: Moskau: Friedensdemo endet mit Festnahmen

03.02.2024 | 17:35 Uhr
Auch in Russland regt sich Widerstand gegen den Ukraine-Krieg. Bei Protesten von Familien zwangsrekrutierter Soldaten sind in Moskau wohl Dutzende Menschen festgenommen worden.

In Moskau haben Ehefrauen von Soldaten für die Rückholung ihrer Männer aus dem Ukraine-Krieg demonstriert. Bei der Aktion sollen mindestens 27 Menschen festgenommen worden sein.

03.02.2024 | 00:22 min
Der Kreml führt Krieg gegen die Ukraine. Nun rührt sich Widerstand - auch bei den Angehörigen der Soldaten selbst. In Moskau haben sie am Grab des unbekannten Soldaten protestiert. Dabei hat die Polizei - Medien zufolge - Dutzende Menschen festgenommen. 27 Personen, die auf dem Manege-Platz vor dem Kreml abgeführt wurden, seien in das nächstgelegene Polizeirevier überstellt worden, berichtete das unabhängige Internetportal Sota.
Unter den Festgenommenen sind demnach vor allem Männer, es sollen auch ausländische Journalisten darunter sein.

Auch in Russland gibt es Kritik am Krieg gegen die Ukraine. Wir haben eine Soldatenfrau getroffen, die um das Leben ihres Mannes fürchtet.

14.12.2023 | 06:23 min
Auch ein AFP-Videoreporter war - so berichtet seine Agentur - mit etwa 20 weiteren russischen und ausländischen Journalisten in einen Polizeiwagen gezwungen worden. Dieser Wagen sei offenbar unterwegs zu einem Polizeirevier, berichtete der Videojournalist aus dem fahrenden Fahrzeug heraus. Auf Videoaufnahmen war zu sehen, wie die Polizei die Journalisten, die gelbe Westen mit der Aufschrift "Presse" trugen, in Polizeiwagen brachte. Später kamen die Journalisten wieder frei.
Dem AFP-Journalisten zufolge hatten an dem Protest rund 40 Menschen teilgenommen. Ein von den Protestteilnehmerinnen online veröffentlichter Livestream zeigte die Frauen, wie sie gemeinsam durch das Zentrum Moskaus zogen.
Wir sind hier als die Frauen, die ihre Männer brauchen,
Eine Teilnehmerin des Protestzuges
sagte eine der Frauen in dem Livestream. Die Frauen würden "kreativ werden", sollten die Behörden versuchen, ihren Protest niederzuschlagen. Aufgerufen zu der Protestaktion hatte die Bewegung "Putj domoi" ("Weg nach Hause"), die von Ehefrauen mobilgemachter Russen ins Leben gerufen wurde.

500. Jahrestag der Teilmobilmachung

Zum 500. Tag der Mobilmachung für den von Kremlchef Wladimir Putin befohlenen Krieg gegen die Ukraine hatten die Angehörigen an der Kremlmauer am Grab des unbekannten Soldaten Blumen niedergelegt. Mit dem friedlichen Protest wollen sie die Rückholung ihrer Männer von der Front und den Verzicht auf eine weitere Mobilmachung erzwingen.
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Während für den Krieg rekrutierte Straftäter inzwischen auf freiem Fuß und wieder in Russland seien, werde den Mobilisierten die Rückkehr nicht erlaubt, klagten sie. Bei der Veranstaltung sprachen sich die Aktivistinnen für einen schnellstmöglichen Frieden aus.
In Russland gibt es seit einigen Wochen Demonstrationen von Angehörigen von in der Ukraine kämpfenden Soldaten. Unter anderem versammeln sich regelmäßig Ehefrauen an der Mauer des Kremls auf dem Roten Platz und legen Blumen am Grab des unbekannten Soldaten nieder.

Wut der Angehörigen von Reservisten wächst

Der russische Präsident hatte nach Kriegsbeginn den eigenen Landsleuten versprochen, dass nur Freiwillige in das Nachbarland zum Kämpfen geschickt würden. Im Herbst 2022, nach einer Reihe von Niederlagen, rief er - entgegen seinem Versprechen - eine Teilmobilmachung für 300.000 Mann aus.
Während die Behörden seit Beginn der russischen  Offensive verstärkt gegen Andersdenkende vorgehen, schritt die Polizei bei den Protesten der Frauen bislang nicht ein. Die Initiative ist für die Behörden äußerst heikel - offenbar wollen sie weitere Unruhe durch eine Festnahme von Frauen vermeiden.

Auch wer in der Ukraine nicht an der Front kämpft, versucht zu helfen. Viele Menschen sammeln Geld, warme Kleidung oder Erste-Hilfe-Utensilien.

03.02.2024 | 01:36 min
Die russischen Staatsmedien haben den Protest der Frauen bisher weitgehend ignoriert, da der Kreml im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im März, bei denen Putin eine weitere Amtszeit anstrebt, ein Bild der nationalen Einheit vermitteln möchte.
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Quelle: AFP, dpa

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