Wo neue Corona-Verschärfungen drohen

von Simon Haas
24.10.2020 | 21:20 Uhr
Ob Corona-Maßnahmen gelockert oder verschärft werden, hängt von der Zahl der Neuinfektionen ab. Eine aktuelle Karte zeigt, ob die Obergrenze in Ihrer Region eingehalten wird.
Immer mehr Regionen überschreiten die bundesweit gültige Obergrenze von 50 aktuellen Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner - mittlerweile liegt auch der Gesamtwert für Deutschland über dieser Grenze. 250 Landkreise weisen eine 7-Tage-Inzidenz von über 50 auf, 72 Regionen von über 100 (Stand 24.10. 21:20 Uhr). Folgende Regionen sind derzeit betroffen:
Bund und Länder haben sich Mitte Oktober auf neue Regeln geeinigt. Meldet eine Stadt oder ein Kreis in sieben Tagen insgesamt mehr als 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gilt dort künftig:
  • bei privaten Feiern: Maximal 25 Menschen dürfen bei Feiern im öffentlichen Raum, maximal 15 Menschen im privaten Raum zusammenkommen
  • eine erweiterte Maskenpflicht nicht nur in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln, sondern überall dort, wo Menschen dichter beziehungsweise länger zusammenkommen
  • eine Sperrstunde für Restaurants und Kneipen; die Sperrzeiten können die Behörden vor Ort selbst regeln
Bei mehr als 50 neuen Corona-Infektionen pro 100.000 Einwohner gelten:
  • Kontaktbeschränkungen: Maximal zehn Personen dürfen sich im öffentlichen Raum treffen; steigen die Infektionszahlen weiter: höchstens fünf Personen oder die Angehörigen von maximal zwei Hausständen
  • bei privaten Feiern: Maximal zehn Menschen dürfen bei Feiern im öffentlichen Raum, maximal zehn Menschen aus höchstens zwei Hausständen im privaten Raum zusammenkommen
  • bei sonstigen Veranstaltungen: Die Zahl der Teilnehmer soll auf 100 Personen begrenzt werden, Ausnahmen muss das zuständige Gesundheitsamt genehmigen
  • eine verbindliche Sperrstunde für Restaurants und Kneipen sowie ein Verkaufsverbot für Alkohol ab 23 Uhr
  • eine nochmals verschärfte Maskenpflicht
Eine Entscheidung über ein generelles Beherbergungsverbot für Urlauber aus innerdeutschen Risikogebieten vertagten Bund und Länder in ihren Beschlüssen auf den 8. November. Bis dahin können die Bundesländer selbst darüber entscheiden.
Reißt eine Stadt oder ein Kreis die bundesweit gültige Obergrenze, treten die genannten sowie mögliche weitere Corona-Maßnahmen allerdings nicht automatisch in Kraft. Die beschlossenen Regeln werden von jedem Bundesland in entsprechenden Verordnungen festgelegt. Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Sachsen hatten bereits in Protokollerklärungen zu den Beschlüssen Vorbehalte gegen die Regeln zu Feiern festgehalten.
Wie die Lage in den einzelnen Regionen ist, zeigen aktuelle Daten der Firma Risklayer:

ZDFheute zeigt Entwicklungen früher

Zusammen mit Mitarbeitern des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sammelt Risklayer mehrmals täglich Zahlen direkt aus Veröffentlichungen der Gesundheitsämter der Städte und Kreise.
Um schnell auf einen regionalen Corona-Ausbruch reagieren zu können, sind diese Daten besser geeignet als jene der Landesgesundheitsämter und des Robert-Koch-Instituts (RKI). Wegen einer langen Meldekette hinken Landes- und Bundesbehörden dem Infektionsgeschehen in der Regel um mehrere Tage hinterher. Ausschlaggebend für regionale Corona-Maßnahmen sind die Daten von Risklayer jedoch nicht.

Darum gibt es die Obergrenze

Die alte Obergrenze von 50 aktuellen Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner war Anfang Mai von Bund und Ländern beschlossen worden. Diese durften anschließend selbst über weitreichende Lockerungen entscheiden, zum Beispiel über die Wiedereröffnung von Restaurants, Clubs, Kinos und Hotels.
Im Gegenzug verpflichteten sich die Bundesländer im Mai, notfalls mit regionalen Verschärfungen zu reagieren: Sobald die Summe der bekannten Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage die Obergrenze in einem Kreis oder in einer Stadt überschreitet, sollen die Landesregierungen vor Ort wieder härter durchgreifen. Als die Infektionszahlen im Herbst wieder gestiegen waren, wurden die Regelungen bei einem weiteren Corona-Gipfel im Kanzleramt Mitte Oktober noch einmal verschärft.

Sind die Daten zur Obergrenze immer aktuell?

Das ZDF greift bei den täglichen Neuinfektionen auf die Daten der Karlsruher Firma Risklayer zurück. Diese werden laufend aktualisiert. Risklayer bezieht die Daten aus den Veröffentlichungen der Gesundheitsämter der Kreise und Städte, diese wiederum erhalten Meldungen über neue Corona-Infektionen direkt von den Ärzten und Laboren. Dadurch sind die Risklayer-Zahlen immer aktueller als jene der Bundesbehörde RKI. Doch auch die Risklayer-Zahlen können vom aktuellen Infektionsgeschehen überholt werden. Zum Beispiel, wenn Zahlen zu neuen Infektionsherden nicht oder verzögert auf den Webseiten der Gesundheitsämter veröffentlicht werden.

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