: Öko-Test: Nur eine Margarine überzeugt

von Florence-Anne Kälble
16.11.2023 | 06:00 Uhr
Margarine hat den Ruf, ein guter Butter-Ersatz zu sein. Öko-Test hat das Streichfett unter die Lupe genommen: Nur eines der 18 getesteten Produkte schneidet mit "gut" ab.
Butter oder Margarine? Das ist Geschmackssache (Symbolbild).Quelle: dpa
Butter oder Margarine? Für viele ist das eine reine Frage des Geschmacks. Ob zum Braten, Backen oder einfach nur als Streichfett aufs Brot - Margarine wird gerne in deutschen Haushalten verwendet.
Öko-Test widmet sich in der November-Ausgabe dem industriell hergestellten Streichfett. Das Fazit? Ernüchternd. Von den 18 getesteten Produkten fällt die Hälfte durch den Test. Probleme gibt es viele: Mineralölbestandteile, teils ungünstige Fettzusammensetzungen und tropische Fette, darunter fast immer Palmöl. Gerade bei letzteren ist teilweise weder klar, woher sie genau stammen, noch unter welchen Bedingungen sie produziert wurden.

Mineralölbestandteile in allen getesteten Produkten

Alle getesteten Margarinen sind laut Öko-Test mehr oder weniger mit Mineralölbestandteilen verunreinigt. Die Bandbreite reicht dabei von "nur sehr geringe Spuren" bis "so stark, dass die Produkte als ungenügend bewertet werden".
Mineralölbestandteile können in zwei Hauptgruppen aufgeteilt werden: Die gesättigten Kohlenwasserstoffe MOSH/MOSH-Analoge und die aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe MOAH. Unter MOAH fallen die bedenklicheren, weil es innerhalb der Gruppe Verbindungen gibt, die Krebs erregen könnten. Bislang fehlen jedoch gesicherte Ergebnisse, wie und ob sich MOSH/MOSH-Analoge auf die Gesundheit auswirken können. Laut Öko-Test könne sich MOSH im Körper anreichern.

Was ist Margarine?

Margarine, auch Kunstbutter genannt, ist ein industriell hergestelltes Streichfett. Sie dient als Ersatz von Butter und Schmalz. Ernährungsphysiologisch enthält Margarine weniger gesättigte Fettsäuren und der Cholesteringehalt ist geringer ist als der von Butter.

Entstanden ist die Margarine, weil Napoleon III. 1869 ein haltbares Ersatzprodukt für Butter zur Verpflegung seiner Truppen suchte. Für die ersten Margarinen wurden Milch, Wasser, Nierenfett und Lab oder zerstoßenes Kuheuter vermischt.

Die erste rein pflanzliche Margarine wurde 1952 von der Firma Fauser / Vitaquell in Hamburg produziert. Sie wurde ohne chemische Zusätze und Hilfsmittel hergestellt.

Heute ist Margarine eine Emulsion aus pflanzlichen und/oder tierischen Fetten sowie Wasser oder Magermilch. Sie verfügt über einen Fettgehalt zwischen 39 und 90 Prozent. Die gelbliche Farbe entsteht durch die Zugabe von Beta-Carotin. Der Energiegehalt ist mit rund 3.000 Kilojoule je 100 Gramm etwa identisch mit dem von Butter.

Mineralölkohlenwasserstoffe in vier Margarinen nachgewiesen

In vier Margarinen hat das beauftragte Labor die besonders bedenklichen Mineralölkohlenwasserstoffe MOAH nachgewiesen. Drei Produkte überschritten dabei den Richtwert, den der Ständige Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel der EU-Kommission 2022 festgelegt hat. Entsprechend sollten laut den Öko-Test-Experten die Produkte, die ihn überschreiten, eigentlich vom Markt genommen werden, jedoch fehle es an einer rechtlichen Bindung dieses Werts.
Den höchsten Wert hatte das Labor in der Sana-Margarine gemessen - hier wurde der Richtwert am deutlichsten überschritten. Auch die Penny Pflanzen Margarine lag darüber. Beide Produkte wurden mit "ungenügend" bewertet.

