: 100 Milliarden Dollar-Ziel wohl erreicht

von Andreas Stamm
17.11.2023 | 15:26 Uhr
Die Industrieländer, darunter Deutschland, schaffen die Pflicht. Sie erfüllen ihr Finanzziel in Sachen Geld für die Bewältigung der Klimakrisenfolgen in ärmeren Staaten.
Extremwettereignisse wie lange Dürreperioden machen Ländern auf der südlichen Halbkugel zu schaffen. (Archivbild)Quelle: dpa/Dong Jianghui/XinHua
Besser spät als nie - auf der Klimakonferenz 2009 versprachen die reichen Staaten der Weltgemeinschaft, den ärmsten und oft von den Folgen des Klimawandels am härtesten betroffenen Ländern, mit viel Geld unter die Arme zu greifen. Spätestens 2020 sollten aus staatlichen und privaten Mitteln 100 Milliarden Dollar, rund 92 Milliarden Euro, im Jahr zusammenkommen.
Das Geld sollte helfen, damit sich vor allem die Staaten der südlichen Halbkugel besser auf die Folgen der globalen Erwärmung vorbereiten können - auf Extremwetterereignisse wie lange Dürreperioden, zunehmende Stürme und Flutereignisse oder den steigenden Meeresspiegel. Darüber hinaus sollen die Gelder den Umbau hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft fördern.
Doch der reiche Norden halte seine Versprechen nicht, so seit 2020 der Tenor unter den Entwicklungsländern. Ein Vertrauensverlust, der seitdem auf allen Weltklimakonferenzen zu spüren war, sagen Insider der jährlichen Mammut-Verhandlungen zwischen den fast 200 Nationen.
Im ZDFheute-KlimaRadar finden Sie die wichtigsten Zahlen zum sich verändernden Klima:

Neue Zahlen, neues Glück

Die komplizierten Berechnungen, die die Angaben der Geberstaaten und privater Geld- und Kreditgeber zusammenträgt und überprüft, übernimmt traditionell die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris. Nach deren neuesten Bericht hat es schon im vergangenen Jahr geklappt, die 100 Milliarden Dollar zusammen zu bekommen.
Im Hinblick auf die COP28 und darüber hinaus ist es immens wichtig, dass alte Versprechen bei der Klimafinanzierung eingehalten werden können.
Jennifer Morgan, Beauftragte der Bundesregierung für internationale Klimapolitik
So begrüßt die Beauftragte der Bundesregierung für internationale Klimapolitik, Jennifer Morgan, in einem gemeinsamen Statement mit dem Umweltminister Kanadas die Entwicklung. Das bereite die Bühne für erfolgreiche Verhandlungen in Sachen Bekämpfung des Klimawandels. Das so neu geschaffene Vertrauen werde auf der Ende November in Dubai beginnenden Weltklimakonferenz dringend benötigt.

Der Petersburger Klimadialog sei "nur der Anfang", besonders wichtig seien dabei die "Finanzmechanismen", so Jennifer Morgan, Sonderbeauftragte für internationale Klimapolitik im Auswärtigen Amt.

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Ein weinendes, ein lachendes Auge

Wie so oft kommt die Erfolgsmeldung aber auch mit einer ordentlichen Prise Skepsis. Weniger, dass die Zahlen nicht ehrlich wären. Die Zahlenzauberer der OECD genießen großes Vertrauen. Doch das Geld reicht hinten und vorne nicht angesichts der Klimakrise, die schneller voranschreitet als die meisten Modellvorhersagen es erwarten lassen. Bei der Vorstellung des Berichts erklärt OECD-Generalsekretär Matthias Cormann:
Deshalb werden die Entwicklungsländer ab 2025 rund 1.000 Milliarden Dollar jährlich für Klima-Investitionen brauchen.
Matthias Cormann, OECD-Generalsekretär
Wo das Geld herkommen soll in Zeiten einer weltwirtschaftlich angespannten Lage? Kaum zu erkennen.

Das Gleichgewicht der Erde ist gestört. Mit fossilen Brennstoffen heizt der Mensch den Planeten auf – mit unkalkulierbaren Folgen für das Klima. Wir zeigen Daten, Fakten und Zahlen hinter dem, was aktuell diskutiert wird.

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Musterschüler Bundesrepublik?

Zumindest Deutschland erfüllt momentan seine vorgegebenen Ziele, erklärt Morgan. Mehr als sechs Milliarden Euro seien im vergangenen Jahre für die Klimafinanzierung geflossen, dazu noch einmal knapp vier Milliarden an privater Finanzierung, unterstützt durch staatliche Garantien.
Damit übererfülle Deutschland seinen "fair share" sogar leicht - seinen fairen Anteil, berechnet nach der Größe der Wirtschaftsleistung, Einwohnerzahl und historischen CO2-Emmisionen -, heißt es aus Regierungskreisen. Ob das so bleibt? Zumindest hat das Haushalts-Urteil des Bundesverfassungsgerichts in dieser Woche viele Fragezeichen aufgeworfen, auch wie es mit der Finanzierung der deutschen Klimapolitik weitergeht.

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COP als Flop?

Es ist zumindest ein Hoffnungsschimmer für die COP28 in Dubai. Die Klimakrise nimmt an Fahrt auf, in der Konferenzmaschinerie nimmt der Elan ab. Kompliziert, teuer, alles muss einstimmig beschlossen werden. Zahlreiche Berichte flatterten in den vergangenen Tagen ein. Alle eint, dass es nicht geschaffen werde, die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen - es gebe viel zu wenig Fortschritte.
Und doch bewege sich etwas, so die Bundesregierung. Bei der COP vor einem Jahr in Ägypten war der Loss and Damage Fund beschlossen worden. Das Versprechen: Schneller Zugang zu Geld bei Extremwetterereignissen für ärmere Länder.
Offen blieb: Wer zahlt ein? Nur die klassischen Industrieländer, der alte Westen? Oder sei es nicht überfällig, dass aufsteigenden Nationen wie etwa China oder die reichen Golfstaaten zur Kasse gebeten werden? Mehr zahlende Staaten, die Hoffnung des Westens. Dass das 100 Milliarden-Ziel erreicht scheint, könnte in dieser Frage bei den Verhandlungen in Dubai den Unterschied machen. Und auch da gilt: Besser spät als nie.
Andreas Stamm ist Umwelt-Redakteur beim ZDF.

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