: Stark-Watzinger rudert bei Kernfusion zurück

von Pierre Winkler
29.06.2023 | 23:00 Uhr
Wann werden Wohnzimmer mit grünem Wasserstoff beheizt? Forschungsministerin Stark-Watzinger legt sich da nicht fest. Auch zu Kernfusion ist sie zurückhaltend - anders als früher.

Zur Bedeutung von Wasserstoff für die Wärmeversorgung der Zukunft u. die "Schlüsseltechnologie" KI sowie über Zukunftstechnologien und den Forschungs- u. Entwicklungsstandort Deutschland

29.06.2023 | 75:17 min
Heizen mit grünem Wasserstoff: Darum drehte sich in der Ampel-Koalition viel beim internen Streit ums Gebäudeenergiegesetz. Die FDP machte sich immer wieder stark für diese Option. "Wir wissen, dass wir den Wasserstoff brauchen, um unseren Industriestandort und unsere Energieversorgung zu sichern", sagte die liberale Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger darum am Donnerstagabend bei Markus Lanz.
Aber wann genau können Menschen mit der neuen Technologie loslegen, die sich jetzt eine sogenannte H2-ready-Heizung kaufen? "Ich kann Ihnen heute keine genaue Zahl sagen, aber es wird kommen", gab Stark-Watzinger zu.
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FDP-Ministerium skeptisch bei Wasserstoffheizungen

"Das ist eine Frage, wann die Netze ausgebaut sind und es ist die Frage, wie schnell wir Angebot und Nachfrage zusammenbekommen", erklärte die FDP-Politikerin. "Wir wissen, dass die Wasserstoff-Technologie funktioniert. [Wir wissen,] wie schnell wir jetzt den Hochlauf hinbekommen, weil wir die letzten Forschungsfragen klären müssen. Also: Wie werden wir effizienter? Wie bekommen wir Elektrolyseure in die Serienfertigung? Wie bauen wir die Netze? Das ist alles jetzt in der Planung."
Auf der Webseite von Stark-Watzingers Ministerium sind Informationen zur nationalen Wasserstoffstrategie zusammengefasst. Dort steht unter anderem: "Wie und in welchem Umfang Wasserstoff in der Wärmeversorgung eingesetzt werden sollte, ist allerdings noch umstritten. Laut dem Kopernikus-Projekt Ariadne gibt es vor allem im Wärmesektor - zumindest was Gebäudewärme betrifft - bereits heute effizientere Alternativen zum Einsatz von Wasserstoff."
"Ariadne" ist eines der Forschungsprojekte des Bundesforschungsministeriums und soll herausfinden, wie die Bundesrepublik ihre Klimaschutzziele am besten einhalten kann.

Stark-Watzinger: Zukunft unklar, darum Option offenhalten

Stark-Watzinger entgegnete auf diese Bedenken ihrer eigenen Leute, sie wisse nicht, "was in fünf Jahren genau ist". Eines sei aber klar im Hinblick auf den Wasserstoff: "Diese Option auszuschließen, wäre der falsche Weg. Warum mache ich eine Tür zu ohne Notwendigkeit?"
Die Journalistin und Wirtschaftsexpertin Sonja Álvarez zeigte sich skeptisch: "Ich finde, dass die FDP hier tatsächlich eine komplette Irreführung der Wählerinnen und Wähler betreibt, mit diesem Begriff 'Wasserstoff-ready'. Denn unter diesem vermeintlichen Begriff der Technologieoffenheit wird jetzt suggeriert, man könne sich Gasheizungen einbauen und die werden dann irgendwann vielleicht von Zauberkraft Wasserstoff-ready sein und dann kommt dieser Wasserstoff."
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Für wen ist Wasserstoff-ready-Heizung sinnvoll?

Stark-Watzinger verteidigte sich: "'Irreführung' finde ich jetzt schon einen sehr harten Begriff." Im Gebäudeenergiegesetz stehe nicht, man müsse eine Wasserstoff-ready-Heizung einbauen, sondern anhand der kommunalen Wärmeplanung entscheiden, was das Beste sei.
Eine weitere Technologie, die der FDP sehr wichtig ist: Kernfusion. Noch im Dezember hatte Stark-Watzinger im heute journal auf die Frage geantwortet, wann das erste deutsche Fusionskraftwerk ans Netz gehe: "Die Ambitionen dürfen da nicht zu klein sein. Ich sage zehn Jahre. Es kann auch etwas länger sein, aber wir müssen uns die Ambitionen ja setzen." Jetzt klang sie schon zurückhaltender:
Nein, die Energie wird nicht morgen zur Verfügung stehen.
Bettina Stark-Watzinger, Bundesforschungsministerin
In zehn Jahren stehe "vielleicht ein erster Demonstrator in Deutschland". Die Ministerin weiter: "Ob ich das jetzt in der Flächenversorgung noch erlebe, das weiß ich nicht. Aber darum geht es auch nicht. Sondern es geht darum, die Chancen für die Zukunft weiter auszubauen."

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