: Expertin: Angriffe zeigen Schwäche Russlands

01.06.2023 | 10:33 Uhr
Die Drohnenangriffe auf Moskau haben die Verwundbarkeit der russischen Verteidigung gezeigt. Militärexpertin Major über die Folgen für den Kreml und die Auswirkungen auf den Krieg.

Sicherheitsexpertin Claudia Major von der Stiftung Wissenschaft und Politik spricht im ZDF-Morgenmagazin über die aktuellen Entwicklungen im Ukraine-Krieg.

01.06.2023 | 05:34 min
Die Drohnenangriffe auf Moskau haben die Schwäche der russischen Luftverteidigung offengelegt und für Verunsicherung in Russland gesorgt. Sicherheitsexpertin Claudia Major von der Stiftung Wissenschaft und Politik sieht mit Blick auf die Bedeutung für den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine momentan vor allem "psychologische Effekte" der Drohnenattacken. Dadurch werde gezeigt, dass der Krieg auch in Russland ankomme und "dass Russland verwundbar ist", sagt sie im ZDF-Morgenmagazin.
Und dass diese Geschichte vom siegreichen Russland in der Ukraine nicht stimmt, weil sie nicht mehr in der Lage sind, ihr Hinterland zu sichern.
Claudia Major, Stiftung Wissenschaft und Politik
Militärisch mache es allerdings noch keinen großen Unterschied - ein solcher Vorfall bringe den Kreml noch nicht zu einem Umdenken. Vielmehr brauche es eine "Kette von mehreren Ereignissen", damit das Vertrauen in die "russische Regimesicherheit" infrage gestellt werde.

Sicherheitsexpertin: Ukraine darf "keine zivilen Ziele angreifen"

Ob Kiew hinter den Drohnenangriffen auf die russische Hauptstadt steckt, sei weiter unklar: "Wir wissen es nicht", betont Major. Dennoch müsse man sich fragen, "wie es möglich ist, ohne das Wissen der Ukraine so eine große Anzahl von Drohnen herzustellen, zu bewaffnen und loszuschicken", sagt die Sicherheitsexpertin.
Grundsätzlich habe die Ukraine nach der UN-Charta "das Recht, sich gegen Russland zu verteidigen und damit auch Ziele in Russland anzugreifen". Grenzen für solche Angriffe seien die Frage nach der Verhältnismäßigkeit und das humanitäre Völkerrecht: "Das heißt, sie dürfen keine zivilen Ziele angreifen." Schläge gegen strategische Orte wie die im vergangenen Jahr attackierten "Bomberplätze" in Engels seien erlaubt.

Major: Angriffe auf Militärziele in Russland gehören zum Recht auf Verteidigung

Die US-Regierung hatte nach den Drohnenangriffen auf Moskau bekräftigt, keine Angriffe innerhalb Russlands zu unterstützen, "falls von den USA an die Ukraine gelieferte Waffen in Russland zum Einsatz kämen".
Major betont in diesem Zusammenhang, dass zwischen Attacken auf militärische und zivile Ziele unterschieden werden müsse. Demnach hatten die USA und Deutschland immer deutlich gemacht, die an die Ukraine gelieferten Waffen seien nur für die Verteidigung bestimmt, um eigenes Gebiet und die dort lebende Bevölkerung zu befreien. Angriffe auf russische Flugplätze oder Kommandozentralen, um unter anderem Befreiungen vorzubereiten, sind aus Sicht von Claudia Major durch die Verbündeten gedeckt.

Zur Zeit sei offensichtlich, dass die Ukraine "mindestens jede zweite Nacht angegriffen wird", so ZDF-Reporter Timm Kröger nach erneutem russischem Raketenbeschuss in der Nacht.

01.06.2023 | 01:58 min

Expertin: Nato-Beitritt der Ukraine für beide Seiten sinnvoll

Zum Thema Beitritt der Ukraine zur Nato sagte Major, dies wäre für beide Seiten vorteilhaft. Für Kiew sei dieser Schritt notwendig, um die "Sicherheit des Landes zu gewährleisten", sodass nach einem möglichen Friedensschluss der Krieg nicht wieder sofort losgehe.
Die Nato hat sich für ihre Mitglieder als Lebensversicherung bewährt, sie schützt sie. Und diesen Schutz will die Ukraine haben.
Claudia Major, Stiftung Wissenschaft und Politik
Allerdings sei auch für die Nato-Staaten eine ukrainische Mitgliedschaft im Verteidigungsbündnis - langfristig gesehen - sinnvoll, sagt Claudia Major. Denn würde es Russland gelingen, die Ukraine zu erobern, und der Kreml dadurch ableiten, mit Krieg die eigenen Ziele erreichen zu können, sei "kein sicheres und stabiles Europa" möglich.
Deshalb ist eine stabile Ukraine, geschützt in der Nato, auch in unserem eigenen Sicherheitsinteresse.
Claudia Major, Stiftung Wissenschaft und Politik
Es brauche daher einen klaren Plan für eine mögliche zukünftige Nato-Mitgliedschaft der Ukraine - zwar gebe es grundsätzlich eine Zusage, allerdings liege der Beitritt noch in sehr weiter Ferne. Man solle das Land daher mit eindeutigen Schritten an die Nato heranführen, "aber auch klar machen, dass die ultimative Lebensversicherung Artikel 5" - der Bündnisfall - nur für Mitglieder gelte.
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Quelle: ZDF

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