: Naturteich anlegen, Tiere retten: So geht's

von Christian Ehrlich
18.06.2023 | 12:17 Uhr
Gerade in der warmen Jahreszeit sind Gärten so eine Art Oase, um zu entspannen. Sie können aber auch viel mehr sein: ein echtes Biotop - in dem man viel Spannendes entdecken kann.

Tipps von Artenschützer Christian Ehrlich, wie man einen naturnahen Teich selbst anlegt.

02.06.2023 | 08:12 min
Viele Menschen finden Gartenteiche besonders interessant, weil Wasser eine besondere Faszination auf uns ausübt. Ein gut angelegter Teich kann aber zusätzlich auch Dutzenden teils vom Aussterben bedrohten Tierarten das Leben sichern.
Oft wird unterschätzt, wie vielen unterschiedlichen Tierarten mit einem Teich geholfen werden kann. Das sind nicht nur Fische, Frösche oder andere Amphibien, sondern auch Reptilien, Vögel und Säugetiere, die Teiche zum Trinken, Baden oder Jagen nutzen.
Natürlich brauchen auch ganz viele Insekten und andere Kleintiere das Wasser, allen voran die wundervollen Libellen oder Wasserschnecken.

Pflegeleichtes Grün ist für Insekten oft lebensfeindlich. Mit einer bewussten Auswahl für die richtigen Pflanzen, kann aber schnell eine Oase für etliche kleine Tiere entstehen.

12.02.2019 | 02:16 min

Was unterscheidet einen Naturteich von einem konventionellen Teich?

Die Bauweise für einen konventionellen und einen Naturteich ist nahezu gleich, sehr unterschiedlich ist aber der Besatz mit Pflanzen und Fischen. Beim Naturteich setzt man generell vor allem auf einheimische Arten, um die natürliche Biodiversität zu fördern.
Bei den Pflanzen sorgt der naturfreundliche Teichbesitzer für einen üppigen Ufer- und Flachwasserbewuchs (z.B. Sumpfschwertlilie, Wasserminze, Froschlöffel, Blutweiderich), man achtet zudem darauf, dass es Teilbereiche in den tiefen Zonen des Teichs gibt, die "verkrauten" - das bedeutet, dass Unterwasserpflanzen wie die Wasserpest dichte Büschel bilden. Darin können sich Molchlarven, junge Fische und Insekten gut verstecken und somit erfolgreich aufwachsen.
Übrigens: Wer Ableger von anderen Teichfreunden bekommt, "importiert" direkt auch wichtige Kleinlebewesen in den neuen Teich. Zudem filtern all diese Pflanzen auch Nährstoffe aus dem Wasser, die dazu führen würden, dass der Teich ansonsten veralgt. Denn eines ist klar: Anti-Algen-Mittel und andere Chemikalien gehören nicht in einen Naturteich!

Goldfische und Kois verhindern Biodiversität im Teich

Bei den Tieren ist es oft schwer, Menschen davon zu überzeugen, auf Goldfische und Kois zu verzichten. Beides sind aber recht groß werdende Karpfenfische (Goldfische bis ca. 35 Zentimeter, Kois sogar bis ca. 90 Zentimeter) und Allesfresser, die anderen Tieren kaum Überlebenschancen bieten. Sie verhindern in gewisser Weise also die Biodiversität im Teich.
Wer nicht auf Fische verzichten möchte, sollte einen Besatz aus heimischen kleinen Arten wie z.B. Moderlieschen (neun Zentimeter), Bitterling (fünf bis sieben Zentimeter) oder Gründling (12 Zentimeter) einsetzen. Diese Fische kommen von Natur aus in kleineren Teichen und Seen in Deutschland vor und leben in einem engen Verbund mit vielen Insektenarten.
Übrigens: Moderlieschen oder Libellenlarven vertilgen Mückenlarven auf ganz natürlich Weise. Inzwischen gibt es Bitterlinge übrigens auch als "Gold-Bitterlinge", wenn man auf den "Farbtupfer" im Teich nicht verzichten möchte.

Einheimische Tiere und Pflanzen werden durch invasive Arten verdrängt. Laut einem UN-Bericht zerstört dies einheimische Ökosysteme und führt zu hohen wirtschaftlichen Schäden.

04.09.2023 | 01:38 min

Was muss man beim Anlegen eines Naturteichs beachten?

Der Standort sollte nicht voll schattig, aber auch nicht den ganzen Tag in der vollen Sonne sein. Wer Fische einsetzen möchte, sollte eine Mindesttiefe von 90 Zentimeter vorsehen.
Das Erdloch wird in drei Stufen angelegt: Sumpfzone (10 bis 20 Zentimeter), Flachwasserzone (20 bis 50 Zentimeter) und Tiefenzone, dann wird Vlies als Schutz für die Folie eingelegt und darauf eine handelsübliche Teichfolie verlegt. Diese erst abschneiden, wenn das Wasser drin ist, da sie sich noch "zieht".
Am Ufer lege ich gerne unbehandelte Kartoffelsäcke aus Jute aus. Diese werden eingeschlitzt und bepflanzt. In dem Gewebe wurzeln Uferpflanzen schnell und rutschen nicht ab. Zudem können Tiere leichter aussteigen als auf der rutschigen Folie.

Das Artensterben in Deutschland ist dramatisch - unsere heimische Biodiversität ist in Gefahr. Besitzer von Gärten und Balkonen entdecken jetzt, was sie selbst dagegen tun können.

23.07.2023 | 28:46 min

Naturteich braucht Gewöhnungsphase

Danach benötigt der Teich einige Wochen, um biologisch "einzulaufen". Erst dann kann man die ersten Fische einsetzen. Amphibien wandern oft schon nach wenigen Wochen oder Monaten von ganz alleine zu. Mit etwas Glück kann man an einem solchen Naturteich im Garten mehrere Dutzend Tierarten beobachten - von der Libelle bis zum seltenen Kammmolch.

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