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: Wie es um unsere Gasversorgung steht

von H. Koberstein, N. Niedermeier, M. Zajonz
17.08.2022 | 10:11 Uhr
Geht Deutschland im kommenden Winter das Gas aus? Wie voll sind die Gasspeicher? Kommt noch Gas aus Russland? Zahlen zur Gasversorgung in Deutschland in interaktiven Grafiken.
An diesen Orten wird in Deutschland Gas gespeichert.Quelle: ZDF/dpa
Die Lage ist ernst. Erstmals könnte in Deutschland ausgerechnet in einem Winter das Gas knapp werden. Deshalb startet Deutschland einen Wettlauf gegen die Zeit. Die Gaslieferungen werden von Russland bereits deutlich eingeschränkt. Wenn der Winter besonders kalt wird, bricht im schlimmsten Fall die Gasversorgung in Teilen Deutschlands zusammen. Dann müssen Industriebetriebe ihre Produktion einstellen und womöglich Wohnungen ohne Heizung auskommen.

So voll sind derzeit unsere Gasspeicher

Um Gas-Knappheit zu verhindern, müssen die deutschen Gasspeicher für den kommenden Winter aufgefüllt sein. Wären alle Speicher voll, würde dass einer Leistung von 255 Terawattstunden entsprechen. Genug um mehr als ein Viertel des deutschen Jahresverbrauchs an Gas zu decken. Mit gut gefüllten Speichern könnte sich Deutschland über den Winter retten, sollte Putin den Gashahn zudrehen. Wie gesichert unsere Gasversorgung ist, hängt also maßgeblich daran, wie schnell Deutschland es schaffen wird die Speicher zu füllen.
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Um die Befüllung der Speicher sicherzustellen hat das Bundeswirtschaftsministerium die Ziele Ende Juli nochmal angehoben: Die Speicher müssen bis zum 1. September zu 75 Prozent, zum 1. Oktober zu mindestens 85 Prozent aufgefüllt sein. Zum 1. November müssen es gar 95 Prozent sein. Wo die Gasspeicher in Deutschland liegen, sehen Sie auf folgender Karte:
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So voll sind wichtige Speicher

Ob die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden können, wird maßgeblich an der Befüllung großer Speicher liegen, die Gazprom absichtlich im Winter 2021/2022 leergefahren hat. Der größte Gasspeicher Deutschlands liegt im niedersächsischen Rehden und war zum Ende des Winters nur noch zu 0,5 Prozent gefüllt.
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Der Speicher in Rehden gehört Astora, einer Tochter von Gazprom Germania, die heute unter Zwangsverwaltung der Bundesnetzagentur steht. Zu Astora gehört auch ein Speicher im niedersächsischen Jemgum und ein sehr großer Speicher in Haidach. Der liegt zwar in Österreich, ist aber an das deutsche Gasnetz angeschlossen. Gazprom selbst kontrollierte noch bis Anfang August über die Tochter GSA den anderen großen Speicher in Haidach. Inzwischen wird dessen Kapazität durch die österreichische RAG Austria und durch die deutsche Astora verwaltet. Um den Winter schadlos zu überstehen, müssen auch diese Speicher bis zum Oktober aufgefüllt werden.
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So ausgelastet sind wichtige Pipelines

Deutschland bezog bisher rund 55 Prozent seines Erdgases aus Russland über drei Pipelines, die an drei Übergangspunkten in Deutschland anlanden: Greifswald an der Ostsee, Mallnow in Brandenburg an der Grenze zu Polen und Waidhaus in Bayern an der tschechischen Grenze.
An der Auslastung der Pipelines zeigt sich, wie viel Gas aus Russland zu uns fließt, um die Gasspeicher rechtzeitig zu füllen. Sie sind daher so etwas wie ein Fieberthermometer unserer Gasversorgung.
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Gasverbrauch im Winter am höchsten

Gas verbrauchen wir vor allem im Winter - dann ist der Verbrauch zwei bis dreimal höher als in den Sommermonaten. Das liegt vor allem an den privaten Haushalten, auf die rund ein Drittel unseres Erdgasverbrauchs entfällt, vor allem zum Heizen.
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Wenn Russland seine Lieferungen einstellt und das Gas in Deutschland knapp wird, sind private Haushalte aber besonders geschützt, damit niemand frieren muss. Bei einer "Gasmangellage" im Winter müssen industrielle Großverbraucher ihren Gasverbrauch als Erste herunterfahren oder ganz einstellen.
Betroffen wären zum Beispiel Chemiefabriken, Stahlwerke, Glasfabriken, Düngemittel- oder Papierhersteller. Die Folgen wären Produktionsausfälle, reißende Lieferketten, Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit. Um das zu verhindern, sollen die Speicher vor Winteranfang gut gefüllt sein.

Explodierende Gaspreise, leere Speicher, Angst vor Rationierung und Abschaltung– Putins Krieg hat Deutschlands Abhängigkeit von russischem Erdgas gnadenlos offengelegt.

27.07.2022 | 28:51 min

Flüssiggas soll Gasversorgung sichern

Das ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn ein Ersatz für das russische Gas ist nicht in wenigen Monaten zu beschaffen. Deutschland importiert vermehrt Flüssiggas, das an sogenannten LNG-Terminals von Belgien und den Niederlanden in das europäische Pipeline-Netz eingespeist und nach Deutschland geleitet wird.
Und bis Ende 2022 soll in Wilhelmshaven ein schwimmendes LNG-Terminal in Betrieb gehen - also ein Schiff, das Flüssiggas von anderen Schiffen in Gas umwandelt und in eine Pipeline einspeist. Diese Pipeline muss jetzt in Rekordtempo neu gebaut werden.

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