Update

: Was gibt Europa für die Ukraine?

von Daniel Pontzen
10.06.2024 | 06:30 Uhr
Aus Brüssel wandert der mediale Lichtkegel diese Woche zunächst Richtung Berlin und dann in die Schweiz. Im Mittelpunkt jeweils: die Ukraine.
Quelle: ZDF

Guten Morgen,

eines war diesmal anders. Auch bei vorherigen Europawahlen hatte es die Appelle gegeben, doch bitte zur Wahl zu gehen. Schließlich gelte es, etwas Großes zu bewahren - das "Friedensprojekt Europa". Vermutlich wird sich nun mancher dabei ertappt fühlen, solche Hinweise in der Vergangenheit, freundlich lächelnd, als ein bisschen arg dick aufgetragen empfunden zu haben. Denn der Frieden war eingepreist, die Wehrpflicht längst ausgesetzt, die Politik würde sich ja schon was dabei gedacht haben.
Jetzt ist das anders. Diese Woche dürfte erneut jedem deutlich werden, dass der Begriff "Friedensprojekt Europa" kein Sonntagsreden-Versatzstück ist, sondern ein ungeahnt fragiles und daher schutzbedürftiges Gebilde. In der Ukraine weiß das nicht erst seit Februar 2022 jeder. Der Präsident des geschundenen Landes, Wolodymyr Selenskyj, wird mit seinem für morgen geplanten Auftritt im Bundestag daran erinnern, dass die exakt dort verlautbarte "Zeitenwende" ebenfalls mehr ist als eine rhetorische Figur: ein Auftrag, und zwar ein langwieriger und teurer.
Um Kosten geht es ab Dienstag auch bei der zweitägigen Ukraine-Wiederaufbaukonferenz in Berlin. Allerdings handelt es sich hierbei nicht um eine klassische Geberkonferenz, bei der sich einzelne Staaten auf konkrete Zuschüsse verpflichten. Stattdessen steht im Mittelpunkt, dass sich Vertreter der zerstörten Kommunen mit denen von Unternehmen, Organisationen und Regierungen vernetzen - also gewissermaßen das Fundament für Wiederaufbau gießen. Rund 2.000 Teilnehmer kommen zusammen, unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen.
Wie viel wieder aufgebaut werden muss, hängt freilich davon ab, wie lang dieser Krieg noch dauern wird. Am Wochenende wird in der Schweiz eine zweitägige Ukraine-Friedenskonferenz stattfinden, auch sie allerdings dürfte kaum jene Hoffnungen erfüllen, die sich mit ihrem wohlklingenden Namen verbinden. In der Bundesregierung gab es hinter vorgehaltener Hand sogar einige Verärgerung über die Gastgeber: Substanzielle Unterstützung für die Ukraine habe das Land ausdauernd verwehrt, nun schmücke es sich mit einer Konferenz, von der vorher schon feststehe, dass sie kaum etwas bringen werde - weil die Voraussetzungen dafür vorab nicht geschaffen wurden.
Wahrscheinlich muss man sich an diesen Gedanken klammern: dass die Erwartungen so niedrig sind, dass sie nur übertroffen werden können. Indem vielleicht doch irgendetwas erwächst, und sei es die Verständigung auf ein nächstes, dann womöglich aussichtsreicheres Treffen. Was aus Sicht der Menschen in der Ukraine gleichwohl wenig Trost spenden dürfte. Schließlich ist jeder Monat Krieg ein verlorener Monat Zukunft.
Wir werden die genannten Ereignisse für Sie im Blick haben - und berichten.
Ihnen eine gute Woche!
Daniel Pontzen, ZDF-Hauptstadtkorrespondent

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Was heute noch wichtig ist

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Am Abend finden gleich sechs Finals statt. Unter anderem der 400-Meter-Lauf der Männer und Frauen und auch die 200-Meter der Männer. Nebenbei kämpfen die Hammerwerferinnen und die Stabhochspringerinnen um den Titel - ab 20:15 Uhr hier live:
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Zahl des Tages

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Gesagt

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Am 10. Juni 2001 bekannte sich der SPD-Politiker Klaus Wowereit öffentlich zu seiner Homosexualität. Kurz darauf wird er zum Regierenden Bürgermeister Berlins gewählt. Damit war er der erste aktive Spitzenpolitiker in Deutschland, der sich outete.

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Am Montag klingen Regen und Gewitter im Südosten ab. Im Nordwesten zieht neuer Regen auf, der am Nachmittag ganz im Westen in Schauer und Gewitter übergeht. Dazwischen ist es auch mal länger sonnig und es bleibt meist trocken. Die Höchstwerte liegen zwischen 15 und 23 Grad.
Quelle: ZDF
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