: Impfgeschädigte fühlen sich im Stich gelassen

von Susana Santina
04.12.2022 | 12:25 Uhr
Schwere Nebenwirkungen oder Impfschäden der Covid-Impfung treten meist kurze Zeit später auf. Viele Betroffene leiden bis heute. Und wünschen sich bessere medizinische Betreuung.
Wir trafen Felicia Binger das erste Mal vor etwa einem Jahr in der Uniklinik Marburg, als sie ihren ersten Termin in der Spezialambulanz für mutmaßlich Covid-Impfgeschädigte hatte. Die junge Schauspielerin war verzweifelt, weil sie nach der Impfung viele schwere Symptome entwickelt hatte und sich von Ärzten bislang nicht gut behandelt fühlte.
Mir hat noch nie jemand so zugehört und mich so ernst genommen wie jetzt. Das ist eine große Erleichterung.
Felicia Binger, Schauspielerin mit Impfschäden

Auf Schadensersatz wegen Impfschädigung geklagt

Jetzt haben wir Felicia Binger wieder getroffen. Sie erzählt uns, dass es ihr nicht besser gehe. Sie könne kaum noch arbeiten, habe ständig Schmerzen und vertrage viele Lebensmittel nicht mehr: "22, 20 Stunden des Tages sieht man mich draußen nicht, ich liege im Bett, es geht mir einfach zu schlecht. Auch schlafen kann ich nicht."
Ich habe unter anderem Brennen am ganzen Körper, was von den Gefäßentzündungen kommt, Nervenstechen und viele neurologische Probleme.
Felicia Binger
"Ich habe nach der Impfung Auto-Antikörper entwickelt, die in meinem Blut nachgewiesen wurden", erzählt sie weiter.
Also Antikörper, die sich gegen ihr körpereigenes, gesundes Gewebe richten. Binger hat einen Anwalt eingeschaltet und den Impfhersteller Biontech auf Schadensersatz und Schmerzensgeld verklagt. Dafür hat sie schon viel Geld gezahlt, genauso wie für ihre Behandlungskosten.

PEI: Verdachtsfälle bei 0,03 Prozent

Wie viele Menschen von schweren Covid-Impfnebenwirkungen betroffen sind, ist nicht eindeutig klar. Das Paul-Ehrlich-Institut erfasst nach eigenen Angaben "Verdachtsfälle von Impfnebenwirkungen und Impfkomplikationen nach Impfung mit den zugelassenen COVID-19-Impfstoffen".
Derzeit umfasse der Bericht den Zeitraum seit Beginn der Impfkampagne am 27.12.2020 bis Ende Juni 2022. "Für den Verdacht auf schwerwiegende Reaktion" gebe es eine Melderate von 0,03 Prozent.

Junge Frauen besonders von Impfnebenwirkungen betroffen

Dass gerade eine Frau wie Felicia Binger unter schweren Impfnebenwirkungen leidet, überrascht Professor Bernhard Schieffer von der Uniklinik Marburg nicht:
Was wir immer wieder sehen, dass ein bestimmter Typus an Patient besonders empfänglich ist. Das sind die schlanken, sehr sportlichen jungen Frauen.
Bernhard Schieffer, Uniklinik Marburg
"Was wir auch sehen ist, dass eine hohe Assoziation besteht zu chronischen, entzündlichen Darmerkrankungen, Rheuma und Lungenerkrankungen. Und viele Symptome im neurologischen und im Gefäßbereich."
Dass massive Gefäßentzündungen eine Nebenwirkung der Covid-Impfung sein kann, hat auch Dr. Beate Jäger aus Mühlheim an der Ruhr festgestellt. Die Internistin bietet in ihrer Praxis sowohl für Long Covid-Patienten als auch für mutmaßlich Impfgeschädigte eine sogenannte Help-Apherese an - also eine Blutreinigung basierend auf einem Anti-Thrombose-Mittel.

Impfgeschädigte bleiben häufig auf den Behandlungskosten sitzen

Die Erfolge gäben ihr recht, sagt sie. Und sie würde sich mehr Unterstützung wünschen: "Ich kann nicht millionenteure Studien machen. Ich habe versucht, die Diagnostik aufzustocken, nachdem ich festgestellt habe, dass oft ein massives Gerinnungsproblem eine Rolle spielt".
Es bräuchte mehr breitangelegte Studien, damit solche Therapien wie die Help-Apherese, die "bei acht von zehn Patienten erfolgreich" sei, schließlich auch von den Krankenkasse bezahlt würden. Im Moment bleiben viele mutmaßlich Impfgeschädigte auf ihren hohen Behandlungskosten sitzen. Auch wenn mehr und mehr Krankenkassen die Behandlungskosten übernehmen würden.

Oberarzt Dr. Robin Stier klärt über Behandlungsmöglichkeiten von Long-Covid bei jungen Menschen auf.

13.04.2022 | 12:27 min

Blutreinigung als Therapie gegen Impfschäden

Als Felicia Binger merkte, dass ihr keine Medikamente richtig helfen konnten, entschied sie sich für eine sogenannte Immunadsorption, also eine Blutreinigung, bei der ihre zerstörerischen Auto-Antikörper aus dem Blut gefiltert werden.
Rund 2.500 Euro kostet jede Behandlung, fünf hätte Felicia Binger machen sollen. Aber sie musste sie unterbrechen, weil sie allergisch auf ein notwendiges Medikament reagiert hat. Das sei einfach Pech gewesen, sagt sie. Generell wünscht sich Felicia Binger mehr breit angelegte Studien, um mutmaßlich Impfgeschädigten zu helfen.

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