FAQ

: Credit Suisse am Abgrund - wer ist schuld?

19.03.2023 | 22:09 Uhr
Der Schweizer Staat muss die Großbank Credit Suisse retten. Jahrelang haben ihre Banker riskant gezockt und Milliarden verdient. Haben Behörden wieder zu lange weggesehen?
Es ist ein gewaltiges Beben in der europäischen Bankenszene. Die Übernahme der strauchelnden Schweizer Bank Credit Suisse (CS) durch ihre kleinere Konkurrentin UBS soll Ruhe in die nervösen Finanzmärkte bringen.

Warum taumelt die Credit Suisse?

Die über 160 Jahre alte Credit Suisse hat sich mit jahrelangem Missmanagement und Risikogeschäften selbst ins Abseits manövriert. Da war die bulgarische Mafia, die 2004 bis 2007 laut Staatsanwaltschaft ungestört Geldwäsche über CS-Konten abwickelte. Da waren 2013 die windigen Geschäfte einer britischen CS-Tochter in Mosambik, wo bei Krediten an Staatsfirmen Millionen verschwanden.
Dann gab es zwischen 2016 und 2019 die Bespitzelung eigener Kaderleute. Und die Bank war jüngst bei den Risikogeschäften des Hedgefonds Archegos und der Greensill-Fonds dabei und verlor bei deren Zusammenbruch Millionen. Das Vertrauen in die Credit Suisse war also schon angeschlagen, der jüngste Zusammenbruch der Silicon Valley Bank und die Angst vor einer möglichen weltweiten Bankenkrise hat sie noch tiefer in den Abwärtsstrudel gerissen.

Warum hat das Management versagt?

Der Schweizer "Tages-Anzeiger" macht eine "Abzocker-Mentalität" in den Führungsetagen der Bank als einen Grund aus. Die Zeitung hat aus den Geschäftsberichten errechnet, dass die Bank seit 2013 zwar kumuliert 3,2 Milliarden Franken Verlust machte, die Top-Manager aber im selben Zeitraum 32 Milliarden Franken (32,2 Milliarden Euro) an Boni einsteckten.

Hätten Behörden nicht früher intervenieren müssen?

Für den Banken-Fachportal "Inside Paradeplatz" haben die Schweizer Nationalbank, die Finanzaufsicht und die Regierung versagt.
Seit Herbst ist klar: Die CS wankt. Bundesrat und Nationalbank schauten zu, jetzt lassen sie die Bürger zahlen.
Kommentar im Banken-Fachmedium "Inside Paradeplatz"
Aufsichtsbehörden hätten der Bank spätestens seit Herbst, als Zweifel an einer Zukunft der Credit Suisse lauter wurden, kritische Fragen stellen müssen, schrieb "Inside-Paradeplatz"-Herausgeber Lukas Hässig am Sonntag. Dann hätte das Ruder noch herumgerissen werden können. Das passierte nicht. Man "schaute monatelang tatenlos zu, wie die CS-Titanic mit voller Fahrt auf den Eisberg zuraste".

Wie wichtig ist die Credit Suisse?

Die CS gehört - wie die Deutsche Bank - zu den 30 systemrelevanten Banken der Welt. Diese Einordnung stammt vom internationalen Finanzstabilitätsrat, der das internationale Finanzsystem überwacht. Diese Banken sind international vernetzt, weshalb ihr Scheitern andere mitreißen könnte. Sie unterliegen besonderen Sicherheitsauflagen.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) stellte der CS Kredite bis zu 50 Milliarden Franken zur Verfügung, um die Bank zu stützen. Dennoch laufen aktuell Gespräche über eine mögliche Übernahme der CS durch ihren großen Rivalen UBS. Der CS-Börsenwert sackte innerhalb eines Jahres um zwei Drittel auf gut 7,4 Milliarden Euro ab, der ihres großen Rivalen UBS ist aktuell fast acht mal größer.

Ist die Welt besser gewappnet als in der letzten Finanzkrise?

Im Sommer 2007 stiegen die Zinsen für Interbankfinanzkredite im US-Immobilienmarkt sprunghaft an. Es war klar geworden, dass Hypotheken für wenig solvente Kunden massenhaft platzen würden. Die Banken vertrauten sich gegenseitig nicht mehr. Im September 2008 brach die US-Großbank Lehman Brothers zusammen, zahlreiche Bankhäuser mussten mit Milliardenkrediten gestützt werden.
Seit dieser Weltfinanzkrise wurden Regularien verschärft. So müssen Banken inzwischen deutlich mehr Eigenkapital vorweisen, mit dem sie in Krisen Verluste abpuffern können. Zudem werden seit 2016 in Europa im Fall der Schieflage eines Instituts zunächst Eigentümer und Gläubiger zur Kasse gebeten. Erst als letztes Mittel geht es an Einlagen von Sparern sowie Gelder aus einem von den Banken finanzierten Krisenfonds. Darin waren zuletzt rund 66 Milliarden Euro.

Wie sind die Ersparnisse bei Banken und Sparkassen abgesichert?

Die Spareinlagen von Kunden sind in Deutschland im Fall einer Bankenpleite bis zu 100.000 Euro pro Person gesetzlich geschützt. Darüber hinaus sichern fast alle Kreditinstitute weit über das gesetzliche Maß hinaus Kundengelder freiwillig ab.
Quelle: Christiane Oelrich und Friederike Marx, dpa

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