: Aphten im Mund - klein, aber gemein

von Bianca Koch
07.09.2023 | 09:31 Uhr
Aphten sind eine häufige Erkrankung der Mundschleimhaut. Die entzündeten Stellen sind nur wenige Millimeter groß, aber schmerzhaft und lästig. Was gegen die Läsionen hilft.

Liv-Grete Hartmann leidet seit ihrer Kindheit unter Aphten. Die Studentin hat schon viel ausprobiert. Mit mäßigem Erfolg. Jetzt soll eine Lasertherapie helfen.

07.09.2023 | 05:34 min
Etwa jeder Zehnte hat damit zu tun, Frauen häufiger als Männer: Aphten, kleine entzündete Stellen in der Mundschleimhaut. Und die sind meist auch noch recht schmerzhaft.
Oft kündigt sich eine Aphte durch ein Kribbeln oder Brennen an. Nach etwa einem Tag rötet sich die Stelle. Es entwickelt sich ein weißlicher Belag aus Fibrin, ein Eiweiß, das bei der Blutgerinnung entsteht. Die Gewebeläsionen sind nicht ansteckend oder gefährlich, aber für Betroffene äußerst lästig.

Dringt ein Fremdkörper in die Haut ein, reagieren Fresszellen im beschädigten Gewebe als erstes. Botenstoffe sorgen dafür, dass die Blutgefäße sich weiten und durchlässiger werden.

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Wo Aphten entstehen

Aphten entstehen meist am Zahnfleisch oder an der Innenseite der Wange, selten auf der Zunge, im Rachen, am Gaumen oder an der Innenseite der Lippe.
Oft beginnt das Auftreten schon im Kindes- und Jugendalter. Aphten kommen familiär gehäuft vor, so dass von einer genetischen Komponente ausgegangen werden kann.
Wenn die Mutter oder der Vater unter Aphten leidet, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass auch die Kinder unter Aphten leiden werden.
Prof. Frank Schwarz, Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie, Universität Frankfurt am Main

Was die Läsionen auslösen kann

Manche Betroffene haben nur hin und wieder damit zu tun, bei anderen treten Aphten häufiger auf. Die Ursache dafür ist nicht genau bekannt. Experten kennen jedoch Risikofaktoren, die die Entstehung von Aphten provozieren können, etwa mechanische Reize durch harte Zahnbürsten, Zahnspangen oder Prothesen. Auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie Zöliakie, eine familiäre Veranlagung, Medikamente und Stress können Aphten auslösen.
"Neuere Untersuchungen deuten auf Assoziationen mit Vitamin D hin. Hier sollte man ein differenziertes Blutbild durchführen, um zu wissen, welche Defizite vorliegen, um das gezielt auszugleichen", rät Oralchirurg Frank Schwarz von der Universität Frankfurt.
Auch ein Mangel an Eisen, Folsäure, Zink und Vitamin B-Komplexen kann Aphten hervorrufen. Oft treten die Läsionen im Zusammenhang mit anderen Krankheiten auf.
Eine profane Erkältung, eine bakterielle Infektion, Tumorerkrankungen oder auch Infektionen, die das Immunsystem betreffen, vor allem HIV, das sind Faktoren, die die Entstehung ganz klar begünstigen.
Prof. Frank Schwarz, Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie, Universität Frankfurt am Main
Daneben leiden auch Menschen, die eine entzündliche Darmerkrankung (Morbus Crohn, Colitis Ulcerosa) oder Morbus Behçet haben, oft unter Aphten.

Aphten: Welche Lebensmittel man meiden sollte

Bei manchen Menschen reduziert sich das Auftreten von Aphthen, wenn sie ihre Ernährung umstellen. "Die Empfehlungen für zu Hause sind denkbar einfach: eine Karenz für die Nahrungsmittel, die sich ganz klar mit Aphten in Verbindung bringen lassen. Und das sind histaminhaltige Nahrungsmittel", erklärt Oralchirurg Frank Schwarz. Rotwein sei hier an vorderster Stelle zu nennen.

  • Auch lang gereifter Käse und Salami enthalten viel Histamin.
  • Auf Haselnüsse, Walnüsse, Erdnüsse, Tomaten und Zitrusfrüchte sollte man ebenfalls verzichten, da sie Histamin im Körper freisetzen.

Während der Entzündungsphase hilft es, auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten, die die Schleimhaut zusätzlich reizen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • knusprige, harte Lebensmittel wie Kartoffelchips oder Zwieback.
  • Auch saure, scharfe oder salzige Speisen können Schmerzen verursachen.
  • Alkohol und kohlensäurehaltige Getränke sollte man ebenfalls meiden.

Wie man Aphten behandelt

Die Therapie von Aphthen zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern und die Heilung zu beschleunigen. Dazu eignen sich Lösungen, Salben und Sprays, die gefäßverengend, antiseptisch, entzündungshemmend, schmerzlindernd und antibiotisch wirken.
Nur Präparate, die die Schmerzen bekämpfen, werden vor dem Essen aufgetragen, die anderen danach. In der Zahnarztpraxis kann das entzündete Gewebe auch mit einem Laser behandelt werden. Durch die Lasertherapie soll die Wunde desinfiziert, die Heilung beschleunigt und der Schmerz gelindert werden. Bei seltenen, sehr schweren Verläufen kann auch die Einnahme von Medikamenten sinnvoll sein, die die Entzündung hemmen.
Alles, was innerhalb von zwei Wochen nicht abheilt, steht unter dringendem Verdacht, dass es eben keine Aphte ist.
Prof. Frank Schwarz, Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie, Universität Frankfurt am Main
Eine Mundschleimhautveränderung, die sich nicht zurückbildet und sich nicht einer Grunderkrankung oder Ursache zuordnen lässt, sollte unbedingt vom Zahnarzt untersucht werden, um Mundhöhlenkrebs und dessen Vorstadien auszuschließen.

Aphten: Auch Hausmittel helfen

Entzündungshemmende Pflanzenextrakte können den Heilungsprozess bei einer Aphten-Erkrankung beschleunigen. Dabei haben sich Tinkturen aus Kamille, Salbei, Myrrhe oder Rhabarberwurzel zum Spülen oder Auftragen bei kleineren Wunden im Mund bewährt. Die pflanzlichen Wirkstoffe verengen die Blutgefäße in der Schleimhaut.

Auch Aloe Vera, Propolis und Ingwer sollen die Wundheilung beschleunigen und so die Leidensphase etwas verkürzen.

Was man bei der Mundhygiene beachten sollte

Eine gründliche Mundhygiene ist bei Aphthen wichtig, damit sich im Mundraum keine Bakterien ausbreiten. Tipps:
  • Antibakterielle Mundspülungen beschleunigen die Heilung zwar nicht, reduzieren jedoch das Risiko einer Infektion.
  • Eine weiche Zahnbürste schützt vor Zahnfleischverletzungen, die neue Aphthen provozieren können.
  • Die Zahnpasta sollte kein Natriumlaurylsulfat (SLS) enthalten, da dieses Tensid die Mundschleimhaut reizt.

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