: Armbänder als Schutz vor K.-o.-Tropfen?

von Sabrina Zimmermann
05.02.2024 | 10:53 Uhr
Sie wirken schnell und sedieren die betroffene Person: K.-o.-Tropfen. Armbänder mit Testfeldern sollen diese Tropfen im Getränk nachweisen können. Was an ihnen problematisch ist.

Auf Volksfesten oder Partys passiert es immer wieder, dass ahnungslosen Menschen K.-o.-Tropfen ins Glas geträufelt werden. Die Wirkung ist tückisch, die Folgen für das Opfer oft schwerwiegend.

05.02.2024 | 02:53 min
K.-o.-Tropfen sind flüssige Substanzen, die sedierend wirken. Diese werden in Getränke gemischt, um die Betroffenen wehr- und willenlos zu machen. Die Substanzen sind farb- und geruchlos und haben keinen signifikanten Geschmack. Das macht es also geradezu unmöglich, sie im Drink zu erkennen. Deshalb ist es eine verlockende Vorstellung, mit einem schnellen Test K.-o.-Tropfen zu identifizieren.

Testarmband soll GHB im Glas anzeigen können

Was hierzulande in Apotheken oder im Internet erhältlich ist, sind Armbänder, die auf Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB) im Glas aufmerksam machen. Dafür träufelt man etwas von dem Drink aufs Armband, das sich dann eventuell verfärbt.
Allerdings sehen Expertinnen und Experten diese Tests eher kritisch. So auch Florian Eyer, Chefarzt der Abteilung für Klinische Toxikologie und Giftnotruf München.
Eine Blauverfärbung ließ sich bei höheren Konzentrationen von GHB relativ zuverlässig nachweisen. Allerdings erschien uns die Ablesbarkeit unter Bedingungen wie zum Beispiel in Clubs/Diskotheken mit schlechten Lichtverhältnissen problematisch.
Prof. Dr. Florian Eyer, Chefarzt der Abteilung für Klinische Toxikologie und Giftnotruf München
Außerdem könnten die Tests durch verschiedene Getränke wie Rotwein, Rum oder Cola gestört werden, da sie die Farbreaktion beeinflussen, erklärt Eyer.

K.-o.-Tropfen sind geschmack- und geruchslos. Heimlich in den Drink gemischt, machen sie das Opfer willenlos und zur leichten Beute für Täter. Wie kann ich mich schützen? Etta Hallenga, Sozialpädagogin und Traumatherapeutin, im Gespräch.

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K.-o.-Tropfen-Test: Nicht alle Substanzen nachweisbar

Andere Substanzen wie beispielsweise Benzodiazepine, Clozapin oder Antidepressiva können diese Tests nicht nachweisen. Es besteht also die Wahrscheinlichkeit, dass andere Substanzen im Getränk sein können, die mit dem Armband nicht festgestellt werden können. Das kann Testende in falscher Sicherheit wiegen. Ein weiteres Problem sieht Eyer darin, dass die kommerziell angebotenen Tests kaum reguliert werden.
Diese Testverfahren wurden in der Regel keiner behördlichen Überprüfung unterzogen, sie sind demnach meines Wissens auch keine Medizinprodukte, an die strenge Anforderungen gestellt werden.
Prof. Dr. Florian Eyer, Chefarzt der Abteilung für Klinische Toxikologie und Giftnotruf München
Anbieter solcher Testarmbänder sehen die Armbänder als Erinnerung, achtsam zu sein und Täter mit dem Tragen des Armbands abzuschrecken.

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Betroffene tragen keine Schuld

Eine abschreckende Wirkung bestätigt auch der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe. Doch der Fokus sollte auf dem Täter liegen.
Wichtig ist zu betonen, dass bei einem Vorfall niemals das Verhalten der Betroffenen die Schuld trägt; die Verantwortung liegt einzig und allein bei den Tätern.
Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe
Um dem Einsatz von K.-o.-Tropfen entgegenzuwirken, benötige es Präventionsarbeit. Einerseits um Frauen zu stärken, aber andererseits auch, damit Männer gar nicht erst übergriffig würden.

Tipps zum Schutz vor K.-o.-Tropfen

Um das Risiko, ein Getränk mit K.-o.-Tropfen zu trinken, zu minimieren, gibt es mehrere Vorsichtsmaßnahmen. Der Drink sollte im Blick behalten und keine offenen Getränke von Unbekannten angenommen werden. Wobei zu beachten ist, dass Täter auch aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis stammen können.
Die meisten denken bei K.-o.-Mitteln an öffentliche Clubs oder Veranstaltungen, doch auch auf betrieblichen und privaten Partys oder in anderen privaten Kontexten kann es zu einem solchen Übergriff kommen.
Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe
Gemeinsam kommen und gehen sowie aufeinander achten, ist ebenfalls wichtig. Einen hundertprozentigen Schutz vor K.-o.-Tropfen gibt es jedoch nicht.
Sabrina Zimmermann ist Redakteurin des ZDF-Magazins WISO.

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