: Kreml sieht weiterhin Ukraine-Verbindung

26.03.2024 | 23:25 Uhr
Der Anschlag bei Moskau geht auf das Konto des IS - das hat Präsident Putin eingeräumt. Doch der Kreml hält auch an seiner Behauptung eines Zusammenhangs mit der Ukraine fest.
Russlands Präsident Putin bekräftigt seine Vorwürfe gegen den Westen.Quelle: epa
Russland macht nach wie vor eher die Ukraine für den Anschlag auf eine Konzerthalle bei Moskau verantwortlich als die Extremisten-Organisation Islamischer Staat.
Der Sekretär des russischen Sicherheitsrates und enge Vertraute von Präsident Wladimir Putin, Nikolai Patruschew, bekräftigte diese Ansicht am Dienstag.

Unter den Trümmern der Konzerthalle bei Moskau gibt es laut Leiter des Katastrophenschutzes keine weiteren Opfer. Beim Terroranschlag am Freitag waren 139 Menschen getötet worden.

27.03.2024 | 00:22 min

Selenskyj-Berater: Lügen werden offiziell verbreitet

Das russische Nachrichtenportal Shot veröffentlichte ein Video, in dem einer seiner Reporter Patruschew im Vorbeigehen nach den Verantwortlichen fragt: "ISIS oder Ukraine?" Patruschew antwortete: "Natürlich die Ukraine." Die Ukraine wies auch die jüngsten Vorwürfe Russlands zurück.
Das seien Lügen, erklärte der enge Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Mychailo Podoljak, auf dem Kurznachrichtendienst X. "Die Lügen werden offiziell verbreitet von Patruschew und danach vom FSB-Chef Bortnikow."

Nach dem Anschlag auf eine russische Konzerthalle mit mehr als 130 Toten wurde am Ort der Tat getrauert.

23.03.2024 | 02:19 min
Alexander Bortnikow ist der Direktor des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. Patruschew verfügt als Sekretär des wichtigen Sicherheitsrates, dessen Vorsitz Präsident Putin hat, über viel Einfluss. Der afghanische Ableger der Extremisten-Organisation Islamischer Staat (IS oder ISIS), ISPK, hat sich mehrfach zu der Tat bekannt, bei der am Freitag mindestens 139 Menschen getötet wurden.

Anschlagswarnungen in europäischen Städten häufen sich. Die Verdächtigen sollen zu einem Ableger des Islamischen Staates gehören. ZDFheute live zur Bedrohungslage in Deutschland.

27.12.2023 | 27:40 min
Putin hatte nach dem Anschlag eine Verbindung zur Ukraine gezogen. Am Montag räumte er ein, dass radikale Islamisten hinter der Tat steckten. Allerdings passe der Angriff auch zu ukrainischen Einschüchterungsversuchen, wie Putin behauptet: "Diese Gräueltat ist möglicherweise nur ein Glied einer Kette von Versuchen, derjenigen, die sich seit 2014 durch die Handlungen des neonazistischen Kiewer Regimes im Krieg mit unserem Land befinden."

Putin: Gerechte Strafe für Attentäter

Der Anschlag auf die Konzerthalle ist nach Einschätzung des russischen Generalstaatsanwalts eine neue Herausforderung für das gesamte Strafverfolgungssystems des Landes. Putin äußerte im Fernsehen die Hoffnung, dass die Staatsanwaltschaft alles dafür tun werde, die Attentäter gerecht zu bestrafen.

Nach dem Terroranschlag bei Moskau versuche Präsident Putin durch Propaganda "von seinem eigenen Versäumnis abzulenken“, sagt Terrorismusforscher Peter Neumann.

25.03.2024 | 04:20 min
Die Zahl der Komplizen der Attentäter wird nach Einschätzung des Inlandsgeheimdienstes FSB noch weiter steigen. Es seien noch mehr als die bislang festgenommenen elf Verdächtigen, sagte FSB-Chef Bortnikow den staatlichen russischen Nachrichtenagenturen Interfax, RIA und Tass zufolge. Geheimdienste westlicher Staaten sowie der Ukraine hätten den Anschlag gebraucht, um Panik in Russland auszulösen, so die Behauptung aus Russland.
Die USA, Großbritannien und die Ukraine stecken hinter dem Angriff auf die Moskauer Konzerthalle.
FSB-Chef Bortnikow
Der Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes, Kyrylo Budanow, sei ein "legitimes Ziel", fügte der FSB-Chef hinzu.

Lukaschenko deutet Fluchtpläne nach Belarus an

Laut Aussage des belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko wollten die Attentäter dagegen möglicherweise in sein Land fliehen. Als nach dem Angriff auf die Crocus City Hall bekannt wurde, dass die Täter mit einem Auto in das an Belarus grenzende russische Gebiet Brjansk fuhren, seien auch auf Seite des Nachbarlandes Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden, sagte Lukaschenko laut staatlicher Nachrichtenagentur Belta am Dienstag.
Der autoritäre Langzeitherrscher der mit Russland verbündeten Ex-Sowjetrepublik führte demnach weiter aus:
Sie (die Terroristen) konnten deshalb nicht nach Belarus gelangen. Das haben sie gesehen. Deshalb sind sie umgekehrt und in Richtung ukrainisch-russische Grenze gefahren.
Alexander Lukaschenko, Präsident von Belarus
Brjansk grenzt neben Belarus auch an die Ukraine.

Putin trifft sich nach dem Terroranschlag bei Moskau mit Vertretern der Sicherheitsbehörden. Die vier mutmaßlichen Haupttäter sind wohl nach der Festnahme gefoltert worden.

25.03.2024 | 01:23 min

Militärexperte: Putin überspielt Schwächen im Machtsystem

Für die Darstellung von russischer Seite gibt es keine Belege. Nach dem Angriff auf die Konzerthalle hatte die Terrorgruppe ISPK die Tat für sich reklamiert. Das bringe "den Kreml in Erklärungsnot", erklärte ZDF-Reporter Armin Coerper. Präsident Putin habe in den vergangenen Jahren immer damit gepunktet, die Sicherheit der Bevölkerung zu gewährleisten, die IS-Täterschaft würde demnach "Kratzer an seinem Bild hinterlassen", so Coerper.
Auch Militärexperte Nico Lange erklärte im ZDF spezial zum Terror bei Moskau, die Tat habe die "Schwäche des russischen Machtsystems" offengelegt. Diese Schwäche werde der Kreml nun "durch aggressive Rhetorik, durch besonders hartes Vorgehen" versuchen zu überspielen. "Möglicherweise auch durch Propaganda, um das Ganze in Richtung Ukraine zu drehen", ordnete Lange ein.

Nach den blutigen Anschlägen auf eine Konzerthalle in Moskau mit vielen Toten und Verletzten steht Russland unter Schock.

23.03.2024 | 11:10 min
Quelle: Reuters, dpa

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