktionen verletzt worden, so eine Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft. Vermögenswerte in Höhe von über einer Million Euro seien eingezogen worden.
Hinweis 5. März 2024, 16 Uhr: Der Artikel wurde um Informationen zur erfolgten Zollrazzia gegen Sanktionsschmuggel ergänzt.
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