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Test-Sieger kommt ohne Aromen aus

Da bei Margarine der Geschmack ein Kaufkriterium darstellt, setzen die Hersteller konventioneller Margarinen auf Aromen. Diese sollen den Geschmack nicht nur standardisieren, sondern auch aufpeppen, wenn die Qualität natürlicher Zutaten nicht ausreicht. Alnatura beweist als Test-Sieger mit der Gesamtnote "gut", dass es auch ohne Aromen geht: Die Alnatura Margarine Dreiviertelfett mit Raps- und Walnussöl hatte beispielsweise in der Sensorikprüfung mit "sehr gut" abgeschnitten.
Ein Drittel der getesteten Streichfette - sechs - sind mit "befriedigend" bewertet worden. Darunter auch die "ja Pflanzenmargarine" von Rewe.

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Palmöl in fast allen Margarinen enthalten

Fette, Öle und Wasser stellen die Hauptbestandteile von Margarine dar. Bei den Ölen wird vor allem auf Palmöl gesetzt. Nur ein Hersteller im Test verzichtete darauf. Palmöl ist durch massive Waldrodungen für den Anbau riesiger Monokulturen von Ölpalmen in Verruf geraten. Aber auch bei anderen tropischen Fetten wie Kokos- oder Sojaöl ist der Anbau mit ähnlichen Problemen verbunden.
Die Tester wollten deshalb wissen, welche Fette in den Margarinen stecken, woher sie stammen und ob die Hersteller Verantwortung für ihre Lieferketten übernehmen. Umfangreiche Fragebögen sind verschickt worden. Als einziger Anbieter hat Alnatura die gesamte Lieferkette bis zur Plantage nachgewiesen.
Ob jetzt beim nächsten Einkauf Butter oder Margarine im Korb landen, ist und bleibt eine Frage des persönlichen Geschmacks. Für den Einsatz in der Weihnachtsbäckerei eignen sich beide Streichfette.

Der Margarine-Test: Das Testverfahren

Getestet wurden 18 verschiedene Margarinen aus Supermärkten, Discountern und Bio-Märkten mit einem Fettgehalt von 60 Prozent aufwärts; darunter zwei Bios und eine palmölfreie. Gab es von einer Marke keine Margarine im Becher, ist eine gewählt worden, die in Folie eingeschlagen als Block angeboten wird. Die Produkte kosteten zwischen 1,49 Euro und 4,58 Euro pro 500 Gramm.

Im Labor wurde auf die Fettschadstoffe 3-MCPD und Glycidol, Transfettsäuren, Mineralölbestandteile und Weichmacher getestet. Zudem sind die Margarinen durch ein Pestizidscreening gelaufen und sind auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe ebenso überprüft worden wie per Deklaration auf Aromen oder auf andere Vitaminzusätze als Vitamin A und D. Eine Anreicherung mit diesen beiden fettlöslichen Vitaminen wird vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Streichfetten als sinnvoll toleriert. Daneben wurde die Fettzusammensetzung überprüft. Dabei orientierten sich die Tester bei der Bewertung an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Drei erfahrene Sensorikprüfer verkosteten die Margarinen und beurteilten Geruch, Geschmack, Konsistenz/Streichfähigkeit und Schmelz. Die Verpackungen sind auf PVC/PVDC/chlorierte Verbindungen geprüft worden. Weiterhin bat Öko-Test die Hersteller um Offenlegung ihrer Lieferketten und um Belege, an welcher Stelle sie für Probleme in der Lieferkette Verantwortung übernehmen. Mit der Control Union Certifications Germany wurde hierzu ein umfangreicher Fragebogen entwickelt.

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