FAQ

: Kampfpanzer-Debatte: Das sind die Knackpunkte

24.01.2023 | 11:05 Uhr
Ist der Kanzler in der Kampfpanzer-Debatte ein kluger Steuermann oder ein Bremsklotz? Der Ukraine läuft womöglich die Zeit weg - während er noch entscheidet. Fakten zur Debatte.
Liefert Deutschland Panzer in die Ukraine und erlaubt Berlin anderen Ländern die Lieferung? Darüber wird nicht nur europaweit heftig diskutiert.Quelle: imago/Sven Eckelkamp
Im Streit um die Lieferung von Leopard-Kampfpanzern an die Ukraine will die polnische Regierung jetzt eine Entscheidung herbeiführen. Der jetzt eingegangene Antrag auf Liefergenehmigung setzt die Bundesregierung vor den Augen der Verbündeten unter Zugzwang.
Erstmal nichts zu entscheiden und ein Gesuch wochenlang abhängen lassen - wie von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) noch im vergangenen Jahr im Fall Estlands und der Haubitzen aus DDR-Altbeständen praktiziert - scheint keine Option.

Dauert es noch Tage oder eher Wochen, bis sich Olaf Scholz für oder gegen die Lieferung deutscher Panzer in die Ukraine ausspricht? Noch ist nichts entschieden - trotz Drucks.

24.01.2023 | 02:50 min
Polens Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hat angekündigt, notfalls auch ohne Zustimmung Deutschlands Leopard-Panzer an die Ukraine zu liefern.
Darum geht es:

Warum fordert die Ukraine den Leopard so dringend ein?

Vom ersten Kriegstag an hat die Ukraine russische Angreifer mit ihren militärischen Fähigkeiten überrascht. Der russische Vormarsch wurde gestoppt und auch zurückgedrängt. Aber Russland baut Kräfte für einen neuen Vorstoß auf, bei dem die Ukraine schwere Verluste erleiden oder weitere Gebiete verlieren könnte.
Der frühere General der Nato, Hans-Lothar Domröse, erwartete im "Spiegel"-Gespräch "eine fürchterlich blutige Frühjahrsoffensive". Oder wie es Morawiecki am Sonntag der Nachrichtenagentur PAP sagte:
Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie die Ukraine ausblutet. Die Ukraine und Europa werden diesen Krieg gewinnen - mit oder ohne Deutschland.
Mateusz Morawiecki, Ministerpräsident von Polen

Welche Kampfpanzer hat die Ukraine bisher, was können die Leopard-Panzer besser?

Die Ukraine hat sich seit der russischen Annexion der Krim im Jahr 2014 mit Unterstützung aus der Nato auf eine militärische Auseinandersetzung mit Russland vorbereitet. Aus Altbeständen verfügt sie über Hunderte Schützenpanzer sowie Kampfpanzer aus sowjetischer Entwicklung, ältere wie den T-72 oder den T-80 und auch das Folgemodell T-90 - als Beute-Panzer, von russische Truppen zurückgelassen.
In der ersten Phase des Krieges haben Staaten wie Tschechien, Polen und die Slowakei der Ukraine ihre eigenen Altbestände zur Verfügung gestellt. Zugleich begann ein qualitativer Schritt nach vorn, indem die ukrainische Artillerie moderne westliche Raketenwerfer und die Panzerhaubitze 2000 erhielt.

Polen will Deutschland offiziell um die Liefererlaubnis von Leopard-Panzern bitten. Doch Bundeskanzler Scholz hält sich weiterhin bedeckt.

23.01.2023 | 01:55 min
Westliche Kampfpanzer - hier vor allem der Leopard - würden nun die Fähigkeit der Ukraine zur Offensive erhöhen, also zur Rückeroberung besetzter Gebiete. Diese Panzer sind vor allem in den moderneren Versionen dem russischen Gerät überlegen und können den Gegner im "Duell" vielfach zerstören.

Könnte die Bundesregierung Leopard-Panzer noch rechtzeitig zur befürchteten Frühjahrsoffensive Russlands liefern?

