Wo neue Corona-Verschärfungen drohen

von Simon Haas
27.07.2020 | 12:50 Uhr
Ob Corona-Maßnahmen gelockert oder verschärft werden, hängt von der Zahl der Neuinfektionen ab. Eine Live-Karte zeigt, ob die Obergrenze in Ihrer Region eingehalten wird.
In Deutschland kehrt der Alltag zurück, schrittweise. Gleichzeitig drohen in Regionen, die eine Obergrenze von 50 aktuellen Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner überschreiten, neue Verschärfungen. Bayern hat den Grenzwert inzwischen auf 35 Neuinfektionen herabgesetzt, Berlin auf 30. Andere Bundesländer haben ihre Frühwarnsysteme ebenfalls angepasst. Aktuell sind folgende Kreise und Städte betroffen:
Reißt eine Stadt oder ein Kreis die bundesweit gültige Obergrenze von 50 Neuinfektionen, treten neue Corona-Maßnahmen allerdings nicht automatisch in der gesamten Region in Kraft. Dazu müssen die Länder den Bund zunächst um Hilfe bitten. Sollte sich das Infektionsgeschehen klar eingrenzen lassen, können die Behörden vor Ort auch selbst aktiv werden. Für die freiwilligen Obergrenzen der Länder gelten wiederum andere Regeln.
Gütersloh und der Nachbarkreis Warendorf in Nordrhein-Westfalen sind bislang die einzigen Regionen, in denen nach den Lockerungen erneut generelle Corona-Beschränkungen eingeführt wurden. In Gütersloh hatten sich mehr als 1.500 Mitarbeiter eines Schlachthofs mit dem Coronavirus infiziert.
Wie die Lage in den anderen Regionen ist, zeigen aktuelle Daten der Firma Risklayer:

ZDFheute zeigt Entwicklungen früher

Zusammen mit Mitarbeitern des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sammelt Risklayer mehrmals täglich Zahlen direkt aus Veröffentlichungen der Gesundheitsämter der Städte und Kreise.
Um schnell auf einen regionalen Corona-Ausbruch reagieren zu können, sind diese Daten besser geeignet als jene des Robert Koch-Instituts (RKI). Wegen einer langen Meldekette hinkt das RKI dem Infektionsgeschehen in der Regel um mehrere Tage hinterher.

Darum gibt es die Obergrenze

Hintergrund der Obergrenze ist ein Kompromiss vom 6. Mai zwischen Bund und Ländern. Künftig dürfen diese selbst über weitreichende Lockerungen entscheiden, zum Beispiel über die Wiedereröffnung von Restaurants, Clubs, Kinos und Hotels.
Im Gegenzug verpflichten sich die Bundesländer, notfalls mit regionalen Verschärfungen zu reagieren: Sobald die Summe der bekannten Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage die Obergrenze von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner in einem Landkreis oder in einer Stadt überschreitet, wollen die Landesregierungen vor Ort wieder härter durchgreifen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte ursprünglich eine weit strengere Obergrenze von 35 Neuinfektionen ins Spiel gebracht. Inzwischen gilt diese in vielen Bundesländern.

Kaum neue Infektionen

Ende Juni lag die Summe der aktuellen Neuinfektionen in den 400 deutschen Kreisen und Städten im Schnitt bei rund drei Fällen. In gut 130 Regionen wurde keine einzige mehr nachgewiesen.

Sind die Daten zur Obergrenze immer aktuell?

Das ZDF greift bei den täglichen Neuinfektionen auf die Daten der Karlsruher Firma Risklayer zurück. Diese werden täglich gegen 3 Uhr aktualisiert. Risklayer bezieht die Daten aus den Veröffentlichungen der Gesundheitsämter der Kreise und Städte, diese wiederum erhalten Meldungen über neue Corona-Infektionen direkt von den Ärzten und Laboren. Dadurch sind die Risklayer-Zahlen immer aktueller als jene der Bundesbehörde RKI.
Doch auch die Risklayer-Zahlen können vom aktuellen Infektionsgeschehen überholt werden. Zum Beispiel, wenn Zahlen zu neuen Infektionsherden im Tagesverlauf vermeldet oder verzögert auf den Webseiten der Gesundheitsämter veröffentlicht werden.

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