: Dagestan: Antisemitischer Mob sucht Juden

30.10.2023 | 06:30 Uhr
Ein antisemitischer Mob hat am Sonntagabend in Dagestan den Flughafen der Hauptstadt Machatschkala gestürmt. Zuvor war dort eine Maschine aus Tel Aviv gelandet.

Gewalt in der russischen Teilrepublik Dagestan: Ein antisemitischer Mob versucht, einen Flieger aus Israel zu stürmen. Mindestens 20 Menschen wurden verletzt.

30.10.2023 | 00:56 min
Wegen des Krieges im Nahen Osten kommt es in Russlands muslimisch geprägtem Nordkaukasus verstärkt zu antijüdischen Übergriffen. In Machatschkala in der Teilrepublik Dagestan drang eine Menschenmenge am Sonntagabend in den Flughafen ein, weil dort eine Maschine aus Tel Aviv gelandet war, in der angeblich Flüchtlinge aus Israel saßen.
Russischen Medienberichten zufolge durchbrachen Dutzende Männer Zäune, stürmten auf das Dach des Flughafens von Machatschkala und auf das Rollfeld. Zudem traten sie Türen im Terminal ein und versuchten, Autos beim Verlassen des Flughafens zu kontrollieren.

20 Menschen verletzt, zwei in kritischem Zustand

Bei dem Vorfall seien mehr als 20 Menschen verletzt worden, darunter Einsatzkräfte der Polizei sowie Zivilisten.
Zehn Menschen seien im Krankenhaus behandelt worden, zwei von ihnen befänden sich in kritischem Zustand, berichtete die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass in der Nacht zum Montag unter Berufung auf das örtliche Gesundheitsministerium.
Post auf X vom Zentralrat der Juden
Der Flugplatz wurde vorübergehend geschlossen, ankommende Flugzeuge wurden auf andere Flughäfen umgeleitet, wie die staatliche Flugaufsicht Rosawiazija Tass zufolge mitteilte.
Später teilte Rosawiazija mit, Sicherheitskräfte hätten das Gelände geräumt. Der Flughafen bleibe aber bis zum 6. November geschlossen.
Karte des Kaukasus und des südlichen Russlands.Quelle: ZDF

US-Sicherheitsrat verurteilt "antisemitische Proteste"

Der Nationale Sicherheitsrat der USA verurteilte "die antisemitischen Proteste" in Dagestan. "Die USA steht angesichts eines weltweiten Anstiegs des Antisemitismus an der Seite der gesamten jüdischen Gemeinschaft. Es gibt nie eine Entschuldigung oder Rechtfertigung für Antisemitismus", schrieb Sprecherin Adrienne Watson in der Nacht zum Montag auf der Plattform X.
Zuvor hatte bereits Israel am Sonntag die russischen Behörden zum Schutz seiner Staatsbürger aufgefordert. Es werde erwartet, "dass die russischen Strafverfolgungsbehörden die Sicherheit aller israelischen Bürger und Juden gewährleisten und entschlossen gegen Randalierer und wilde Aufwiegelung gegen Juden und Israelis vorgehen", teilten das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sowie das israelische Außenministerium gemeinsamen mit.
"Israel nimmt Versuche, israelischen Bürgern und Juden irgendwo zu schaden, sehr ernst" und beobachte die Ereignisse in Dagestan, hieß es in der Mitteilung. Der israelische Botschafter in Russland, Alex Ben Zvi, arbeite mit den russischen Behörden zusammen, "um das Wohlergehen von Juden und Israelis vor Ort zu gewährleisten".

Das Thema Antisemitismus wird zu oft verdrängt, mahnt Grünen-Politikerin Lamya Kaddor und fordert "schonungslose Selbstreflexion". Es reiche nicht, kleine Projekte zu finanzieren.

19.10.2023 | 06:27 min

Mehrere Dutzend Männer dringen in Hotel ein

Am Samstag umringte auch eine Menge aufgebrachter Menschen ein Hotel in der Stadt Chassawjurt in Dagestan, weil es das Gerücht gab, dort seien Flüchtlinge aus Israel untergebracht. Die staatliche Agentur Ria bestätigte diesen Vorfall. Nach örtlichen Berichten drangen mehrere Dutzend Männer in das Hotel ein, um angeblich die Pässe der Hotelgäste zu kontrollieren. Die Polizei riegelte das Hotel ab.
In Naltschik wurden am Sonntag Reifen neben einem jüdischen Kulturzentrum im Bau angezündet, wie die Nachrichtenagentur Ria meldete. Das Gebäude wurde nach Angaben der Sicherheitsbehörden der Teilrepublik Kabardino-Balkarie mit extremistischen Losungen beschmiert. Fotos zufolge stand dort "Tod den Juden".
In der Teilrepublik Karatschajewo-Tscherkessien riefen Demonstranten dazu auf, die örtliche jüdische Bevölkerung auszusiedeln.

Für die Zivilbevölkerung im Gazastreifen verschlechtern sich die Lebensumstände zunehmend.

29.10.2023 | 02:17 min

Republikchef Dagestans warnt vor Fake News

Der Republikchef von Dagestan, Sergej Melikow, rief die Bevölkerung auf, sich nicht von Extremisten aufstacheln zu lassen, die die Lage destabilisieren wollten. "Wegen der Fakes, die von unseren Feinden verbreitet werden, waren einige noch ganz junge Leute drauf und dran, die Gesetze zu verletzen", schrieb er auf Telegram.
Auch die islamische Geistlichkeit der Region stellte klar: "Der Antisemitismus hat keinen Platz im multiethnischen Nordkaukasus."

Terror-Akt der Hamas am 07. Oktober

Die Terrororganisation Hamas hatte am 7. Oktober einen beispiellosen Großangriff auf Israel begonnen. Dabei wurden nach israelischen Angaben etwa 1.400 Menschen getötet. Zudem verschleppte sie laut neuen Armeeangaben vom Sonntagabend 239 Menschen in den Gazastreifen.
Als Reaktion auf den Großangriff riegelte Israel den Gazastreifen ab und startete massive Luftangriffe. Dabei wurden nach von unabhängiger Seite nicht überprüfbaren Hamas-Angaben vom Sonntag mehr als 8.000 Menschen getötet.
Quelle: dpa, Reuters, AFP

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