Wo neue Corona-Verschärfungen drohen

von Simon Haas
17.01.2021 | 05:33 Uhr
Ob Corona-Maßnahmen gelockert oder verschärft werden, hängt auch von der sogenannten Sieben-Tage-Inzidenz ab. Eine Karte zeigt, ob die Obergrenze in Ihrer Region eingehalten wird.
Inzwischen ist der Großteil der deutschen Kreise und Städte Corona-Risikogebiet.
Folgende Karte zeigt, welche Regionen die Obergrenze von 35, 50 und 200 aktuellen Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner überschreiten. Die Daten werden laufend automatisch aktualisiert.
Für die Dauer des Shutdowns seit dem 16. Dezember gelten zwar viele Regeln zur Obergrenze im gesamten Bundesgebiet in verschärfter Form. Restaurants und Kneipen zum Beispiel müssen unabhängig von der regionalen Obergrenze schließen. Einige Regeln gelten aber nur in Corona-Hotspots, etwa die verschärfte Maskenpflicht sowie Einschränkungen der Bewegungsfreiheit.
Meldet eine Stadt oder ein Kreis in sieben Tagen insgesamt mehr als 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, gilt dort seit Mitte Oktober:
  • bei privaten Feiern: Maximal 25 Menschen dürfen bei Feiern im öffentlichen Raum, maximal 15 Menschen im privaten Raum zusammenkommen
  • eine erweiterte Maskenpflicht nicht nur in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln, sondern überall dort, wo Menschen "dichter beziehungsweise länger zusammenkommen"
  • eine Sperrstunde für Restaurants und Kneipen; die Sperrzeiten können die Behörden vor Ort selbst regeln
Bei mehr als 50 neuen Corona-Infektionen pro 100.000 Einwohner gelten:
  • Kontaktbeschränkungen: Maximal zehn Personen dürfen sich im öffentlichen Raum treffen; steigen die Infektionszahlen weiter: höchstens fünf Personen oder die Angehörigen von maximal zwei Hausständen
  • bei privaten Feiern: Maximal zehn Menschen dürfen bei Feiern im öffentlichen Raum, maximal zehn Menschen aus höchstens zwei Hausständen im privaten Raum zusammenkommen
  • bei sonstigen Veranstaltungen: Die Zahl der Teilnehmer soll auf 100 Personen begrenzt werden, Ausnahmen muss das zuständige Gesundheitsamt genehmigen
  • eine verbindliche Sperrstunde für Restaurants und Kneipen sowie ein Verkaufsverbot für Alkohol ab 23 Uhr
  • eine nochmals verschärfte Maskenpflicht
Bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 200 gilt seit Ende November außerdem:
  • Schulen sollen ab Klassenstufe acht zusätzliche Maßnahmen umsetzen, zum Beispiel den sogenannten Wechselunterricht, bei dem eine Klassenhälfte vor Ort ist, während die andere per Videokonferenz zugeschaltet wird
  • Seit dem 10. Januar gilt in Hotspot-Regionen außerdem ein eingeschränkter Bewegungsradius von 15 Kilometern um den Wohnort
Darauf hatten sich Bund und Länder verständigt. Die beschlossenen Regeln werden von jedem Bundesland in entsprechenden Verordnungen festgelegt. In Bayern beispielsweise gelten strengere Regeln als in vielen anderen Ländern.
Wie die Lage in den einzelnen Regionen ist, zeigen aktuelle Daten der Firma Risklayer:

ZDFheute zeigt Entwicklungen früher

Zusammen mit Mitarbeitern des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sammelt Risklayer mehrmals täglich Zahlen direkt aus Veröffentlichungen der Gesundheitsämter der Städte und Kreise.
Um schnell auf einen regionalen Corona-Ausbruch reagieren zu können, sind diese Daten besser geeignet als jene der Landesgesundheitsämter und des Robert-Koch-Instituts (RKI). Wegen einer langen Meldekette hinken Landes- und Bundesbehörden dem Infektionsgeschehen in der Regel um mehrere Tage hinterher. Welche Daten für regionale Corona-Maßnahmen ausschlaggebend sind, ist von Land zu Land verschieden.

Darum gibt es die Obergrenze

Die alte Obergrenze von 50 aktuellen Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner war Anfang Mai von Bund und Ländern beschlossen worden. Diese durften anschließend selbst über weitreichende Lockerungen entscheiden, zum Beispiel über die Wiedereröffnung von Restaurants, Clubs, Kinos und Hotels.
Im Gegenzug verpflichteten sich die Bundesländer im Mai, notfalls mit regionalen Verschärfungen zu reagieren: Sobald die Summe der bekannten Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage die Obergrenze in einem Kreis oder in einer Stadt überschreitet, sollen die Landesregierungen vor Ort wieder härter durchgreifen. Als die Infektionszahlen im Herbst wieder gestiegen waren, wurden die Regelungen bei einem weiteren Corona-Gipfel im Kanzleramt Mitte Oktober noch einmal verschärft. Im Januar wurden weitere Verschärfungen für Hotspot-Regionen beschlossen.

Sind die Daten zur Obergrenze immer aktuell?

ZDFheute greift bei den täglichen Neuinfektionen auf die Daten der Karlsruher Firma Risklayer zurück. Diese werden laufend aktualisiert. Risklayer bezieht die Daten aus den Veröffentlichungen der Gesundheitsämter der Kreise und Städte, diese wiederum erhalten Meldungen über neue Corona-Infektionen direkt von den Ärzten und Laboren. Dadurch sind die Risklayer-Zahlen in der Regel aktueller als jene der Bundesbehörde RKI sowie der Landesgesundheitsämter. Wegen des komplizierten Meldesystems liefert insbesondere das RKI für viele Regionen ein unvollständiges und damit verzerrtes Bild vom Infektionsgeschehen. Doch auch die Risklayer-Zahlen können vom aktuellen Infektionsgeschehen überholt werden. Zum Beispiel, wenn Zahlen nicht oder verzögert auf den Webseiten der Gesundheitsämter veröffentlicht werden.

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