Die Bundeswehr verfügte im vergangenen Jahr über 312 Leopard-2-Panzer, darunter aber kein einziges Modell der älteren Version Leopard 2A4, die nun für die Ukraine in den Blick genommen wird.
Noch am ehesten verzichtbar für die Bundeswehr sind 19 Stück in der Version Leopard 2A5. Sie werden derzeit im Gefechtsübungszentrum zur "Darstellung gegnerischer Kräfte" genutzt, sollen bei Ausbildungen also den Feind darstellen. Fortlaufend wird geklärt, welche Folgefragen sich ergeben: Ausbildung, Ersatzteile, Munition.
Kritiker im In- und Auslands warnen, dass der Ukraine die Zeit davonlaufen könnte.

Kein Tag in Berlin ohne Panzer-Debatte: Ein Stress-Test auch für die Ampel. Bei manchen Koalitionären liegen die Nerven blank.

23.01.2023 | 03:02 min
Eine bittere Erfahrung dabei: In der Bundesregierung schien der Prozess der Entscheidung mehrfach als eigentliche Herausforderung verstanden worden zu sein. Es folgte allgemeines Erstaunen darüber, dass Entscheidungen auch in der Praxis umgesetzt werden müssen.
Konkret: Woher genau beispielsweise die zugesagten 40 Marder-Schützenpanzer als deutscher Beitrag an die Ukraine kommen werden, ist noch nicht verkündet, während schon über Leopard-Panzer gerungen wird.
[Das sagt der neue Bundesverteidigungsminister Pistorius (SPD) zu der ausstehenden Kanzler-Entscheidung:]

Gibt es noch andere Kampfpanzer, die für die Ukraine von Bedeutung sind?

Großbritannien hat schon angekündigt, den Challenger 2 an Kiew geben zu wollen. Für den Einsatz der Waffensysteme ist es aber von Vorteil, wenn das Gerät möglichst einheitlich ist. Für die Instandsetzung muss das Großgerät womöglich aus der Ukraine herausgefahren werden.
So haben der Panzerbauer KMW und das deutsche Verteidigungsministerium ein Werkstattzentrum ("Hub") im Grenzgebiet der Slowakei zur Ukraine aufgebaut, um Systeme wie die Panzerhaubitze 2000 nach dem Fronteinsatz zu reparieren und Verschleißteile auszutauschen.

Die ausbleibenden Panzerlieferungen aus Deutschland stoßen bei den Menschen in Borodjanka nahe Kiew auf gemischte Reaktionen. Die Hoffnung wird enttäuscht, die westliche Unterstützung aber gelobt.

21.01.2023 | 01:51 min

14 Leopard-Panzer aus Polen, 14 britische Challenger - mehr als Symbolpolitik?

Mit 14 Kampfpanzern ist in der Bundeswehr und den polnischen Streitkräften jeweils eine Kompanie ausgestattet. Sie wirken im Verbund mit Schützenpanzern und anderen Großwaffen.
Es ist die Hoffnung und Forderung der ukrainischen Regierung, dass dies nur den Einstieg in eine umfangreichere Überlassung von womöglichen Hunderten Kampfpanzern sein könnte - oder anders gesagt auf ein Bekenntnis zur Verteidigungshilfe "whatever it takes" ("was auch immer notwendig ist").

Scholz steht in der Kritik. Der Unmut der Verbündeten wächst stetig. Sie bitten und fordern, Leopard-Panzer zu liefern. Sie warten auf eine Entscheidung - doch Scholz sagt: nichts.

22.01.2023 | 04:14 min

Wie ist die Stimmung in Deutschland?

Eine mögliche Lieferung von Leopard-Panzern an die Ukraine ist - so eine Umfrage - in der deutschen Bevölkerung umstritten. Bei der Forderung, der Ukraine auch Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 zu liefern, sind laut ZDF-Politbarometer 42 Prozent dafür und 46 Prozent dagegen (Stand 13. Januar). Im "Deutschlandtrend" der ARD sprechen sich 46 Prozent der Befragten dafür aus, 43 Prozent sind dagegen (Stand 19. Januar).
Aktuelle Meldungen zu Russlands Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit in unserem Liveblog:
Quelle: Carsten Hoffmann, dpa

Aktuelle Nachrichten zur Ukraine