: Wie man Bluthochdruck erkennt

19.09.2023 | 14:40 Uhr
Die WHO nennt ihn "stillen Killer": Bluthochdruck. Er ist ein wesentlicher Risikofaktor für Erkrankungen, die Herz und Gefäßsystem betreffen, wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.

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Wann man von Bluthochdruck spricht

Nach aktueller Definition der Leitlinien spricht man von Bluthochdruck, wenn entweder ein sogenannter systolischer Wert von 140 oder ein sogenannter diastolischer Wert von 90 erreicht oder überschritten wird. Demnach leiden zwischen 20 und 25 Prozent aller Deutschen an diesem gefährlichen (weil oft lange unbemerkten und schmerzlosen) Risikofaktor.
Doch es gibt auch eine Debatte darüber, ob man nicht schon ab Werten über 120 zu 80 von Bluthochdruck (Hypertonie) sprechen müsste. Für Kardiologen besonders wichtig ist es, den Blutdruck immer individuell in Bezug zur gesamten körperlichen Verfassung eines Menschen zu betrachten und die Werte auch so zu interpretieren.

WHO: 1,3 Milliarden Menschen mit Bluthochdruck

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet Bluthochdruck als "stillen Killer", weil vier von fünf Betroffenen nicht richtig behandelt werden. Mit besserer Aufklärung, Diagnose und Behandlung könnten nach Schätzung der WHO bis 2050 weltweit 76 Millionen Menschenleben gerettet werden. Ebenso würden 120 Million Schlaganfälle und 79 Millionen Herzinfarkte verhindert. In ihrem ersten Bericht über das globale Ausmaß von Bluthochdruck schrieb die WHO am Dienstag, dass jeder dritte Erwachsene betroffen sei.

Die Zahl der Menschen mit hohem Blutdruck habe sich zwischen 1990 und 2019 verdoppelt - auf rund 1,3 Milliarden Menschen. Fast die Hälfte von ihnen sei sich des Problems aber gar nicht bewusst. Drei Viertel der Betroffenen leben in Ländern mit niedrigen oder mittleren Einkommen. Die WHO lobte Kanada und Südkorea, wo inzwischen mehr als die Hälfte aller Betroffenen behandelt würden.

Quelle: dpa

Ein hoher Blutdruck kann angeboren sein, deshalb ist Blutdruckmessen nicht nur etwas für Ältere. Ab jedem Alter müsse man seinen Blutdruck kennen, empfiehlt Oliver Vonend, Facharzt für Innere Medizin am Nierenzentrum Wiesbaden. So gebe es Jugendliche, die erhöhte Blutdruckwerte haben.
Also bei jeder Gelegenheit, bei jedem Besuch beim Arzt sollten die Blutdruckwerte bestimmt werden.
Oliver Vonend, Facharzt für Innere Medizin

Wie man Bluthochdruck diagnostiziert

Am sichersten diagnostiziert wird eine Hypertonie mit einem 24-Stunden-Messgerät. Das ist zum einen beim Hausarzt möglich, aber auch mit einem Internisten kann man über Zielwerte und Risiken sprechen.
Das gibt man dem Patienten mit nach Hause und der misst dann alle 15 Minuten tagsüber und alle 30 Minuten nachts.
Oliver Vonend, Facharzt für innere Medizin
Denn selbst eine Blutdruckmessung beim Arzt kann zu hohe Werte liefern. Die Patienten sind oft aufgeregt. Man spricht deshalb von "Weißkittelhypertonie". Um diesen Effekt etwas abzumildern hat Vonend in seiner Praxis beispielsweise einen speziellen Raum, in dem seine Patienten erst mal entspannen und abschalten können. Ein Messgerät ermittelt dann die Blutdruckwerte mehrfach hintereinander.
Ein Kardiologe kann möglichen Schäden durch den Bluthochdruck auf den Grund gehen, beispielsweise verdickten Herzwänden. Neben der Blutdruckmessung und einer Blutentnahme (zur parallelen Einschätzung anderer Risiken) sind ein Herzultraschall und ein EKG in Ruhe und bei Belastung gängige Untersuchungen.

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Wie Bluthochdruck behandelt wird

Ein wesentlicher Baustein der Therapie bei Bluthochdruck sind Medikamente. Ganz wichtig ist, dass deren Einsatz (Nutzen und Risiken) immer mit ärztlicher Beratung individuell abgewogen werden muss. Das gilt besonders auch für die Dosierung und den kombinierten Einsatz solcher Medikamente sowie für zu erreichende Zielwerte des Blutdrucks, die (auch unter Abwägung anderer Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes) von Patient zu Patient unterschiedlich sein können.

Wie man seinen Blutdruck beeinflussen kann

Neben der medikamentösen Therapie gibt es einige Maßnahmen, mit denen Betroffene ihren Blutdruck in vielen Fällen selbst positiv beeinflussen können. Sehr entscheidend ist zunächst die Vermeidung oder Reduktion von Übergewicht. Zudem schadet übermäßiger Alkoholkonsum. Bewegungsmangel ist ebenfalls ungünstig, zum Beispiel durch langes Sitzen am Arbeitsplatz.
Betroffene sollten für Pausen sorgen, in denen sie sich ausreichend bewegen. Einem guten Blutdruck sehr förderlich ist oft regelmäßig ausgeübter Ausdauersport, zum Beispiel Jogging, Radfahren, Schwimmen oder Nordic Walking. Außerdem sollten Betroffene auf eine ausgewogene, gesunde Ernährung achten, mit viel frischem Obst und Gemüse. Auch ausreichend zu trinken (am besten Wasser oder Saftschorlen) und genug Ruhe, Schlaf und Entspannung sind wichtig.

Wie man den Blutdruck selbst misst

Im Handel gibt es zahlreiche mechanische und elektronische Blutdruckmessgeräte für zu Hause. Nach entsprechender Anleitung sind sie recht einfach zu handhaben. Auch Broschüren für die tägliche Dokumentation gibt es.
Gemessen wird immer der Druck in den Arterien, der von der Dehnbarkeit der Gefäßwände, der Spannung der Gefäßmuskulatur und von der Blutmenge, die das Herz pro Minute in die Hauptschlagader pumpt, abhängig ist. Gemessen werden der systolische Wert, der während der Anspannung des Herzmuskels entsteht, sowie der dyastolische Wert, der während der Füllungsphase auftritt.
Ganz wichtig für Menschen, die ihren Blutdruck regelmäßig zu Hause messen wollen, ist zu wissen, dass der Blutdruck in der Regel im Tagesverlauf diversen Schwankungen unterliegt. Die Stelle am Arm, an der gemessen wird, sollte auf Höhe des Herzens gehalten werden. Generell sollte man die Blutdruckmessung zur gleichen Tageszeit an beiden Armen durchführen und die Werte regelmäßig kontrollieren. Zeigt die Messung Unterschiede auf, sollten diese mit einem Arzt besprochen werden. Für die individuelle Deutung und Interpretation der Werte ist es unerlässlich, mit einem Arzt Rücksprache zu halten.

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Quelle: ZDF

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